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Fotografie

Hamm Bergwerk Ost

Künstler >

Andreas Gursky

Entstehungsjahr >

2008

Material >

Fotografie

Maße >

307 x 223,6 cm

PROJEKTBESCHREIBUNG

Andreas Gursky (*1955): Hamm, Bergwerk Ost, 2008, Fotografie, 307 x 223,6 cm, Privatsammlung.

Andreas Gursky, ein Meisterschüler von Bernd Becher, gehört zusammen mit Candida Höfer, Thomas Ruff, Thomas Struth und anderen zur sogenannten Düsseldorfer Fotoschule und steuert mit seinen Werken einen bedeutsamen Beitrag zur internationalen Anerkennung der modernen deutschen Fotografie bei. Die Arbeit Hamm, Bergwerk Ost des weltweit teuersten Künstlers im Bereich der Fotografie entstand 2008 und wurde das erste Mal während der großen Retrospektive Andreas Gursky. Werke 80-08 in Krefeld gezeigt. Dafür besuchte Gursky die letzte Kokskohlezeche im östlichen Ruhrgebiet. In einem für den Künstler typischen Großformat zeigt die Fotografie in extremer Untersicht (Low-Angle-Shot) eine Waschkaue aus dem Bergwerk. Wie Fledermäuse hängen die Drahtkörbe, in denen die Bergleute ihre Arbeits- und Zivilkleidung aufbewahren, wenn sie unter Tage oder im Feierabend sind, von der Decke. In dieser eher düsteren Umgebung, die nur von wenigen Lichtreflexen und der Farbigkeit einiger Kleidungsstücke durchbrochen wird, sieht der Betrachter rußverschmierte Hosen, Jacken, Stiefel und Taschen (Vgl. Schwamen: 2010.). Bei genauerem Hinsehen entdeckt der Betrachter am unteren Bildrand hinter den wie Regentropfen wirkenden Ketten, mit denen die Körbe unter der Decke befestigt sind, drei Gestalten. Somit wird deutlich, dass in der Zeche noch gearbeitet wurde.

Wie schon in vielen seiner fotografischen Arbeiten dient die Masse als kompositorisches Element. Seit Mitte der 1990er Jahre nutzt Gursky die Möglichkeiten der digitalen Fotobearbeitung, so dass er frei konstruieren und interpretieren kann. Die Gesamtkomposition besteht dabei allerdings immer aus einer Vielzahl von Aufnahmen, die ihm als Puzzlestücke dienen. Trotz der Bildbearbeitung verlieren die Fotografien jedoch nicht ihren dokumentarischen Charakter. Die Wirklichkeit wird nach seinem Geschmack arrangiert, indem er seine Motive vervielfältigt, verdichtet und neu zusammenfügt. Ungewöhnliche Ansichtsweisen entstehen, da mehrere Perspektiven wie die Frontal-, Auf- und Untersicht in einem Bild montiert werden können, so dass der Betrachter das eigentlich Vertraute neu wahrzunehmen vermag. (Vgl. Weski/ Kramer: 2010. S. 68). Auch in Hamm, Bergwerk Ost täuscht Gursky den Betrachter, denn zwei der drei Personen am unteren Rand der Fotografie sind eigentlich keine Bergleute, sondern Fliesenleger, die gerade beim Künstler einen Boden verlegten und kurzerhand als Modelle engagiert wurden (Vgl. Schmidt-Garre: 2009).

Noch vor der Ausstellungseröffnung der Retrospektive 2008 wurde bekannt gegeben, dass die Kohleförderung des Bergwerks Ost in Hamm eingestellt wird. Ende September 2010 wurde die Zeche nach 109-jährigem Bestehen schließlich stillgelegt. Sie war die einzige in Deutschland, welche Kokskohle förderte. Bis 2018 sollen auch die letzten beiden Zechen im Ruhrgebiet aus Gründen der Wirtschaftlichkeit schließen, obwohl die Lagerstätten noch nicht erschöpft sind. Zu diesem Zeitpunkt läuft die Subventionierung durch die Bundesregierung aus. Steinkohle aus Deutschland ist wegen der hohen Förderkosten im Gegensatz zu anderen Ländern wie China und USA nicht mehr rentabel. Damit endet die Geschichte des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet, die schon früh begann. Schon im 13. Jahrhundert gab es erste schriftliche Erwähnungen zur Verwendung von Steinkohle und zur Kohlengräberei. Mit dem Ende des Mittelalters erlebten Wirtschaft und Handel in Europa einen Aufschwung. Die Produktion stieg und Holz war knapp, so dass nach anderen Ressourcen gesucht wurde. Im 16. Jahrhundert begann schließlich die Steinkohlengewinnung im Stollenbau. Durch eine immerwährende Entwicklung und Technisierung (Vgl. Kracht: 2012. http://www.planet-wissen.de/laender_leute/nordrhein_westfalen/steinkohlebergbau/) konnte schließlich die Steinkohle schneller gefördert werden, so dass bis 1958 von einem ständigen Aufschwung profitiert werden konnte. Kurz darauf  setzte allerdings die Kohlekrise, wofür es verschiedene Gründe gab, ein und das Zechensterben begann.

Man könnte also vermuten, Gurskys Werk Hamm, Bergwerk Ost diene als Denkmal. Beim Anblick schafft es Erinnerungsmomente nicht nur an die Bergleute und ihre Tätigkeit, sondern auch an die Region selbst und deren Bergbauhistorie.
(Vgl. Weski/ Kramer: 2010. S. 86).

Autorin: Vanessa Rabe

STANDORT

In wechselnden Ausstellungen.

BILDNACHWEIS

Andreas Gursky: Hamm, Bergwerk Ost, 2008, C-Print, 307 x 221 x 6,2 cm, © Andreas Gursky / VG Bild-Kunst, Bonn 2014, Courtesy Sprüth Magers Berlin London

BESITZ

Privatsammlung.

LITERATUR

Hentschel, Martin [Hrsg.]: Andreas Gursky. Werke 80-08. Ostfildern 2011.

Kracht, Claudia: Steinkohlebergbau (2012). URL: http://www.planet-wissen.de/laender_leute/nordrhein_westfalen/steinkohlebergbau/ (Stand: 13.11.2014)

Schmidt-Garre, Jan [Regie]: Andreas Gursky – Long Shot Close Up . Dokumentarfilm (60 min.). Deutschland 2009.

Schwamen, Maike van: Neuordnung der Welt (2010). 

Weski, Thomas/ Kramer, Heike [Hrsg.]: Ruhr Blicke. Ein Fotoprojekt der Sparkassen-Finanzgruppe. Köln 2010.