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Skulpturen

Terminal

Bochum

Künstler >

Richard Serra

Entstehungsjahr >

1977/1979

Material >

vier Cor-Ten-Stahlplatten

Maße >

Höhe: 12,5 m, Breite: 2,74 bis 3,66 m

PROJEKTBESCHREIBUNG

Richard Serra (*1939): Terminal, 1977/1979, vier Cor-Ten-Stahlplatten, Höhe: 12,5 m, Breite: 2,74 bis 3,66 m, Kurt-Schumacher-Platz am Bochumer Hauptbahnhof, Bochum.

Seit 1979 steht auf einer Verkehrsinsel in unmittelbarer Nähe zum Bochumer Hauptbahnhof das Terminal des amerikanischen Bildhauers Richard Serra. Das Terminal besteht aus vier trapezförmigen 12,30 Meter hohen Cor-Ten-Stahlplatten, die gegeneinander gelehnt sind und sich durch gegenseitiges Abstützen im Gleichgewicht halten. Zwei von ihnen stehen auf der längeren und zwei auf der kürzen Schmalseite. Eine der Platten ist schräg in den Boden abgesenkt, wodurch diese einen anderen Neigungswinkel hat als die anderen Platten. Die Konstruktion der scheinbar lose angelehnten gigantischen, jedoch nur 6,5 cm dicken Cor-Ten-Stahlplatten erwecken trotz der Schwere des Materials – jede Platte wiegt allein 24 Tonnen – einen äußerst labilen Eindruck. Richard Serra hat damit eine durchdachte Konstruktion geschaffen, die mit den Momenten von Stabilität und Instabilität, Schwere und Leichtigkeit spielt. „Immer wieder scheint ein grundlegend gewandeltes Gebilde vor Augen zu stehen, da sich beim Umschreiten kein einheitliches Ganzes im Gedächtnis aufbaut, sondern die jeweilige Ansicht sich auf merkwürdige Weise isoliert. Je mehr die einzelnen Ansichten in ihrer Wirkkraft erkannt werden, desto mehr verliert sich ein Bild vom Ganzen.“ (van den Berg: 1995. S. 25.) Durch eine spaltartige Öffnung kann der Betrachter das Terminal betreten und dort im Inneren noch einmal eine andere Raumerfahrung machen, die die Außenansicht der Plastik nicht nahe legt: Mit dem steilen Blick nach oben in den schmalen schachtförmigen Innenraum, eröffnet die Konstruktion dem Betrachter einen quadratischen Himmelsausschnitt, der dadurch entsteht, dass alle Platten in einem rechten Winkel aneinanderstoßen. Richard Serra konterkariert mit seiner Konstruktion die Sehgewohnheiten der Betrachter, denn die Außenansicht des Terminals vermittelt einen äußerst labilen Eindruck, der nicht mit den statischen Gesetzen übereinzukommen scheint. Die Dimensionen des Kunstwerkes – es übersteigt die menschlichen Körpermaße bei weitem – und die scheinbare Instabilität der Konstruktion lösen beim Betrachter ein beklemmendes Gefühl aus: „Das Terminal thematisiert somit den menschlichen Körper in ganz ausdrücklicher und spezifischer Weise, verfährt dabei jedoch nicht abbildlich, d.h. der menschliche Körper wird nicht als von außen betrachteter Gegenstand behandelt, sondern wird Thema, indem sich der Betrachter in der unmittelbaren Konfrontation mit den Stahlplatten seiner leiblichen Bedingtheit bewußt wird.“ (van den Berg: 1995. S.18f.)

Das Terminal hat Serra für den heutigen Standort in Bochum entworfen, es war jedoch zunächst vor dem Fridericanium während der documenta VI in Kassel aufgestellt, wo es zum Wahrzeichen der documenta wurde, bevor es dann 1979 in Bochum installiert wurde. Die Überlegungen zum Ankauf der Plastik durch die Stadt Bochum und die Aufstellung des Terminals Ende der 70er Jahre führten zu einer hitzigen Debatte in der Öffentlichkeit, die polemisch gegen den Ankauf der Arbeit Serras wetterte, was sogar zum Thema der damaligen Landtagswahl wurde. Besonders die Materialität des wetterbeständigen Cor-Ten-Stahls, der die Eigenschaft besitzt, durch Bewitterung eine rostige Patina zu bilden, die das Material vor Korrosion schützt, wurde in der Öffentlichkeit als ein nicht repräsentatives bildhauerisches Material angesehen. Max Imdahl, der Begründer des Kunstgeschichtlichen Instituts an der Ruhr-Universität Bochum, plädierte für einen Ankauf des Werkes und schrieb 1977 dem Vorsitzenden des Kulturauschusses der Stadt Bochum: „Serra hat die Plastik „Terminal“ in Bochum konzipiert. Konstruiert wurde die Plastik in der Thyssen-Hütte Hattingen. Die Plastik besteht aus Stahl, einem Material, das einen hohen Symbolwert für das Ruhrgebiet besitzt. Zugegebenerweise ist dies ein lokalorientierter Gesichtspunkt – übrigens kein schlechter. Vor allem sind es aber die beiden ausgeführten Aspekte, die mich veranlassen, zu empfehlen, einen Erwerb der Plastik ins Auge zu fassen: Erstens sind es die außerordentliche künstlerische und kunsthistorische Bedeutung der Plastik sowie ihre unmittelbare Ausdruckskraft auf den Beschauer. Zweitens ist es die kulturpolitische Tat der Stadt Bochum, die Kulturpolitik in die Zukunft, die sich im Erwerb der Plastik mit darstellt.“ (Max Imdahl zitiert nach: Ingo Bartsch: 1980. S. 32.)

Bochum wurde mit der Aufstellung des Terminals 1979 zur ersten Stadt weltweit, die eine Plastik von Richard Serra, der inzwischen zu den wichtigsten zeitgenössischen Bildhauern zählt, im öffentlichen Raum installierte.

Autorin: Katharina Kemper

STANDORT

Kreuzung Wittener Str./Ostring
Kurt-Schumacher-Platz am Bochumer Hauptbahnhof
44787 Bochum

BILDNACHWEIS

© VG BILD-KUNST, Bonn 2014, Fotograf: Andreas Ren

BESITZ

Im Besitz der Stadt Bochum.

LITERATUR

Karen van den Berg: Der leibhafte Raum. Das Terminal von Richard Serra in Bochum. Ostfildern 1995.

Ingo Bartsch: Terminal von Richard Serra. Eine Dokumentation in 7 Kapiteln. Museum Bochum 1980.

Karl-Heinz Brosthaus/Sepp Hiekisch-Picard: Richard Serra in Bochum und Marl. In: Burkhard Leismann/Uwe Rüth [Hrsg.]: Industrial Land Art im Ruhrland. Essen 2009. S. 128-135.

Janhsen, Angeli: „Terminal“ von Richard Serra. In: Kunst in der Öffentlichkeit. 1996. S. 115-131.