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Skulpturen

Mundloch

Marl

Entstehungsjahr >

1983

Material >

Holzgerüst, Stahlnägel und -schrauben, Erdloch

Maße >

425 x 520 x 340 cm

PROJEKTBESCHREIBUNG

Diethelm Koch (1943-2008): Mundloch, 1983, Holzgerüst, Stahlnägel und -schrauben, Erdloch, Gesamtmaße 425 x 520 x 340 cm, Höhe über dem Bodenniveau: 2,5 m, Marl, Hallenbadwiese,  Skulpturenmuseum Glaskasten Marl.

Diethelm Koch, in Bochum geboren und mit der Ruhrgebietslandschaft und deren Geschichte gut vertraut, machte in dieser konstruktiven Arbeit, die im Rahmen des Symposions „das revier: motiv und motivation“ 1983 auf dem Gelände der Zeche Carl in Essen-Altenessen  entstand, einen Rückgriff auf den Beginn des Bergbaus. ‚Mundloch‘ ist die Bezeichnung der historisch frühen Eingänge, die zum Kohleabbau in die Erde getrieben wurden. Es waren zunächst einfache Holzkonstruktionen, die verhindern sollten, dass die Erde den unter Bodenniveau arbeitenden Kumpel verschüttete: der Beginn des Untertageabbaus.

Die topographische Situation, die sich der Künstler auf dem Gelände der im Abriss befindlichen Zeche ausgesucht hatte, lag im Süden des Zechengeländes auf der Höhe des Malakowturms, unmittelbar an der Kante einer Böschung. Durch einen Bagger ließ er ein ca. zwei Meter tiefes Loch schräg nach unten führend, ausheben. Der Holzwürfel wurde verkantet in die Bodensenke eingelassen und stand ca. 2,5 Meter mit seinem höchsten Punkt über dem Bodenniveau. Die schräg verlaufenden Kantenlinien nahmen in etwa die Falllinie der Böschung auf. Der Eindruck eines in den Berg nach unten führenden Stollens war gegeben. Jedoch waren die Seitenteile, einst im Mundloch durch Holzbalken abgeschlossen, weggebrochen und zwar genau in dem Winkel, den die Bodenlinie vorschrieb: Die rechte Holzbalkenwand war nach innen und die linke nach außen streng linear umgeklappt, gestuft lagen sie auf der ebenen Erde neben der Skulptur.

So veranschaulichte Diethelm Koch in einer präzisen, konstruktiven Arbeit Beginn und Ende der Kohlezeit. Er hat mit einem streng geometrischen Formenkanon den historischen Beginn der Kohleförderung mit dem Nachbau des „Mundlochs“ ebenso beschrieben, wie das Ende des Bergbaus im Auseinanderbrechen der stützenden Seitenwände symbolisiert. Der konsequente Aufbau der Arbeit zeigt sich durch die verschraubte und vernagelte Holzbalkenkonstruktion als eine Zimmermannsarbeit – Koch war ausgebildeter Modellschreiner – und knüpft so an die Handwerkstradition des frühen Kohlebergbaus an, die erst mit der steigenden Industrialisierung und den schwieriger werdenden Abbaubedingungen technisiert wurde.

Über diesen Verweis auf die historische Situation des Bergbaus hinaus deutet die Skulptur auch noch auf die ökonomische und soziale Lage der Menschen im Revier des Jahres 1983 hin: Schien beides wenige Jahre zuvor noch gesichert und – wenn auch durch harte Arbeit gekennzeichnet – geregelt, so brach diese, Kohlekrise allerorten, nun zusammen: Arbeitslosigkeit und Unsicherheit machten sich breit. Der einst vor Gefahren schützende Stollen brach auseinander!

Das „Mundloch“ von Diethelm Koch musste, obwohl der Künstler es lieber an Ort und Stelle belassen hätte, aus Sicherheitsgründen abgebaut werden und steht seit 1984, auch hier vom Künstler aufgebaut, neu zusammengesetzt und imprägniert auf dem Freigelände des Marler Skulpturenmuseums Glaskasten. Hat das Werk hier sicherlich nicht die originäre und unmittelbare Wirkung wie an seinem ursprünglichen Standort, so bleibt ihr Aussagewert am neuen Ort gültig und ablesbar: 2015 schließt in Marl mit der ‚Auguste Victoria‘ eine der letzten drei Zechen des Ruhrgebiets.

Autor: Uwe Rüth

Erstveröffentlichung des hier überarbeitenden Textes in: Uwe Rüth: Zum Symposion auf dem Gelände der Zeche Carl in Essen. In: das revier - motiv und motivation. Symposion auf dem Gelände der Zeche Carl in Essen-Altenessen, Essen 1983. S. 14f.

BILDNACHWEIS

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015, Fotograf: UR

BESITZ

Im Besitz des Skulpturenmuseums Glaskasten Marl.

LITERATUR

Uwe Rüth: Zum Symposion auf dem Gelände der Zeche Carl in Essen. In: das revier - motiv und motivation. Symposion auf dem Gelände der Zeche Carl in Essen-Altenessen, Essen 1983. S. 14f.