gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen
Skulpturen

2 Bodenskulpturen aus Granit

Recklinghausen

Künstler >

Ulrich Rückriem

Entstehungsjahr >

2002

Material >

Granit

Maße >

Maße der Boden-Skulpturen > je ca. 180 x 120 x 30 cm

PROJEKTBESCHREIBUNG

Ulrich Rückriem (*1938), 2 Bodenskulpturen aus Granit, 2002, im Boden eingelassen auf dem Kirchplatz von St. Peter, Recklinghausen und zwei Tympana-Inschriften oberhalb vom Nord- und Westportal

Fast könnte man die beiden in der Tradition minimalistischer Kunst stehenden Bodenskulpturen des mehrmaligen Documenta-Teilnehmers Ulrich Rückriem (geboren 1938) auf dem Kirchplatz von St. Peter übersehen. Der 1938 in Düsseldorf geborene Bildhauer hat die 30 Zentimeter dicken Granitplatten ebenerdig, und damit unauffällig, im Boden verankert. Eine Bodenskulptur befindet sich in der Flucht des Nordportals, die andere Bodenskulptur vor dem Westportal der Kirche.

Zudem hat Ulrich Rückriem die Tympana-Schmuckflächen oberhalb des Nord- und Westportals mit biblischen Texten versehen. Der dem Halbrund der Schmuckfläche folgende Schriftzug in Großbuchstaben am Westportal lautet: „Die Heilige Stadt Jerusalem von Gott her. Ihr Lichtglanz gleich einem Edelstein wie ein kristallklarer Jaspis“. Der Schriftzug am Nordportal lautet: „Du bist Petrus auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen. Die Tore der Totenwelt werden sie nicht überwältigen“.

Anders als viele vertikal im Raum positionierte, oft über menschengroße Steinskulpturen Ulrich Rückriems, erfordern die Boden-Skulpturen auf dem Kirchplatz von St. Peter eine Wahrnehmung aus der ´Vogelperspektive`. Dies führt dazu, dass der Betrachter den Kopf neigen muss, um die Details der Bodenskulpturen zu studieren. Im Zusammengang mit der örtlichen, explizit auf die beiden Kircheneingangsportale bezogenen Verortung der Bodenskulpturen (via sacra), kann dies als vom Künstler gewollter Demutsgestus im Vorfeld des Eintritts in den Kirchenraum bzw. beim Übergang vom Profan- in den Sakralraum gelesen werden.

Seit 1980 arbeitet der als Steinmetz in Düren und später an der Dombauhütte zu Köln ausgebildete Ulrich Rückriem ausschließlich - nach ersten frühen, von Carl André beeinflussten, minimalistischen Metall-Arbeiten - in Stein, zumeist in Granit oder Dolomit. Materialspaltungen und -teilungen zählen dabei neben Schliff und -Polierung sowie der ortsspezifischen Aufstellung zu seinem grundlegenden Themenrepertoire. Der Stein wird mit der Steinkreissäge geschnitten oder durch Hammer und Eisenkeile gespalten, um die Teilstücke sodann wieder zusammenzufügen. Auch die beiden zu einem betretbaren Rechteckfeld gefügten Bodenskulpturen vor St. Peter zeichnen sich durch Mehrteiligkeit aus.

Darüber hinaus ist die elementar-reduzierte Gestaltung dem Künstler wichtig als Garant einer ausdrücklich erwünschten, von illustrativer und/oder emotionaler Bedeutung frei gehaltenen Handschrift. Zu seinem Konzept erläutert Ulrich Rückriem: „Ich will die Balance von Material und Arbeitsprozess, Form, Maß und Ort… Die individuelle Entscheidung soll allgemeine Erfahrungen herausstellen.“

Dazu zählen auch die beim ´Blick von oben` auffallenden, in Spannung zur Natürlichkeit des Materials (Maserung, Farbe, Farbveränderung in Abhängigkeit zur Witterung, Rauheit der Oberfläche) stehenden, handwerklich geprägten Bearbeitungsspuren. Bruchkanten und Bohrlöcher stehen im Kontrast zu einer gewachsenen Natur. Typisch für Ulrich Rückriem, der für die Rückholung der Natur in die Kunst bekannt ist, ist das direkte Arbeiten mit und am Stein (taille directe) jenseits von ausgefeilten Vorstudien, so dass die künstlerische Arbeit schon mit der Auswahl des zu brechenden Gesteins im Steinbruch beginnt. „Das Material, seine Form, seine Eigenschaften und Ausmaße beeinflussen und begrenzen meine bildnerische Tätigkeit. Arbeitsprozesse müssen ablesbar sein und dürfen nicht von nachfolgenden verwischt werden. Die von mir am Material vorgenommenen Bearbeitungen bestimmen das Objekt selbst und dessen Beziehung zum neuen Standort.“

Autorin: Claudia Posca

STANDORT

Kirchplatz 4
45657 Recklinghausen

BILDNACHWEIS

© Ulrich Rückriem, Fotografin: Claudia Posca

BESITZ

Kirchengemeinde St. Peter

LITERATUR

Literatur: Heinrich Erhard (Hrsg.): Ulrich Rückriem - Arbeiten, Stuttgart 1994

Thomas Buchardt: Ulrich Rückriem - Arbeiten in Nordrhein-Westfalen, Kerber Verlag 2011