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Kunst am Bau

GROSSES RELIEF IN ZWEI PHASEN (RÖHRENDICKICHT)

Gelsenkirchen

Künstler >

Norbert Kricke

Entstehungsjahr >

1957/59

Material >

Eisen verzinkt

Maße >

Länge: 34 Meter

PROJEKTBESCHREIBUNG

Norbert Kricke (1922-1984), Großes Relief in zwei Phasen (Röhrendickicht),1957/59, Eisenrohre verzinkt, Außenfassade des Kleinen Hauses/Musiktheater im Revier (MIR), Gelsenkirchen

Aus der Ferne betrachtet, erscheint das „Große Relief in zwei Phasen“ an der Außenfassade des Kleinen Hauses des Musiktheaters im Revier wie eine auf die Mauer aufgelegte, linear strukturierte ausfransende Fläche, die die horizontale Längserstreckung der Architektur betont. Zudem erinnert das Relief an eine gezeichnete Schraffur oder an ein grafisches Diagramm, das sich - optisch - pulsierend ausdehnt bzw. zusammenzieht, faktisch aber eine statisch fixierte Konstellation ist. Tatsächlich besteht das 34 Meter lange Werk aus unterschiedlich langen Metallröhren. Dicht an dicht wurden diese horizontal und nahezu spiegelsymmetrisch ober- sowie unterhalb einer „leeren“ Mittellinie aneinandergesetzt. Das führt dazu, dass die Wahrnehmung des Reliefs je nach Lichteinfall variiert, da sich der Schattenwurf der Röhren mal gar nicht, mal gering, mal stark zeigt, das Werk dementsprechend flächiger oder plastischer erscheint. Die Folge ist eine Dynamisierung des Kunstwerks.

Die ins Auge springende farbige Homogenisierung von Fassade, verzinkten Eisenröhren und Schattenbildung durch die Grau-in-Grau-Tonigkeit ist beabsichtigt und betont die von Architekt und Künstler gewollte Einheit von Kunst und Architektur. Der Architekt Werner Ruhnau (*1922 † 2015) hatte den 1954 geplanten Neubau des Musiktheaters im Revier (MIR) als ein Gesamtkunstwerk konzipiert, indem er Künstler (Robert Adams, Paul Dierkes, Yves Klein, Norbert Kricke und Jean Tinguely), Theater- und Baufachleute in einer ‚Bauhütte‘ zusammenschloss, wo sie gemeinsam diskutierten und wirkten.
Das Relief – weder reine Flächenkunst noch Rundskulptur - stellt in der Bildenden Kunst einen Sonderfall plastischer Formfindung dar. Norbert Kricke nutzt es an dieser Stelle, um jenseits von vollplastischer Gestaltung zu arbeiten. Seine oft wie Linien im Raum agierenden, von ihm selbst als „Raumplastiken“ bezeichneten Werke sind eher Spuren einer Bewegung , denn feststehende Zeichen im Raum. Zwischen Geometrie und freier Kurvatur seit den 1950er Jahren entstanden, haben diese Werke das Ziel, die Wahrnehmung in Bewegung zu versetzen: „Mein Problem ist nicht Masse, ist nicht Figur, sondern es ist der Raum und es ist die Bewegung - Raum und Zeit. Ich will keinen realen Raum und keine reale Bewegung (Mobile), ich will Bewegung darstellen.“

Norbert Kricke wurde 1922 in Düsseldorf geboren und starb 1984. Er war Teilnehmer der documenta II (1959) und der documenta III (1964) in Kassel. Nach einem Studium an der Hochschule der Künste in Berlin bis 1947 widmete sich der Künstler den so genannten Raumplastiken aus metallischen Linien, mit denen er ein Gefühl von Freiheit und Veränderung vermitteln wollte. 1964 wurde Norbert Kricke als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf berufen, deren Direktor er von 1972 bis 1981 war. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Nachkriegsmoderne.

Autorin: Claudia Posca

STANDORT

Musiktheater im Revier
Kennedyplatz
45881 Gelsenkirchen

BILDNACHWEIS

© Norbert Kricke, Fotograf: Andreas Ren

LITERATUR

Manfred Schneckenburger: Norbert Kricke - Über den Konstruktivismus hinaus, in: Künstler - Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 2, München 1988

Michaela Kamburowa: Die Raumplastiken von Nobert Kricke zwischen Immaterialität und Faktizität, Dissertation, Ruhr-Universität Bochum, 2011

Ausstell.-Kat.: Plastiken und Zeichnungen - Eine Retrospektive, Museum Kunstpalast Düsseldorf, 2006/2007