gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen
Malerei

Bochumer Wand

Bochum

Künstler >

Katharina Grosse

Entstehungsjahr >

2006

Material >

Acrylfarbe, gemalt, gesprüht, Leinwand-Tondi

Maße >

600 x 2380 x 300 cm

PROJEKTBESCHREIBUNG

Für den großen Veranstaltungssaal im Kunstmuseum Bochum hat die 1961 in Freiburg im Breisgau geborene Katharina Grosse, heute in Berlin lebend, 2006 eine ortsspezifische Wandmalerei geschaffen. Über drei Wände hinweg laufend, verklammert das malerische Kraftfeld die der großen Fensterfront des Forumssaales gegenüberliegende Hauptwand mit den beiden Seitenwänden, wo sich die Türen zum Forum befinden. Das als ´Bochumer Wand` bekannte ´Gemälde` reicht vom Boden bis zur Decke. Zum Teil wurde die Farbe mit der Sprühpistole aufgetragen. Durch die große Fensterfront ist das intensive Farb- und Formenspiel auch von außen gut sichtbar. Insbesondere aus dem Stadtpark auf das Museum zu laufend, begrüßt die lichtleuchtende Wandmalerei den Besucher als Botschafterin der Kunst.

Im Forum stehend, begegnet dem Betrachter eine rein malerische Welt, in die hinein geometrisch scharf konturierte Scheiben wie „Seifenblasen“ montiert wurden. Tatsächlich hat Katharina Grosse eigenständige, plastische Elemente in Form von Leinwandbespannten Tondi auf die Wandfläche montiert, die als schwebende kleine Kosmen die sphärisch wirkende Wandmalerei räumlich dynamisieren. Malerei, Raum, Fläche und Bewegung stehen in einem komplexen Beziehungsgeflecht.

Wie dieses entsteht, hängt unmittelbar mit der Frage nach der Entstehungsgeschichte der ´Bochumer Wand` zusammen. Die Komposition kann als eine Art Archäologie gelesen werden, wo die Malerei als Spur für Emotionalität und Konzept auftritt. „Es kommt mir vor, als ob meine Arbeit etwas narrativ wiedergibt, ohne eine Geschichte zu erzählen. Es geht um den Ausdruck meiner Gegenwart, um Existenz, um das Auslösen einer Reihe von Assoziationen“ beschreibt Katharina Grosse ihr künstlerisches Anliegen.

Katharina Grosse ist dafür bekannt, dass sie sich für ihre ortsspezifische Malerei intensiv mit der Architektur und der Funktion des vorhandenen Raumes auseinandergesetzt. Wie sie den Raum sodann inszeniert, ist, neben der malerischen Gestaltung, auch ein performativer Akt, bei dem die Künstlerin in Schutzkleidung auftritt, was der Arbeit mit der Sprühpistole geschuldet ist. Für die ´Bochumer Wand` beschreibt Katharina Grosse mehrere, aufeinander folgende Arbeitsschritte: „Wir begannen mit einem dunkelbraunen Anstrich, den ich in Beziehung zu dem Blau der Akustikbespannung am Fenster ausgesucht hatte. Danach fügten wir weiße, spiralartige Kreise in unterschiedlichen Größen hinzu. Auf dieser Schicht installierte ich leere, runde Leinwände, die in ihrer Anzahl der Menge der gemalten Kreise entsprachen. Anschließend wurde das ganze Ensemble in verschiedenen Farben und Bewegungen übermalt, wodurch die Haupt- und Seitenwände von einer illusionistischen Bildoberfläche geflutet wurden. Der nächste Schritt war, die ´Loch`-Bilder zu entfernen und neu anzuordnen. So wurde die Oberfläche zerrissen und der Zusammenhang des Bildes destabilisiert.“

Seit Anfang der 1990er Jahre arbeitet Katharina Grosse an einem Architektur, Skulptur und Malerei integrierenden Bildbegriff, der das klassische Tafelbild auflöst. Die im Bochumer Kunstmuseum zu sehenden Leinwandverschiebungen in Gestalt der mobil eingesetzten Tondi installieren ein offenes malerisches System zwischen Faktizität und Optizität, zwischen Realität und Illusion.

Katharina Grosse wurde 1961 in Freiburg im Breisgau geboren. Sie ist die Tochter der Künstlerin Barbara Grosse und des Germanisten und späteren Rektors der Ruhr-Universität Bochum Siegfried Grosse. Studiert hat Katharina Grosse an den Kunstakademien in Münster und Düsseldorf bei Norbert Tadeusz und Gotthard Graubner. Von 2000 bis 2010 war sie Professorin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seither ist sie als Professorin für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf tätig. Katharina Grosse erhielt zahlreiche Preise, u. a. 2003 den Fred-Thieler-Preis und 2015 den Otto-Ritschl-Preis. Ihre Werke sind in vielen Museen Europas vertreten, viele Ausstellung hat sie in Europa und Amerika gemacht.

Autorin: Claudia Posca

STANDORT

Kunstmuseum Bochum, Forumssaal, Kortumstraße 147

BILDNACHWEIS

© VG Bild Katharina Grosse

BESITZ

Stadt Bochum

LITERATUR

Katharina Grosse - The Poise Of The Head und die anderen Folgen, hrsg. von Hans Günter Golinski, Kunstmuseum Bochum, Verlag für Moderne Kunst Nürnberg, 2007