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Skulpturen

Ohne Titel

Hattingen

Entstehungsjahr >

1996

Material >

Eingangsturm: Glattbeton, Höhe 10 Meter, blaue Farbe, Pflanzquader mit Sitzplateaus aus Travertinstein, 2 Obelisken, Rondell mit 12 Travertinsteinsesseln

PROJEKTBESCHREIBUNG

Als 1987 die Thyssen Henrichshütte gegen den erbitterten Widerstand der Stahlarbeiter und der Stadt Hattingen geschlossen wurde, stand die Kommune vor der Aufgabe den Strukturwandel von einer Stahlstadt  zu einem Industrie- und Gewerbestandort zu gestalten. Der damalige Bürgermeister der Stadt Hattingen, Günter Wüllner, schrieb damals in einem Geleitwort: „Die Stadt bemühte sich um einen Ankauf des Geländes durch den Grundstücksfonds des Landes Nordrhein-Westfalen, was außerordentlich schnell, und zwar schon im Jahre 1988, gelang. Das Land bewilligte für dieses Projekt Sondermittel in Höhe von 32 Millionen DM. Die LEG wurde beauftragt, die Planung, Erschließung und Vermarktung gemeinsam mit der Stadt in Angriff zu nehmen. Die ersten Pläne für das neue Gewerbegebiet wurden 1989 entwickelt… Ein beispielhafter Gewerbe- und Landschaftspark soll entstehen, der die Verbindung von zukunftsweisender Industriearchitektur, belassener und gestalteter Natur, Industriemuseum und moderner Kunst darstellt.“

Von Beginn an ging es für den 1924 in Palermo auf Sizilien geborenen Bildhauer und Landschaftsgestalter Paolo Schiavocampo - bekannt durch internationale Landschaftsprojekte und Ausstellungen, heute in Mailand lebend - um ein künstlerisches Gesamtprojekt. Es sollte die circa 70 ha große Industriebrache inhaltlich und formal zusammenhängend gestalten. Das Ziel war eine Verknüpfung von Ort, Architektur und Geschichte, von Natur und Kunst. Zudem sollte eine ökologisch verträgliche Verkehrsanbindung zur Stadt geschaffen werden. Schließlich war noch die Aufgabe zu lösen, unter Berücksichtigung der besonderen Geschichte des Ortes, ein nachhaltiges, künstlerisch-funktionales Gelände mit Freizeit- und Naherholungscharakter zu konzipieren.

Um direkt vor Ort arbeiten zu können, wohnte der italienische Bildhauer 1992 für einige Zeit in Hattingen. Vier Jahre später wurde der bis heute einzige Teilabschnitt seines dramaturgisch als offener Erlebnis- und Sinnesraum strukturierten Landschaftsparkes eröffnet.

Ursprünglich hatte Paolo Schiavocampo drei inhaltlich aufeinander abgestimmte Raumsegmente als erzählerische Anschauungsfelder zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vorgesehen. Lediglich Zone A als Eingangsbereich mit dem markanten ´Turm` und der Wege-Leitstrecke hin zu zwei platzartigen Verweilzonen sind bis heute realisiert. 1996 wurde der von innen leuchtend blau pigmentierte, mit Fensteröffnungen ausgestattete Betonturm, der kein Turm im herkömmlichen Sinn ist, zum 600jährigen Stadtjubiläum eingeweiht. Einem Spalier ähnlich, fordert das zweiteilige Architekturensemble wie ein Sog dazu auf, hindurch zu laufen. Beide Hälften der Turmarchitektur neigen sich zueinander, aber ihr jeweiliger Neigungswinkel ist unterschiedlich. Außerdem sind beide Elemente in der Längsachse gewölbt und jeweils in einem Stück betoniert. Nach oben verjüngt sich die Wandstärke von 40 cm auf 28 cm.

Beim Hindurchgehen fällt der Blick auf eine erste Sitzgruppe aus Pflanzen und Travertin, an die sich zwei niedrige Obelisken anschließen. Dahinter befindet sich ein Rondell mit zwölf geometrischen, spiegelbildlich im Halbrund zueinander ausgerichteten Sesseln aus Travertin. Sie wirken wie ein magischer Zirkel, können aber genauso gut kommunikativ wie erholsam genutzt werden. Ihre entschieden formale Gestaltung bildet den Gegenpol zum natürlichen Erscheinungsbild der ersten, mit Pflanzen ausgestatteten Sitzgelegenheit. Weg, Raum, Position, Muße, Dauer, Magie, Himmel und Erde, Natur und Kunst finden sich in dieser Zone A gewissermaßen zum Auftakt einer Sinnesreise in unmittelbarer Nachbarschaft zu den architektonischen Relikten der ehemaligen Henrichshütte, heute LWL-Industriemuseum, thematisiert. Dies ist als zeitgenössisch, attraktive Raum-Landschaftskunst gestaltet.

Weitere, höchst unterschiedliche Aktionsfelder in den Zonen B, zum Thema Strukturwandel und C, zum Thema Spielraum sollten sich anschließen und auch die auf dem Gelände verbliebenen Kukillen und Schlackepfannen als rauminstallative, industrielle Erinnerungsträger mit einbinden. So sollte etwa ein riesiges, 22 Meter hohes Tor aus den ehemaligen Versorgungsröhren des Bessemer-Stahlwerkes entstehen. Dieses hätte als Fenster zur Landschaft oder als Fokussierung des Ortes und seiner Geschichte verstanden werden können. Es hätte sich auf den künstlich angelegten, 600 Meter langen, halbmondförmigen See ausgerichtet, der heute einen schönen Eindruck davon vermittelt, wie umfassend Paolo Schiavocampo den Landschaftspark zwischen Erholungs-, Erinnerungs-, Phantasie- und Kunstraum geplant hat.

 

Autorin: Claudia Posca

STANDORT

Hattingen, auf dem Gelände der ehemaligen Henrichshütte, Werkstraße, in der Nähe des LWL-Industriemuseums Henrichshütte

ca.:

BILDNACHWEIS

Foto: Claudia Posca

BESITZ

Stadt Hattingen

LITERATUR

Ausst.-Kat.: Schiavocampo - Opere 1992-1997, Milano 1997 (mit ausführlicher Projektvorstellung des Landschaftsparks Henrichshütte)

LINKS

www.paoloschiavocampo.it