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Skulpturen

Industrietempel

Oberhausen

Entstehungsjahr >

1994

Material >

Klinker, Mörtel

PROJEKTBESCHREIBUNG

Am östlichen Fußpunkt der Halde an der Knappenstraße in Oberhausen sind den vier stufenförmigen Beton-Fundamenten einer früheren Lorenbahntrasse tempelartige Gebilde im Miniaturformat in rotem Klinker vorgeblendet. Auf der Schmalseite der Fundamente, die zum Weg hin ausgerichtet sind, bilden bei allen vier Konstruktionen zwei Lagen aus diagonal gesetzten Klinkern einen Giebel, wobei darunter zwei waagerecht auskragende Ziegel an den Seiten ein Gesims andeuten. Die Vorderfront ist jeweils durch einen Rundbogen mit vorkragendem Kämpfer geöffnet und zeigt die dahinter bündig liegende Oberfläche der Fundamente. Der nördlichste Tempel umhüllt die beiden oberen Stufen des Fundaments vollständig, die Längsseiten sind durch drei Rundbögen strukturiert.

Die zwei mittleren Bauten bestehen nur aus den vorderen Fassaden, wobei die Bögen durch die vorgefundenen Fundamente mal höher oder kürzer ausfallen. Der südlichste Tempel umschließt nur die Hälfte des Pfeilers und weist an den Längsseiten jeweils nur einen Rundbogen zwischen breiteren Mauerflächen auf.

Im Werk von Hannes Forster gibt es mit dem Übertitel „Arbeiten zur Zeit“ in seinem Werk eine offene Reihe von Arbeiten, die den Umgang mit der Geschichte thematisieren.[1]

So zeigt „Der Berg ruft“ in Lünen ein scheinbar durch Bergschäden in Schieflage geratenes, halb in den Boden versunkenes Zechensiedlungshaus[2]und die Arbeit „Eine echte falsche Geschichte“ auf dem Moltkeplatz in Essen, beschreibt anhand eines bis auf Brusthöhe aufgemauerten Grundrisses eines Kirchenschiffs, den Wandel der Kirche im Laufe der Jahrhunderte.[3]

Die vier Tempel der Arbeit „Industrietempel“ behandeln den Abriss historischer Bausubstanz[4]und stellen einen Bezug zur Bergbaugeschichte des Ruhrgebiets und der Zeche Oberhausen her, die von 1859 bis 1931 durchgehend in Betrieb war. Nach dieser Zeit wurden deren Abbaufelder anderen Zechen zugeschlagen und zum Ende der 1950er Jahre die meisten Übertagebauten abgerissen.

Die gemauerten Rundbögen der Tempel erinnern an die Architektur der frühen Zechenbauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die, z.B. wie die Zeche Zollern in Dortmund, von einer neogotischen Formensprache geprägt und als repräsentative Bauten angelegt waren. Diese Bauten dienten nicht nur ihren technischen Funktionen, sondern auch als ein Ausdruck eines gesellschaftlichen Mittelpunkts, um den sich Handlungen und gesellschaftliches Leben drehten.

Die später entstandene neusachliche Zechenarchitektur der Zeche Zollverein in Essen weist mit dem dramatisch überladenen Begriff „Kathedrale der Arbeit“ auf das Verständnis einer Zeit, in der diese Industriebauten an die Stelle der antiken Tempel getreten waren.

Als die Arbeit „Industrietempel“ im Jahr 1994 entstand, lag diese Hochphase nach langen Krisenzeiten schon weit zurück und die Bauten des Bergbaus verschwanden. Die industriellen Stätten, die Halden, wurden von der Natur zurückerobert. In Forsters Arbeit stehen hellrote, glatte Ziegel in Kontrast zu verwittertem, grobkörnigem Beton und bilden eine recht surreale Szenarie, die zum einen auf die Verklärung der industriellen Vergangenheit anspielt, zum anderen einen Übergangspunkt zur Jetztzeit markiert.

Text: Tibor Kraus

[1]          Text von Hannes Forster zur Arbeit „Kriegedenkmal“ (Arbeiten zur Zeit VII)“ auf http://kunststattdenkmal-ffo.de/hannes-forster/

[2]          https://www.kunstgebiet.ruhr/kunstformen/skulpturen/der-berg-ruft-bergschaden/

[3]          https://www.derwesten.de/staedte/essen/sued/kunstwerk-nach-id6709195.html

[4]          Text von Hannes Forster zur Arbeit „Kriegedenkmal“ (Arbeiten zur Zeit VII)“ auf http://kunststattdenkmal-ffo.de/hannes-forster/

STANDORT

Knappenstrasse X

46047 Oberhausen

BESITZ

Stadt Oberhausen