gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen
Collage

Mutti hol mich von der Zeche, Ich kann das Schwatte nicht mehr sehn

Mülheim an der Ruhr

Entstehungsjahr >

1983

Material >

Collage mit einer bedruckten grauen Kunststoffplatte und einer bedruckten Plexiglasplatte auf Serigrafie in Gold, Schwarz, Grau und Rot/Karton

Maße >

61 x 80

PROJEKTBESCHREIBUNG

Martin Kippenberger (1953-1997): Mutti hol mich von der Zeche, ich kann das Schwatte nicht mehr sehn, 1983, Collage mit einer bedruckten grauen Kunststoffplatte und einer bedruckten Plexiglasplatte auf Serigrafie in Gold, Schwarz, Grau und Rot/Karton, 61 x 80 cm, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr.

Martin Kippenberger, in Dortmund geboren und in Essen aufgewachsen, war Sohn eines Bergbaudirektors und durch den Vater eng verwoben mit dem Bergbau und dem Ruhrgebiet. 1960 stand in der Presse zu lesen: „Wenn er [Gerd Kippenberger, Vater von Martin] nicht Betriebsdirektor auf der Zeche Katharina wäre, müsste er Maler sein.“ Galt das für den Vater, der sich im Bergmannskittel beerdigen ließ, so gilt für den Sohn: Wenn er nicht Künstler wäre, so müsste er Bergmann geworden sein. Die Verehrung seines Vaters und der Familie ging sehr weit, so dass er auf dessen Grabstein schreiben ließ: „Eine Familie eine Linie“ (S. Kippenberger: 2007. S. 38f, S. 365.). Die hier vorgestellte Arbeit scheint ein Schritt der Abnabelung zu bedeuten, der Abnabelung von der väterlichen Dominanz, aber auch von der Enge der Region. Nicht von ungefähr charakterisiert die Schwester Martin Kippenberger: „Er war ein Kind des Ruhrgebiets, das hat seine Direktheit geprägt, sein Tempo, seinen trockenen Witz. Er hat es gemocht, wie die Menschen dort umgehen miteinander, natürlich, herzlich, rau und unsentimental. Immer offen und ohne Dünkel.“ Er hat aber auch die herbe Direktheit des Ruhrgebietlers besessen und auch dessen Nähe zum exzessiven Alkoholkonsum.

In weiteren seiner Schlüsselwerke ist die Nähe zum Bergbau nicht zu übersehen: So z.B. in der großen Installation „Tiefes Kehlchen“, die er für die Wiener Festwochen 1991 temporär in einem noch nicht fertiggestellten U-Bahn Tunnel (U3-Station Neubaugasse) einbaute, und die bis heute wiederholt rekonstruiert wurde. Ihr hoher, halbrunder Tunnelausbau war für Kippenberger ganz sicher auch eine ‚Reminiszenz‘ an die großen Untertageschächte im Ruhrgebiet. Wenn man durchaus berechtigt als ein zentrales Anliegen Kippenbergers „die Befragung und Inszenierung seiner Selbst“ begreift, so legt die Untergrundwelt des Bergbaus als eine zentrale Erlebnisschicht von Kippenberger die sinnliche Identifikation mit dem Dunklen seines Unterbewusstseins nahe. Dass auch für den Zyklus des ‚Metro-Net‘ (1993-1997) und ihren Eingängen zu einer global vernetzten Unterwelt die Erinnerung an die das gesamte Ruhrgebiet unterlegten Verkehrsverbindungen der Bergwerke untertage mit auslösend gewesen ist ( das ‚Mundloch‘ als Eingang der ersten untertage angelegten Bergwerke), mag hier nur angedeutet sein.

Autor: Uwe Rüth

STANDORT

Synagogenplatz 1
45468 Mülheim an der Ruhr

BILDNACHWEIS

© Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne, Fotograf: Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

BESITZ

Im Besitz des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr.

LITERATUR

Susanne Kippenberger: Kippenberger – Der Künstler und seine Familien. Berlin 2007.

Beate Reese: Der subversive Geist – Fotografien, Filme, Aktionen, Installationen. In: RuhrKunstSzene – Fünfzig Positionen, Zehn Museen, Eine Ausstellung. Bielefeld 2014. S. 104, Abb.: S. 107.