gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen
Skulpturen

Warteraum mit Streichelmaschine

Bochum

Künstler >

Cornelius Kolig

Entstehungsjahr >

1979/80

Material >

Stahl, Marmorplatte, Kurbelwelle, Elektromotor

Maße >

1 Meter hoch

PROJEKTBESCHREIBUNG

Cornelius Kolig, Warteraum mit Streichelmaschine, 1979/80, Stahl, Marmorplatte, Elektromotor, Kurbelwelle, Bochum, Castroper Straße, Am Stadion

Es ist eine seltsame Installation, die der 1942 im österreichischen Vorderberg geborene Objekt-, Video- und Performancekünstler, Maler und Fotograf Cornelius Kolig im Rahmen des 1. Bochumer Bildhauersymposions 1979/80 vor dem Bochumer Stadion platziert hat: eine Säule mit Kurbelwelle, postiert auf einer Marmorbodenplatte, darin der Abdruck einer Männersohle dazu einlädt, selbst in den Fußstapfen zu treten, dabei den Rücken an die Kurbelwelle lehnend, das andere Bein lässig auf die drei gestapelten Fußabdrücke stützend, die ebenfalls zu Füßen des Betrachters rechts unten installiert wurden.  
Tatsächlich zählt Koligs „Warteraum mit Streichelmaschine“ zu den wenigen bespielbaren Kunstwerken im öffentlichen Raum. Ausdrücklich soll die Installation benutzt werden. Allerdings auf besondere Weise. Denn Cornelius Kolig hat seinen „Warteraum mit Streichelmaschine“ ganz in der Tradition seines existentialistisch-performativen Denkens,  für Mann und Frau konzipiert. Heißt: Lehnt sich der Mann erst einmal in oben beschriebener Weise an die Kurbelwelle an, soll die Frau, frontal auf ihn zutretend und ihm zugewandt, ihr linkes Bein zwischen seine leicht geöffneten Beine schieben und dabei gleichzeitig in den zweiten Fußabdruck in der Bodenplatte treten. Ein Elektromotor (derzeit defekt) schließlich beginnt sodann, den Mann, durch Drehung der Wellenachse, vor-  und rückwärts zu bewegen, so dass Mann und Frau dicht voreinander stehend, eine Kopulationsbewegung andeuten: ein öffentliches Liebesspiel. In der Absicht, zur Deeskalation beizutragen, sollte sich die Stimmung in der Warteschleife vor Spielbeginn aggressiv aufheizen, - so hat es der oft als Enfant terrible bezeichnete Künstler konzeptuell bestimmt.
Der in Kärnten in seinem beständig expandierenden Gesamtkunstwerk „Paradies“ auf dem elterlichen Hof lebende Aktionskünstler scheut keine Tabus. Seine Kunst ist von oft sexueller Drastik und harter Obsession, schildert unverblümt Körperöffnung und Fäkalie, deutet Gynäkologiestuhl und Besamungsbank an. Mit dem Ziel einer umfassenden Reflexion gesellschaftlicher Moral- und Wertvorstellungen. In einem Zeitungsinterview hat der streitbare Künstler 2009 gesagt: „Fragen Sie einen Wissenschaftler, wie er Leben und Organisches definieren würde. Es gibt da einerseits die Stoffwechselvorgänge und dann die Reproduktion, das heißt Liebe, Sexualität und Weitergabe der Form. Damit verbunden ist auch der Tod. Ich dachte mir, wenn ich mich auf diese drei Dinge konzentriere, ist das ein Fundament, auf dem Petrus seine Kirche errichten könnte. Das sind Dinge, die Bestand haben und immer verstanden werden.“ (Frankfurter Rundschau, 29.6.2009, im Interview mit Julia Kosbach)
Als Cornelius Kolig 1999 den Kulturpreis der Stadt Villach von Landeshauptmann Jörg Haider überreicht bekommen sollte - zuvor hatte dieser Kolig noch als Fäkalkünstler bezeichnet -  nahm er den Preis mit der Kneifzange entgegen. Streicheleinheiten fand Cornelius Kolig in diesem Fall unangebracht.

Autorin: Claudia Posca

BILDNACHWEIS

© VG BILD-KUNST, BONN 2016, Fotograf: Andreas Ren

BESITZ

Kunstmuseum Bochum

LITERATUR

Cornelius Kolig: Das Paradies. Die Bedienungsanleitung. Ritter Verlag, Klagenfurt 2013 (904 Seiten, über 2200 Abbildungen)
Rainer Pachler: Cornelius Kolig im Paradies. Höhepunkte in der österreichischen Tradition negativer Kunstrezeption. Dissertation, Universität Innsbruck 2000
Cornelius Kolig. Das Paradies. Ausstellungskatalog. Verlag: Klosterneuburg, Sammlung Essl, 2009
Thomas Ochs: Cornelius Kolig. Ein 'Paradies': Medientheoretischer Kontext, Grin Verlag, 2013
Ausst.-Kat.: Stadt und Bildhauerei, 1. Bochumer Bildhauersymposion 1979/80, Museum Bochum 1981