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Skulpturen

Fünf Bildhauer

Bochum

Entstehungsjahr >

2014

Material >

Bronze, 5-teiliges Figuren-Ensemble

PROJEKTBESCHREIBUNG

Johannes Brus, Fünf Bildhauer, 2014, Bronze patiniert, Wiese vor der Villa Marckhoff-Rosenstein, seitlich des Kunstmuseum Bochum, Kortumstraße 147

 

Die „Fünf Bildhauer“ des in Essen-Kettwig lebenden Johannes Brus sind auf den ersten Blick nicht als Bildhauer, wohl aber als überlebensgroße, sitzende Figuren erkennbar. Dass sie aus Bronze bestehen, offenbart erst ein näheres Hinsehen, denn eine spezielle Patinierung verleiht den Bronzefiguren ein betonartiges Aussehen. Ursprünglich waren die „Fünf Bildhauer“ zunächst in Gips (2006), dann in Beton (2012) gefertigt worden. Sie gehören zu den wenigen menschlichen Gestalten im Werk des Bildhauers, der vor allem für seine Darstellungen von Nashorn, Pferd, Elefant und Adler bekannt ist. Die „Fünf Bildhauer“ wurden anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers im Rahmen der Jubiläums-Ausstellung „Frühe Fotos - Späte Schäden“ in der Beton-Version im Kunstmuseum Bochum gezeigt. Vier Jahre später wurden sie, in Bronze gegossen, auf der sich verjüngenden Wiesenfläche seitlich des Kunstmuseums installiert. Zwischen den Figuren kann der Betrachter umhergehen. Durch die rhythmisierende Aufstellung wird die vorhandene Örtlichkeit in ihrer räumlichen Besonderheit thematisiert und mit einbezogen.

Außerdem funktionieren die „Fünf Bildhauer“ wie ein in die Stadt hinein weisender ´Pfeil`, der das Museum und den urbanen Raum mit der Kreativität, für die die „Fünf Bildhauer“ einstehen, verbindet. Zudem bilden die Figuren in ihrer ruhenden Haltung einen Kontrast zur Dynamik des benachbarten Schulgeländes, wodurch der meditative Charakter des Skulpturen-Ensembles betont wird. „Das Handwerk ist nur ein Teil der Bildhauerei. Ganz viel passiert im Kopf. In der Ruhe liegt die Kraft“, pointiert Johannes Brus Phantasie und Kontemplation als inhaltliche Themen der „Fünf Bildhauer“.

Dennoch spielt für ihn neben der geistigen Arbeit im Rahmen des bildnerischen Findungsprozesses auch das handwerkliche Tun eine große Rolle. Allerdings geht es dem Künstler nicht um eine persönliche Handschrift. Stattdessen rückt er die handwerkliche Gestaltung selbst in den Mittelpunkt. So erscheint die Oberfläche der „Fünf Bildhauer“ bewusst ´roh` strukturiert. Wülste, Schründe und Klüfte sind zu sehen. Auch Gussnähte, Einfüllstutzen oder Luftkanäle wurden nicht entfernt. Ein stehengebliebener Gusskanal etwa auf dem Kopf eines der fünf Bildhauer verleiht diesem ein asiatisches Aussehen, was Johannes Brus als eine willkommene „Verwischung der Ebenen“ und als „Neuformulierung“ betrachtet.

Insgesamt handelt es sich bei dem archaisch wirkenden Bochumer Skulpturen-Ensemble um eine abstrahierende Figuren-Darstellung, bei der Details vereinfacht wurden und auf ein wirklichkeitsgetreues Abbild eines Menschen bzw. eines Bildhauers verzichtet wurde.

Jede Bronzefigur wiegt 400 Kilogramm. Gegossen wurden sie in Düsseldorf. Damit die schweren Werke nicht in den Naturboden einsinken, wurden stabile Beton-Fundamente erstellt. Diese funktionieren wie niedrige Sockel und definieren für jede Figur einen eigenen Raum. Dennoch entspannt sich zwischen ihnen - u.a. aufgrund ihrer gleichgerichteten Blickrichtung stadteinwärts - ein offenes Beziehungsgeflecht, das zum Vergleichen der Bronzefiguren einlädt. In unterschiedlicher Körperhaltung, jedoch allesamt auf dem Boden sitzend, verharren die „Fünf Bildhauer“ ohne aktive Gestik, in sich versunken. Ihre vereinfachten Gesichtszüge ähneln eher einer Maske denn einem bewegten menschlichen Antlitz. Die Figuren erscheinen entrückt, fast mythisch-sakral.

Johannes Brus, der sich mit seiner Kunst ausdrücklich zur Tradition figürlicher Bildhauerei bekennt und auf diesem Terrain eine unverwechselbare Position in der Gegenwartskunst einnimmt, thematisiert mit den „Fünf Bildhauern“ das kollektive Gedächtnis der Menschheit zwischen Natur, Zivilisation, Kunst, Mythos und Schöpfung.

 

Autorin: Claudia Posca

 

STANDORT

Wiese vor der Villa Marckhoff-Rosenstein, seitlich des Kunstmuseum Bochum, Kortumstraße 147

BILDNACHWEIS

© VG BILD-KUNST, Johannes Brust

BESITZ

Kunstmuseum Bochum

LITERATUR

Ausst.-Kat.: Johannes Brus: Die Schatten der Bildhauer. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Gerhard-Marcks-Haus, Gerhard-Marcks-Stiftung 2006
Aust-Kat.: Frühe Fotos - Späte Schäden, Kunstmuseum Bochum 2012