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Skulpturen

Abnehmende Aussicht

Bönen

Künstler >

Bogomir Ecker

Entstehungsjahr >

2010

Material >

5 Straßenlaternen, 5 rot lackierte Stahlblechkästen

Maße >

Höhe: ca. 5 m

PROJEKTBESCHREIBUNG

Bogomir Ecker (*1950): Abnehmende Aussicht, 2010, 5 Straßenlaternen, 5 rot lackierte Stahlblechkästen, Höhe: ca, 5 m, Schwarzer Weg, Bönen.
 

Von einer Brücke am Schwarzen Weg in Bönen überblickt man einen schnurgerade verlaufenden Abschnitt des Rexebaches, der links und rechts von einer steilen Böschung eingefasst wird. Von dort aus lässt sich eine ungewöhnliche Szenerie beobachten: Fünf eng aneinander stehende Straßenlaternen sind auf der einen Seite der Böschung des Bachufers derart ausgerichtet, das sie nicht den schmalen Radweg beleuchten, sondern einen Bereich des Bachufers. Zusätzlich ist an jeder Laterne eine signalrote Überwachungskamera montiert, die ebenfalls auf das Gewässer ausgerichtet ist. Die Aufmerksamkeit des Spaziergängers wird damit unmittelbar auf den Bachabschnitt gerichtet und sogleich stellt sich die Frage, wieso dieser Ort der filmischen Überwachung bedarf und nachts durch eigene Straßenlaternen beleuchtet wird. Was mag sich an dieser Stelle ereignen? Assoziationen zu einem Hochsicherheitstrakt oder der Überwachung von öffentlichen Plätzen durch fest montierte Kameras werden geweckt, die jede Bewegung des Bürgers aufzeichnen und eine vermeintliche Sicherheit suggerieren.

Bogomir Ecker spielt in seiner Installation „Abnehmende Aussicht“ in Bönen mit der Form und Ästhetik der technischen Apparatur einer Überwachungskamera, die er sogar mit einer Verkabelung versieht und so zunächst einen authentischen Eindruck einer Kamera suggeriert, die jedoch keinerlei observative Funktionen erfüllen kann, da es sich im Gegensatz zu den Laternen nur um Attrappen handelt. Auch die signalrote Farbigkeit, die die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht, ist für Überwachungskameras, die meist in Grau- oder Schwarztönen gehalten sind und so dezent in den Hintergrund treten, eher untypisch. Die Kamera wirkt wie ein Aufmerksamkeitsmarker. Durch die mediale Konditionierung des Betrachters wird seine Aufmerksamkeit auf die Szenerie gelenkt, denn wo mit einer Kamera gefilmt wird, muss sich etwas Besonderes ereignen.

Erst im Zusammenspiel von dem Ort und den installierten Laternen mit Überwachungskameras entsteht das paradoxe Gefüge, dass den Betrachter zur Reflektion anregt und eine veränderte Wahrnehmung des Ortes evoziert. Die Kameraattrappen fungieren hier auf einer symbolischen Ebene: „Sie [Eckers Maschinen] „funktionieren“ im Sinne von Zeichen, welche Korrespondenzen untereinander, mit dem Ort ihrer Platzierung und natürlich auch mit den Vorstellungen und Gedanken der Betrachter einzugehen in der Lage sind. [...] Sehen, Hören, Sprechen, ihre medialen Verstärkungen und Vermittlungen und letztlich ihr technisches Funktionieren gelangen in Eckers Werk auf besondere Weise zur Darstellung und werden hier auf einer Ebene reflektiert, welche mit „Technikeuphorie“ nichts zu tun hat, sondern im Gegenteil sich ihr gegenüber distanziert und kritisch verhält.“ (Peter Friese: „Roboter, Androiden, Cyborgs, künstliche bessere Menschen“. In: Ausst-Kat. Bogomir Ecker, Kunstverein Ruhr, Essen 2002. Zit. nach: http://www.bogomir-ecker.de)

Die Arbeit ist im Rahmen der Ausstellung „Über Wasser gehen“ im  Kulturhauptstadtjahr 2010 entstanden und war während der Laufzeit mit einer zusätzlichen Kamera versehen, die wiederum die Installation von einer erhöhten Position filmte. In einem Livestream konnte die Installation online verfolgt werden (http://ueberwassergehen.s3.amazonaws.com/uwasser-w.htm). Das Video war mit der Angabe des aktuellen Aufnahmedatums, einer fortlaufenden Uhr sowie einem blinkenden Aufnahmezeichen versehen und suggerierte so eine reale live Aufnahmesituation. Doch einzelne Bildsequenzen, die ein eingeblendet wurden und in Nahaufnahme unter anderem einen reißenden Bach, Überschwemmungen, raufende Fußballspieler auf einer Wiese oder ein vorbei fliegendes Flugzeug in Untersicht zeigen, stören und konterkarieren diesen Eindruck und lassen nach der Authentizität der medialen Bilder fragen.  Der Betrachter wird vor Ort zum Beobachter einer fingierten Observation, und zusätzlich konnte auch der Internetuser die fingierte Überwachung der Überwachung verfolgen.

Bogomir Ecker inszeniert mit seiner ortsspezifischen Intervention, einen Bachabschnitt, der durch menschlichen Eingriff geformt wurde und verändert so nachhaltig die Wahrnehmung des Ortes. 


Autorin: Katharina Kemper

STANDORT

Rexebach am Schwarzen Weg, 500 Meter westlich der Einmündung Werver Mark
Bönen

BILDNACHWEIS

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015, Fotograf: Andreas Ren, Danuta Karsten

BESITZ

Im Besitz des Lippeverbands.