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Landschaftskunst

Wasserstände

Marl

Entstehungsjahr >

2000

Material >

Teilweise erhaltene Gebäudeteile eines ehemaligen Wasserwerks, Bauschutt der abgerissenen Gebäudeteile, Bergematerial; Erde und Grundwasser

Maße >

Größe des ehemaligen Betriebsgeländes: 60.000 m²

PROJEKTBESCHREIBUNG

Auf dem Areal des ehemaligen Wasserwerks Sickingmühle in Marl schuf der Künstler Herman Prigann mit einem ‚kreativen’ Abriss eines Gebäudes und der Umgestaltung einzelner Bereiche unter Verwendung des Bauschutts im Jahr 2000 das Landschaftskunstwerk „Wasserstände“, eine Ruine, die heute durch dichten Bewuchs von der Natur zurückerobert wird.

Seit 1938 war das Wasserwerk für die Wasserversorgung des Chemiekomplexes Marl zuständig. Aufgrund von Bergschäden (Bodensenkungen) durch die benachbarte Zeche Auguste Victoria nahm der Eigentümer, die damalige Degussa-Gruppe, die Anlage 1997 außer Betrieb. 

Aus statischen Gründen, und um den ehemaligen architektonischen Raum nachzuzeichnen, ließ Prigann durch Abriss überwiegend Betonstützkonstruktionen freilegen. Decken und ein Großteil der Außenwände wurden entfernt, sodass nur Eckwände in Teilen erhalten blieben. An den Stirnseiten des Gebäudes entstanden zwei Hügel aus dem Bauschutt, ergänzt durch Bergematerial und Erde. Die aus den aufgeschütteten Erhebungen herausragenden Eckwände veranschaulichen die Absicht des Künstlers: „Das ästhetische Konzept lebt vom Kontrast der ‚RUINE’, den darin aufsteigenden ‚HÜGELN’ als Natur-Landschaftsmarke“.[1]

Als essentieller Bestandteil des Konzepts waren Anpflanzungen sowie Pflege der Vegetation von Anfang an nicht vorgesehen. So schrieb Prigann in seiner Projektplanung: „Das gesamte so gestaltete Areal ist einmal ein Kunstwerk und wird mit der Zeit durch Naturaneignung ein Kunst-Naturwerk“.[2] Umgeben von einem Wassergraben mit noch erkennbaren Rohren und Pumpen wurde das zwischen dem Dattel-Wesel-Kanal und der Lippe gelegene Areal als ‚Terra incognita’ so der Natur überlassen. Da dieser Graben mit dem umgebenden Gewässer verbunden ist, verdeutlicht noch heute das Auftauchen und Versinken einzelner Teile je nach Wasserstand die Bewegung des Wassers.[3] 

Mit der künstlerischen ‚Ruinierung’ des Gebäudes und der Rückeroberung durch die Natur überführte Prigann diesen Ort in eine neue Bedeutung und fügte ihn erfolgreich in die Landschaft der unter Naturschutz gestellten Lippeauen ein, jedoch ohne seine Geschichte zu löschen.

Herman Prigann: „Wasserstände“, 2000, ehemaliges Wasserwerk, Geländegröße 60.000 m², Marl.

Autor: Thomas Buchardt


[1] Herman Prigann in: Skulpturenmuseum Glaskasten Marl und Infracor GmbH, Marl (Hg.): Herman Prigann. „Wasserstände“. Transformation eines Industriegeländes in ein Landschaftskunstwerk. Essen, 2001. S. 18.

[2] ebenda S. 18.

[3] vgl. Strelow, Heike (Hg.): Ökologische Ästhetik. Theorie und Praxis künstlerischer Umweltgestaltung. Basel, Berlin, 2004. S. 144.

 

STANDORT

Alberskamp

45772 Marl

BILDNACHWEIS

© VG Bild-Kunst, Bonn 2018

BESITZ

Eigentum der Infracor GmbH

LITERATUR

Skulpturenmuseum Glaskasten Marl und Infracor GmbH, Marl (Hg.): Herman Prigann. „Wasserstände“. Transformation eines Industriegeländes in ein Landschaftskunstwerk. Essen, 2001.

Strelow, Heike (Hg.): Ökologische Ästhetik. Theorie und Praxis künstlerischer Umweltgestaltung. Basel, Berlin, 2004.