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Klangkunst

Monument for a forgotten future

Gelsenkirchen

Entstehungsjahr >

2010

Material >

Beton

Maße >

10 x 16,50 x 9 m

PROJEKTBESCHREIBUNG

Olaf Nicolai (*1962) und Douglas Gordon (*1966) mit Mogwai: Monument for a Forgotten Future, 2010, Beton, 10 x 16,50  x 9 m, wilde Insel nördlich des Rhein-Herne-Kanals, Gelsenkirchen.

Eine massive Felsformation in unterschiedlichen Grautönen erhebt sich in Gelsenkirchen-Horst auf einer Wiese, auf der sogenannten „Wilden Insel“. Beim Anblick des Monument for a Forgotten Future, so der Titel der Arbeit, stellt sich beim Betrachter ein Moment der Irritation ein, da diese Felsformation nicht den gewohnten Vorstellungen über die Topografie des Ruhrgebiets entspricht. Vielmehr entstammt die Felsformation dem südkalifornischen Joshua Tree National Park. In diesem haben Olaf Nicolai und Douglas Gordon ihr Vorbild für das in Gelsenkirchen errichtete Kunstwerk gefunden.

Eine wilde Felsformation eines amerikanischen Nationalparks wurde von den Künstlern nachgebildet. Das Monument for a Forgotten Future wurde zunächst als Stahlskelett aufgebaut und dann mit einer Betonhülle versehen. Heute lassen die 123 Tonnen Beton so manchen vorbeikommenden Passanten innehalten. Als die Plastik im Jahr 2010 für die Emscherkunst errichtet wurde, wurde diese um eine Klanginstallation der schottischen Band Mogwai erweitert und verstärkt zusätzlich die Irritation, wenn aus dem Felsen Musik ertönt. (Vgl. Schneider: 2012. S. 130.)

Der Titel spielt, genauso wie die Entstehung des Kunstwerks selbst, mit einem Paradoxon. Die Künstler bilden eine amerikanische Felsformation nach, die installiert in der Ruhrgebietslandschaft wie ein „unnatürliches“ Objekt erscheint. Außerdem ist es kein Monument, das an eine vergangene Begebenheit erinnert, sondern eines, das sich auf die vergessene Zukunft bezieht. Kunstwerk und Titel verweisen auf einen anhaltenden Natur- und Landschaftsdiskurs. Dadurch, dass sich die Künstler auf einen amerikanischen Nationalpark beziehen und ein Element aus diesem herausgelöst bzw. für den Grüngürtel des Emscher-Landschaftsparks umformuliert haben, verdeutlicht sich ein zeitgenössischer und globaler Umgang mit Landschaft und Natur. Intention von Nationalparks ist es, Natur und Wildnis zu schützen, Intention des Emscher-Landschaftsparks ist es, zu renaturieren und zu begrünen. In beiden Fällen ist es der Mensch, der Landschaft bewahren aber auch gestalten will. Die Idee, den Bestandteil des einen Parks in einem anderen nachzuempfinden, regt dazu an, über den Umgang mit Landschaft, Natur und Kunst nachzudenken. Olaf Nicolai verweist diesbezüglich auf die zeitgenössische Landschaftsplanung: „Heutige Landschaftsplanungen betrachten die Landschaft als einen Ort, der durch seine Qualitäten einen zu akkumulierenden Wert, wie Attraktivität, Freizeitaktivitäten etc., darstellt. Dies dokumentiert sich in den letzten Jahrzehnten in verschiedensten Strategien von der behutsamen Renaturierung über die Neuentwicklung bis hin zur spektakulären Gestaltung von Eventparks und visuell starken Landmarken. Durch die Setzung eines Objektes als Zitat werden derartige Prozesse sowohl thematisiert als auch ihr Potential hinterfragt. (Olaf Nicolai zitiert nach: http://www.emscherkunst.de/kunst/kunstwerke/olaf-nicolai-und-douglas-gordonmit-mogwaimonument-for-a-forgotten-future.html) Da im Ruhrgebiet über lange Zeit vor allem industrielle Anlagen das Bild der Landschaft geprägt haben und die Natur weichen ließen, muss die heutige Landschaft erst wieder durch neue, natürlich anmutende Strukturen inszeniert werden. Landschaft als dynamisches Konstrukt unterliegt dabei einem stetigen Wandel. Ein solcher vollzieht sich seit einigen Jahren, angestoßen durch die IBA (Internationale Bauausstellung) auch im Ruhrgebiet – mit dem Ziel, die Emscher zu renaturieren. Eine solche Renaturierung wäre jedoch nicht nötig gewesen, wenn man einst an die Folgen der Industrialisierung für die Zukunft gedacht hätte und dies berücksicht hätte. Das natürlich anmutende Kunstwerk Monument for a Forgotten Future verweist daher in Titel und Erscheinung auf den Umgang des Menschen mit seinem Umfeld und der Natur, wobei es sich auf die Tatsache bezieht, dass jede Handlung früher oder später notwendigerweise Folgen hat.

Die Symphonie von Mogwai ist nur in den Sommermonaten zu hören, in den Wintermonaten ist die Klanginstallation ausgeschaltet.

Autorin: Linda Schmitz

STANDORT

wilde Insel nördlich des Rhein-Herne-Kanals
An den Schleusen 1-29
45881 Gelsenkirchen

BILDNACHWEIS

© Olaf Nicolai, Fotograf: Andreas Ren

BESITZ

Im Besitz der EMSCHERGENOSSENSCHAFT.

LITERATUR

Neuner, Florian: Herne-Unser Fritz bis Schleuse Gelsenkirchen. In: [Hrsg.]: Matzner, Florian/Petzinka, Karl-Heinz/Stemplewski, Jochen: Emscherkunst. 2010. Eine Insel für die Kunst. Ostfildern, 2010. S. 137-141.

Thorsten Schneider: Olaf Nicolai und Douglas Gordon. Monument for a Forgotten Future. In: Ullrich, Ferdinand u. Smerling, Walter [Hrsg.]: Public Art Ruhr. Die Metropole Ruhr und die Kunst im öffentlichen Raum. Köln 2012. S. 130 f.