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Skulpturen

Ausdehnungen

Wesel

Entstehungsjahr >

1988/89

Material >

Stahl

Maße >

Ø 123 cm, Stab 2400 x 20 x 20 cm, Dreiecksfläche: 1 cm Grobblech mit Katheten 1400 cm

PROJEKTBESCHREIBUNG

Ansgar Nierhoff (1941-2010), Ausdehnungen, 1988/89, Stele, Bodenplatten, Kugel
 

Der Titel „Ausdehnungen“ der 3-teiligen, vor der Agentur für Arbeit der Stadt Wesel errichteten Installation von Ansgar Nierhoff (1941 in Meschede geboren, 2010 in Köln gestorben) gibt einen ersten Hinweis auf das, was der konkrete Inhalt bzw. die Bedeutung dieser jeweils aus der gleichen Masse an massivem Stahl bestehenden drei Skulpturen ist: Es geht um die Ausdehnung einer identischen Masse in die verschiedenen räumlichen Dimensionen in Gestalt einer Stele, einer Kugel und eines zur Dreiecksform warm gewalzten Grobbleches. Die Spitze des Boden-Dreiecks schiebt sich  zwischen die die Pforte der Agentur für Arbeit flankierenden, beiden Plastiken Stab und Kugel  und weist wie ein ebenerdiger Pfeil auf den Eingangsbereich hin.

Ähnlich wie Wassily Kandinsky in seiner Malerei und Zeichnung das Spannungsverhältnis von Punkt zu Linie zu Fläche durchexerziert hat - mit zahlreichen Varianten und Umkehrungen -, befragt auch Ansgar Nierhoff, jedoch mit seinem skulpturalen Formenvokabular, das ureigene Potential von Form- und Raumrelationen sowie das Verhältnis dreidimensionaler Gestaltungen zu Ort und Umgebung. Die wechselseitige Beeinflussung der drei plastischen Formen untereinander, aber auch das Kontrast-Verhältnis zur Architektur der Arbeitsagentur - Ansgar Nierhoff spricht von „Verhältnissetzungen“ - sind in diesem Koordinatensystem spannungsreiche Interventionen, die den Ort prägen.

Mit großer Sorgfalt hat der documenta 6-Teilnehmer (1977) in seinem künstlerischen Schaffen elementare Formentscheidungen immer wieder analysiert. Diese „entstammen den Prozessen des Herstellens und des Umgangs mit Eisen, und sind von dorther legitimiert: schneiden, trennen, formen, schmieden, prägen, schlagen. Auch der maschinelle Einsatz ist kalkuliert: Es entstehen Formungen durch Stauchen und Strecken, Knicken und Reißen, Verdünnen und Biegen, Quetschen, Falten oder Rollen“, beschrieb Friedhelm Mennekes den für Ansgar Nierhoff so wichtigen Arbeitsprozess.

Der Künstler selbst hat darauf hingewiesen, dass „Veränderung vorstellbar bleiben soll.“ Im Blick auf die „Ausdehnungen“ wird dies durch den Vergleich und die Kontextualisierung von Kugel, Stele und Boden-Dreiecksfläche anschaulich, die sämtlich aus einer identischen Materialmasse bestehen, aber zu höchst unterschiedlichen Formen getrieben wurden.

Die an der Skulptur-Oberfläche sichtbaren Bearbeitungsspuren weisen wie archäologische Spuren auf die Entstehungsgeschichte der Skulpturen hin. Ansgar Nierhoff spricht von „Formveränderung massiver Werkstücke in glühendem Zustand“. Dieses Freiformschmieden führt im Ergebnis dazu, dass aus einem gemeinsamen, gleichgewichtigen Urstoff individuelle Formen entstehen.

Je nach Standort des Betrachters entwickeln sich zwischen den drei Formelementen unterschiedliche Blickachsen, Dimensionen, auch Proportionen genauso wie eine dynamische Licht-Modulation und nicht zuletzt ein Wechselspiel von Raumverdichtung und Raumöffnung.

Damit erscheinen die „Ausdehnungen“ von Ansgar Nierhoff als ein plastisches Netzwerk, darin Stele, Kugel und Bodendreiecksfläche aufgrund ihrer Dialogstruktur zur Identifikation mit dem Ort beitragen.

 

Autorin: Claudia Posca

STANDORT

 Reeser Landstraße 61 , 46483 Wesel

BILDNACHWEIS

© VG BILD-KUNST, BONN 2016, Fotografin: Claudia Posca

LITERATUR

Ausst.-Kat.: Eisenzeit - Ansgar Nierhoff, Saarbrücken/Dortmund/Wien, 1988/89