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Skulpturen

Spur II

Essen

Künstler >

Tom Fecht (*1952)

Entstehungsjahr >

1999

Material >

Pflastersteine

Maße >

1200 x 60 cm

PROJEKTBESCHREIBUNG

Tom Fecht: Spur II, 1999, Pflastersteine, 1200 x 60 cm, Kettwiger Straße / Burgplatz 

In die Plattenpflasterung des Essener Burgplatzes ist ein zwölf Meter langes, dreilagiges Band aus insgesamt 204 quadratischen und rechteckigen Kopfsteinen eingelassen, von denen zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Textes 32 Stück einen eingeprägten Namen tragen. Andere Steine sind leer. Dazu kommen einige Steine mit einem eingeprägten „+“ Zeichen, sowie am unteren Ende ein größerer Stein mit der Beschriftung  „Mémoire Nomade NAMEN und STEINE  ESSEN 1999“ und am oberen Ende ein Stein mit der Aufschrift „DENKRAUM“.

 

1991 prägte der Künstler Tom Fecht einen Stein mit dem Namen des 1989 an AIDS verstorbenen Fotografen Robert Mapplethorpe und führte dieses Konzept 1992 als inoffiziellen Beitrag der documenta IX vor dem Fridericianum in Kassel in erweiterter Form fort. Auch hier sollten die Namen, teils voll ausgeschrieben, teils nur als Vornamen, an Menschen erinnern, die  an an AIDS verstorben sind.[1]Als temporäre Installation konzipiert, entwickelte sich bei Kasseler Bürgern der Wunsch nach Erhalt und Erweiterungder Installation.[2]Das Band aus Steinen sollte ursprünglich nur aus Namen bestehen, aber aus Kostengründen wurden auch Leersteine und solche mit „+“ Zeichen versehene verwendet. Diese Plussteine belegte der Künstler mit mehreren Bedeutungen: als Zeichen der Addition, dem Kreuz als religiösem Symbol, dem Umstand (HIV) Positiv zu sein, als Zeichen der Solidarität, als Koordinate und Hinweis auf die Erweiterbarkeit.[3]

Diese Grundkonzeption wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen AIDS-Stiftung Bonn zur Vorlage für die Verwirklichung des Projektes "Namen und Steine", das Fecht in einigen weiteren Städten umsetzte. Darunter 1993 auch in Köln temporär unter dem Namen „Spur“ mit 450 Steinen als Vorläufer der dauerhaften Essener Fassung „Spur II“, die 1999 als Initiative der AIDS-Hilfe Essen e.V. entstand. Der Titel, der auf dem großen Stein am unteren Ende eingraviert ist, lässt sich folgender Maßen auflösen: Die Namen stehen als Symbol für die Sprache der Steine, die Steine wiederum für den Namen der Erde. In Kombination ergeben sie ein „mémoire“, einen Gedenk- und Erinnerungsort, dessen „nomadischer“ Charakter das Temporäre, aber auch die unter den Füßen in Bewegung geratenen Steine beschreibt.[4]

Das Projekt und die Zuständigkeit der Stiftung endeten im Jahr 2001, doch das Projekt kann durch neue Partnerschaften und partielle Vergemeinschaftung lokal weitergeführt werden. In Essen wurde die Installation auf dem Burgplatz um 2009 bei Umbauarbeiten von der ursprünglichen Stelle etwas nach rechts verlegt und rahmt jetzt einen Platz mit Stufenanlage ein. Sollte sie in Zukunft doch aufgelöst werden, existiert für diesen Fall in Steinbergen bei Hannover die Schlussinstallation „Kaltes Tor“, in der aufgelassene Projektsteine in ein Kenotaphgebäude umgesetzt werden können.[5]

 

[1]Heide, Ulrich: Arbeitsjournal. Zur Arbeit von Tom Fecht, in: Heide, Ulrike; Dietmar Kamper (Hgg.): Tom Fecht. Namen und Steine. Mémoire Nomade, Wien 2001, vgl. S. 98-100.

[2]Heide, Ulrich: AIDS und die Kunst. Die deutsche AIDS-Stiftung und die Kunst, in: ebd., S. 18.

[3]Heide, Ulrich: Arbeitsjournal. Zur Arbeit von Tom Fecht, in: ebd., vgl. S. 100.

[4]  Vergleiche Heide, Ulrich: Einführung, in: ebd. S. 12.

[5]    Aretz, Bernd: Erinnerungen. Fundamente der Zukunft, in: ebd., S. 172.

 

Text: Tibor Krauß

Fotos: Joanna Kischka
 

STANDORT

Essen, Kettwiger Straße / Burgplatz 

BESITZ

AIDS-Hilfe Essen e.V.

LITERATUR

Heide, Ulrich; Dietmar Kamper (Hgg.): Tom Fecht. Namen und Steine. Mémoire Nomade, Wien 2001.