gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen
Kunst am Bau

Blaue Monochrome und Schwammreliefs

Gelsenkirchen

Künstler >

Yves Klein

Entstehungsjahr >

1957-59

Material >

Naturschwämme, Ziegeldraht, Gips, Bildtafeln, Ultramarinblau

Maße >

2 Schwammreliefs (Garderobe im Erdgeschoss): je 3 x 10 Meter, 2 Schwammreliefs (Hauptfoyer) je 5 x 10 Meter, 2 Bildtafeln (Hauptfoyer): je 7 x 20 Meter

PROJEKTBESCHREIBUNG

Yves Klein (1928 - 1962): Blaue Monochrome und Schwammreliefs, 1957-59, Naturschwämme, Ziegeldraht, Gips, Bildtafeln, Ultramarinblau, 2 Schwammreliefs (Garderobe im Erdgeschoss): je 3 x 10 Meter, 2 Schwammreliefs (Hauptfoyer) je 5 x 10 Meter, 2 Bildtafeln (Hauptfoyer): je 7 x 20 Meter, Musiktheater Gelsenkirchen, Kennedyplatz, 45881 Gelsenkirchen.

Das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier (MIR), in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre nach den Plänen von Werner Ruhnau erbaut, zählt zu den bedeutendsten Theaterbauten der Nachkriegszeit in Deutschland. Vor allem der Umstand, dass von Anfang an die Bildende Kunst integriert wurde, ähnlich wie im Bauhüttenwesen des Mittelalters, macht die Architektur zu einem Gesamtkunstwerk. Künstler, wie Robert Adams, Paul Dierkes, Norbert Kricke, Jean Tinguely und Yves Klein wirkten an der konzeptuellen Gestaltung des Theaters im Innen- und im Außenraum mit.
Eine besonders intensive Zusammenarbeit verband Werner Ruhnau mit dem 1928 geborenen, 1962 gestorbenen, französischen Maler und Performance-Künstler Yves Klein. Dessen sechs großformatige blaue Monochrome im MIR stellen den einzigen zu Lebzeiten des Künstlers im öffentlichen Raum ausgeführten Auftrag dar. Mit ihnen liefert Yves Klein einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der (konkreten) Bildkunst des 20. Jahrhunderts. Das pigmentdichte Ultramarinblau hat sich Yves Klein am 19. Mai 1960 unter der Bezeichnung „IKB - International Klein Blue“, patentieren lassen. In Gelsenkirchen aber hat man laut Werner Ruhnau auf den Einsatz des IKB verzichtet, denn bei „der abschließenden blauen Beschichtung der Wand- und Schwammreliefs erwies sich Yves‘ „International Klein Blue“ (IKB), sein geheimes “Medium” als unbrauchbar. Dessen Aceton- und Alkoholgehalt bewirkte Rauschzustände, es war feuergefährlich und versank ohne Deckwirkung im Putzuntergrund…Im Bauhütten-Teamgeist entwickelte ich nun mit Ernst Oberhoff und dem Malermeister Graafmann aus Gelsenwasser, Caparolbinder und einem preiswerteren deutschen Ultramarinpigment von BASF das „Gelsenkirchener Blau“. Mit diesem Medium wurden abschließend alle vier Schwammreliefs und die beiden Wandreliefs von Graafmann mittels Spritzpistolen beschichtet.“
Wie ein blaues Band  fassen die im Hauptfoyer des MIR hängenden vier Werke (die beiden anderen befinden sich im Erdgeschoss (Garderobe)) den längsgestreckten Baukörper ein. Da das leuchtende Blau die einzige Buntfarbe ist, die die Architektur akzentuiert, springt es unmittelbar ins Auge. In den 1950er Jahren galt diese Hervorhebung der sinnlichen und der materialen Bedeutsamkeit einer Farbe als eine mutige Provokation, war es doch eher üblich Opern- und Theaterhäuser mit erzählerischen Bildern auszustatten.
Bei den an den Seitenwänden angebrachten, riesigen monochrom blauen Tafeln mit poröser Oberflächenstruktur ist die eine Tafel durch eine überwiegend horizontal verlaufende wellenförmige Dynamik charakterisiert. Die andere dagegen zeichnet sich durch ein mehr vertikales, teilweise ineinander verschlungenes System länglicher Erhebungen bzw. Täler aus. Durch eine Abrundung der Ecken beider Monochrome wirkt die Geometrie der Architektur sowie die der Bildtafeln organisch aufgebrochen. Bei längerer Betrachtung scheint sich die Blau-Farbe über die Grenzen der Bildträger hinaus auszudehnen. Zudem erscheinen die seitlich über die sieben Architekturpfeiler hinausragenden Bildtafeln - auch weil sie im unteren Bereich in den Freiraum der Bar/Cafeteria hineinragen -,  und im Vergleich mit den benachbarten Naturschwammreliefs und deren in den Randzonen durch Buchten und Binnenräume ´ausfransenden Leichtigkeit`, als ein massives Gewicht.
Die rechts und links vom großen Glaszylinder des inneren Treppenhauses befindlichen, etwas kleineren Schwammreliefs, sowie die beiden im Erdgeschoss angebrachten Schwamm-Arbeiten, wurden unmittelbar auf der Wand montiert. Damit die Naturschwämme die blaue Farbe bis in die kleinste Pore aufnehmen konnten, wurden sie in einen Zweikomponenten-Binder getaucht und dann -
nach Durchhärtung - mit Draht an der Wand befestigt und eingefärbt. Durch die plastische Gestaltung der Wände mittels der Naturschwämme wird eine größere Nuancierung in der Hell-Dunkel-Wirkung des Blaus erzieltals dies in den beiden Bildtafeln der Fall ist. Für Yves Klein war die Farbe und ihre Wirkung alles: „Farbe badet in kosmischer Sensibilität. Sensibilität hat für mich keine Nischen. Sie ist wie Feuchtigkeit in der Luft. Farbe ist materialisierte Sensibilität. Farbe badet in allem und badet alles.“ So ist das Gelsenkirchener Blau im Zusammenspiel mit der lichten Architektur, dem immensen Raumvolumen, der großen Glasfassade und dem nächtlichen Kunstlicht Teil des festlich-sinnlichen Charakters des Musiktheaters im Revier.

Autorin: Claudia Posca

STANDORT

Musiktheater Gelsenkirchen
Kennedyplatz
45881 Gelsenkirchen

BILDNACHWEIS

©Yves Klein/VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Fotograf: Pedro Malinowski

BESITZ

Stadt Gelsenkirchen

LITERATUR

KunstOrt Ruhrgebiet – Das Gelsenkirchener Musiktheater und die Blauen Reliefs von Yves Klein, hrsg. von Michael Bockemühl, Ostfildern 1995
Yves Klein, Werner Ruhnau: Dokumentation der Zusammenarbeit. in den Jahren 1957-1960, hrsg. von Heiner Stachelhaus, 1976