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Skulpturen

Die Hockende

Hattingen

Entstehungsjahr >

1986/7

Material >

Bronze

Maße >

63 x 41 x 41 cm

PROJEKTBESCHREIBUNG

Ulla H’loch-Wiedey: Die Hockende, 1986 (Aufgestellt 1987), Bronze, 63 cm, Untermarkt Hattingen

Die Bronzeskulptur „Die Hockende“ ist mittig auf einem niedrigen Sockel aus braunem Granit platziert. Zur Seite geneigt ruht der Kopf der Figur auf den verschränkten Armen, die wiederum auf das Knie des nahe an den Körper herangezogenen linken Beins aufgestützt sind. Das rechte Bein ist angewinkelt und liegt auf dem linken Fuß auf. Im Detail sind die Finger und Zehen und auch das Gesicht der Figur reduziert, wie auch insgesamt die Proportionen verkürzt und verbreitert sind.

Nachdem sie an der Werkkunstschule Dortmund und der Kunstakademie Stuttgart studiert hatte, begann Ulla H’loch-Wiedey im Jahre 1946  ihre bildhauerische Arbeit in einem Atelierhaus in Hemer, wo sie zunächst Skulpturen aus Ton, dann zum großen Teil aus Holzblöcken fertigte.[1]Stilistisch schöpfte sie dabei aus dem Posenvokabular Auguste Rodins und der Formensprache Ernst Barlachs, aber auch aus antiker ägyptischer und griechischer Kunst.

Ab den 1960er Jahren konzentrierte sie sich auf die Darstellung von Familien, insbesondere auf die Beziehung von Mutter und Kind, aber auch Figuren in stehenden, liegenden und hockenden Positionen. Das gewählte Themenspektrum der Familie erklärt sich aus den hinter den Werken stehenden Ansichten über Ideale, Werte für Familie, Beziehungen und das Zusammenleben in christlicher Prägung und Verarbeitung der Schrecken des Nationalsozialismus.[2]

Die Werkgruppe der Hockenden beschreibt H’loch-Wiedey als  Ausdruck ihrer Verfassung und persönlicher Empfindungen.[3]

Die menschliche Form der Figur ist zwar auf den ersten Blick zu erahnen, in ihrer Klarheit aber aufgrund der Gedrungenheit und Kompaktheit erst im Umschreiten vollkommen zu erfassen. So wirkt der zur Seite geneigte Kopf von der Vorderseite aus gesehen fremdartig und kaum menschlich.

Die Rückenpartie mit den abgerundeten Schulterblättern und dem ausgreifenden Nacken erinnert an einen Torso. Im Gesicht sind die Lippen stark und wulstig ausgearbeitet, ein einzelnes Auge dagegen ist als pupillenlose Vertiefung lediglich angedeutet und verleiht der „Hockenden“ einen abwesenden, in sich geschlossenen Blick..Nasenrücken, die vergleichbar mit einem mittelalterlichen Nasalhelm in die Stirn übergehen und sich wie eine Kapuze um das Gesicht legen, finden sich bei vielen anderen Arbeiten H’loch-Wiedeys wieder und erheben sich plastisch aus den reduzierten Gesichtszügen. Bei der „Hockenden“ schafft diese scheinbare Stofflichkeit einen kurzen Moment der Irritation. in der sich die Frage stellt, ob vielleicht eine bekleidete Figur dargestellt ist. Dass es sich aber definitiv um einen Akt handelt, wird angesichts der sich klar abzeichnenden Hüftlinien, der Arme und Hände, sowie der sich nach unten verjüngenden Rückenlinien klar.

Ihre Arbeiten bezeichnete H’loch-Wiedey formal auch als Stelen, da sie sich aus dem Block heraus entwickeln.[4]Die Implikation des Kubischen zeigt sich besonders, wenn man die Figur auf eine Bewegung hin untersucht. Der Körper ist hermetisch in sich geschlossen, doch nicht von einem Zustand der Ruhe, wie das Gesicht vermuten lassen würde, geprägt, sondern durch das scheinbar immer festere Heranziehen der Arme und Beine in Anspannung versetzt. Der Übergang vom Hocken zum Kauern und den damit einhergehenden Gefühlen von Angst und Beklemmung deutet sich an.

Am Rande der Platzfläche des Untermarkts ist die Skulptur von Bänken und einem Brunnen umgeben, doch ob ihrer Formensprache dieser Umgebung seltsam enthoben und wirkt ganz in sich gekehrt.

Im Auftrag der Stadt Hattingen gestaltete Ulla H’loch-Wiedey 1965 Werke für eine Grundschule in Hattingen-Niederweningern und im Jahre 1986 ein Denkmal für die 1938 von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge.

 

[1]    Quast, Annette: Die Künstlerin Ulla H‘Loch-Wiedey und ihr Bild vom Menschen, in: Stadt Hattingen (Hg.): Ulla H‘Loch-Wiedey. Der Mensch – Skulpturen, Hattingen 2010, S. 6.

[2]    Ebd., S. 9.

[3]    Ebd., S. 8.

[4]    Ebd., S. 8-9.

 

Autor: Tibor Krauß

Fotos © Joanna Kischka

STANDORT

Untermarkt Hattingen

BESITZ

Stadt Hattingen

LITERATUR

Stadt Hattingen: Ulla H‘Loch-Wiedey. Der Mensch – Skulpturen, Hattingen 2010.