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Skulpturen

Zwei gleich groß

Wesel

Künstler >

Edgar Gutbub

Entstehungsjahr >

1991

Material >

Edelstahl mit Acryl-Farbe

Maße >

220 x 370 x 190 cm

PROJEKTBESCHREIBUNG

Edgar Gutbub (*1940), zwei gleich groß, 1991, Edelstahl mit Acryl-Farbe, Wesel, seitlich vor dem Bahnhof, (ehemals auf der Grünfläche vor dem Bahnhof)

Das 1991 anlässlich des Weseler Symposiums „Unter der Erde - 750 Jahre Wesel“ entstandene Werk „zwei gleich groß“ von Edgar Gutbub (* 1940 in Mannheim geboren, lebt und arbeitet in Köln) ist ein seltsames Zwitterwesen zwischen Architektur und Plastik. Weder zählt das konkrete Werk zur traditionellen Bauplastik noch ist es Kunst am Bau. Überhaupt kann „zwei gleich groß“ nicht funktionalisiert werden, indem es etwa als ein architektonischer Modellentwurf verstanden wird.

Vielmehr handelt es sich um eine abstrakte Hohlraum-Plastik aus geometrisch-gekanteten Stahlblechen, die von gegenständlichen Verweisen vollkommen frei ist. Sie besteht aus zwei aufeinander gesetzten Raumkörpern, die Sockelelement und Präsentationsgegenstand zur Einheit verschmelzen. Dabei ist der untere, auf dem Boden liegende Körper geschlossen und hat die Gestalt eines vierseitigen Prismas. Die darauf lagernde zweite Raumform, im Querschnitt ein Parallelogramm, ist an ihren Schmalseiten offen. Entsprechend sind Einblicke von zwei Seiten in das Innere von „zwei gleich groß“ möglich. Dieses Innere wiederum, als umschlossener Leerraum, wird durch eine diagonale Edelstahlplatte in ein aufsteigendes und ein absteigendes Dreieck unterteilt. Die Innenwände dieser Hohlräume hat der Künstler im Kontrast zur lichtreflektierenden Edelstahl-Außenhaut der Plastik farbig, den Raum modulierend gestaltet: Dem absteigenden Schacht hat Edgar Gutbub die helle Gelbfarbe der Sonne und des Lichts zugeordnet, dem aufsteigenden Schacht dagegen die Dunkelheit der Blaufarbe: „Durch die Umkehr des Vertrauten, man schaut hinunter in eine gelbe (helle) Fläche und hinauf in eine blaue (dunkle) Fläche weist er darauf hin, dass in Wesel der Glanz der Geschichte durch Zerstörung verborgen und unter der Erde liegt“, interpretiert der Niederrheinische Kunstverein im Verweis auf das Symposium „Unter der Erde - 750 Jahre Wesel“.

Edgar Gutbub hat seine ursprünglich auf der Grünfläche frontal vor dem Bahnhof positionierte, im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes mit seinem Einverständnis an der heutigen Stelle installierte Plastik „zwei gleich groß“ ausschließlich aus geometrischen Formen konstruiert. Ihre bildnerische Spannung bezieht die Arbeit aus einer extremen Form-Reduktion, die im Dialog mit überraschenden, komplex-künstlerischen Interventionen steht - buchstäblich „einfach kompliziert“.

In ihrem verunsichernden Wechselspiel zwischen positiven und negativen Formelementen, zwischen Innen und Außen und zwischen Offenheit und Geschlossenheit befasst sich die Architektur-Plastik analytisch mit Körper und Raum. Sie veranschaulicht eine eigengesetzliche, architektonische Struktur als ein künstlerisches Prinzip. Edgar Gutbubs „zwei gleich groß“ erscheint in diesem Sinne rein künstlerisch ´gebaut`.

Damit aber steht „zwei gleich groß“ in der Tradition von konkreter und konstruktivistischer Kunst, beides gegenstandlose Stilrichtungen der Moderne in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1949 hatte Max Bill, Mitglied der Künstlergruppe „Abstraction - Création“ und wichtigster Vertreter der Züricher Schule der Konkreten, notiert: „Das Ziel konkreter Kunst ist es, Gegenstände für den geistigen Gebrauch zu entwickeln, ähnlich wie der Mensch sich Gegenstände schafft für den materiellen Gebrauch… Konkrete Kunst ist in ihrer letzten Konsequenz der reine Ausdruck von harmonischem Maß und Gesetz. Sie ordnet Systeme und gibt mit künstlerischen Mitteln diesen Ordnungen das Leben.“

Autorin: Claudia Posca

STANDORT

Wesel, seitlich vor dem Bahnhof

BILDNACHWEIS

© VG BILD-KUNST, Edgar Gutbub

LITERATUR

Ausst.-Kat.: Edgar Gutbub - Objekte + Collagen, Schleswig-Holsteinischer Kunstverein und Kunsthalle zu Kiel, 1990

Ausst-Kat.: Egar Gutbub. Objekte 1979 -1982, galerie d + c mueller roth, Stuttgart 1982