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Skulpturen

Wassertempel

Castrop-Rauxel

Entstehungsjahr >

1994

Material >

Wasserhaltungsrohre, Druckkesseldeckel

Maße >

Höhe: 500 cm

PROJEKTBESCHREIBUNG

Peter Strege (*1942): Wassertempel, 1994, 500 cm hohe Wasserhaltungsrohre, Druckkesseldeckel, Halde Schwerin, Castrop-Rauxel.

Steigt man auf die Halde Schwerin trifft man am Ufer eines kleinen, vom Wegrand abgelegenen Wasserlaufs auf den Wassertempel von Peter Strege. Acht Säulen, ohne Basis und ohne Kapitell, reduziert auf ihre Stützfunktion, stehen auf einem Rondell. Das Dach des Rundbaus überkuppelt den ansonsten prunklosen Tempel. Dieser erscheint auf seine architektonisch notwendigen Elemente reduziert, sodass außer dem Rondell, der Säulen und der Überkupplung keine weiteren gestalterischen Merkmale sichtbar werden.

Der Wassertempel steht genau dort, wo sich, bevor die Halde aufgeschüttet wurde, die Quelle des Denninghauser Baches befand. Diese Gegebenheit lässt Peter Strege im wahrsten Sinne des Wortes in sein Kunstwerk einfließen. Bis heute drückt stetig etwas Wasser aus der ehemaligen Quelle an genau diesem Ort immer nach oben, wodurch sowohl der kleine Tümpel als auch der Wasserlauf erzeugt werden, die den Tempel zum Wassertempel werden lassen. Zusätzlich zitiert das Objekt den Umgang mit klassischen Tempeln in englischen Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts und verweist dadurch auf die damalige Naturauffassung. Englische Landschaftsgärten wurden nach aufklärerischem Gedankengut, zumeist ohne starre Formen, angelegt, die Bepflanzung verteilte sich für den Betrachter scheinbar ohne festes Schema über das gesamte Areal. Formen wie Kurven und S-Linien wurden zu Umsetzungen der Schönheitslinie (line of beauty) erhoben und zogen sich in Wegen und Gewässern immer wieder durch das Gelände. Zusätzlich wurden die großflächigen Anlagen durch gezielte Ruhe- und Aussichtspunkte untergliedert. (Vgl. Uerscheln u. Kalusok: 2009, S. 29-32.) In einigen Gärten dienten Tempel dazu, von dort aus die Landschaft wahrzunehmen, in anderen sollten sie durch ihre ikonographische Ausstattung zum Philosophieren anregen oder bestimmte Moralvorstellungen vermitteln. (Vgl. Tempel im Garten Stowe, Großbritannien) Teilweise dienten sie auch als reine Staffagearchitektur, um die Landschaft wie ein Gemälde wirken zu lassen.

Rundtempel, auch Monopteros genannt, werden in deutschen Park- und Gartenanalagen immer wieder als Zitat aus den englischen Landschaftsgärten eingesetzt (Vgl. München, englischer Garten). Häufig orientiert sich ihre Aufstellung in der Landschaft an der Theorie des Pittoresken. Demnach kann ein Tempel mit der umgebenden Landschaft als bildhafte Komposition wahrgenommen.

Der Wassertempel auf der Halde Schwerin besteht aus Industriematerialien und kommt ohne weitere Verzierungen aus. Dadurch, dass auf der einst durch die Kohleindustrie entstandenen Halde Kunstwerke wie der Wassertempel errichtet wurden, findet eine Umnutzung der Fläche statt. Die Halde wird so nicht mehr als industrielle Deponie wahrgenommen, sondern nimmt mehr und mehr den Stellenwert eines Naherholungsgebietes ein, wobei die industrielle Prägung an diesem Punkt der Naturwahrnehmung weicht.

Autorin: Linda Schmitz

STANDORT

Halde Schwerin
Bodelschwingher Straße
44577 Castrop-Rauxel

BILDNACHWEIS

© Peter Strege, Fotograf: Andreas Ren

BESITZ

Im Besitz der Stadt Castrop-Rauxel.

LITERATUR

Uerscheln, Gabriele u. Kalusok, Michaela: Wörterbuch der europäischen Gartenkunst. Reclam Sachbuch. Stuttgart 2009.