gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen
Landschaftskunst

Skulpturenwald Rheinelbe

Gelsenkirchen

Künstler >

Herman Prigann

Entstehungsjahr >

1996-2000

Material >

Abbruchmaterialien von Industriegebäuden, Beton, Stahl, Eichen, Fundstücke

Maße >

Ohne Maße

PROJEKTBESCHREIBUNG

Herman Prigann (1942-2008): Skulpturenwald Rheinelbe, 1997-2000, Industriebrache, Gelsenkirchen.

Die Zechenbrache Rheinelbe in Gelsenkirchen-Ückendorf wurde bis Anfang der 1990er-Jahre durch wilde Mülldeponien als ein Gelsenkirchener Unort wahrgenommen. Die Fläche umfasst über 50 Hektar und ist durch eine heterogene Vegetation geprägt. Mitte der 1990er-Jahre setzte durch das Industriebrachenprojekt der Internationalen Bauausstellung Emscherpark (IBA) ein Wandel ein, denn die Industriebrache sollte als Wald definiert werden und durch eine künstlerische Auseinandersetzung sollte sowohl die Historie als auch die  stetige Veränderung der Landschaft thematisiert werden. Karl Ganser, der Geschäftsführer der IBA, gewann für dieses Vorhaben Herman Prigann, der das Gelände zwischen 1996 und 2000 durch skulpturale Setzungen ästhetisch  gestaltete.

Da auf den Flächen Rheinelbe keinerlei Überbleibsel der einstigen Industriearchitektur mehr vorhanden waren, entwickelte Prigann das Konzept, durch Abbruchmaterialien alter Industriegebäude anderer Zechen im Ruhrgebiet die Geschichte des Ortes in Erinnerung zu rufen und so ein „archäologisches Feld“ entstehen zu lassen: „Die Idee, das Schöne entfaltet sich in einer Landschaft, die überall Spuren des Verbrauchs und der Zerstörung aufweist, als etwas, das dieses Zerstörte zu Orten einer künstlerischen und ökologischen Veränderung transformiert und dabei die geschichtlichen Spuren des Ortes integriert.“ (Herman Prigann in seinem Konzept 1997, zit. nach: Heike Strelow [Hrsg.]: Ökologische Ästhetik. Theorie und Praxis künstlerischer Umweltgestaltung. Basel, Berlin, Boston 2004, S. 132.) Die Kohle- und Stahlindustrie verschwand immer mehr aus dem Ruhrgebiet, so dass sich der Künstler fragte, wie es möglich sei, über künstlerische Setzungen eine „Erinnerungs-Identität“ (Herman Prigann führt durch das Zechengelände Rhein-Elbe und den Skulpturenwald. In: Roland Günter/Janne Günter/Peter Liedtke: Industrie-Wald und Landschafts-Kunst im Ruhrgebiet. Essen 2007. S. 24.) zu stiften.

An den Hauptzugängen des Geländes positionierte Prigann archaische Tore aus massiven, bis zu 14 Tonnen schweren, Betonfundamenten, die auf fünf vertikal aufgestellten Eichenstämmen ruhten. Der Künstler plante hierbei den Verfall der Tore durch den natürlichen Prozess der Verrottung des Holzes mit ein, so dass die Tore dann sukzessive herabsinken sollten. Als eine Spaziergängerin beobachtete wie eines der riesigen Tore plötzlich viel früher als berechnet umstürzte, entschloss man sich aus Sicherheitsgründen die Tore abzubauen. (Vgl. ebd. S. 38f.) Prigann verlegte die Baumstämme horizontal auf ein Sand-Kiesbett, auf die dann die Betonfundamente gestellt wurden. Auf dem nördlichen Weg der Südhalde sind sechs hohe Betonguss-Blöcke als Erinnerungs-Steine aus Beton aufgestellt. In diese sind Zitate aus Bergmanns-Lyrik eingeritzt und Fundstücke wie Roheisen, Koks sowie Abdrücke von Gewächsen eingelassen.

Der Skulpturenwald wurde immer wieder durch neue Skulpturen ergänzt: So sind neben den torartig aufgestellten Baumstämmen, die den Baumplatz bilden sowie der Stahlskulptur  „Windwaage“ noch viele andere Arbeiten abseits der Wege auf dem Gelände zu finden. Herman Priganns Skulpturen machen die einstige industrielle Vergangenheit des Ortes sichtbar und binden diese in die Landschaft ein. Ebenso wie der Ort und die Natur einem stetigen Wandel ausgesetzt sind, so verändern sich auch seine Skulpturen durch die Witterung.

Autorin: Katharina Kemper

STANDORT

Leithestraße 142
Halde Rheinelbe
45884 Gelsenkirchen

BILDNACHWEIS

© VG BILD-KUNST, BONN 2015, Fotograf: Andreas Ren, Katharina Kemper

LITERATUR

Jörg Dettmar: Ökologische und ästhetische Aspekte der Sukzession auf Industriebrachen. In: Heike Strelow [Hrsg.]: Ökologische Ästhetik. Theorie und Praxis künstlerischer Umweltgestaltung. Basel, Berlin, Boston 2004. S. 128-131.

Roland Günter/Janne Günter/Peter Liedtke: Industrie-Wald und Landschafts-Kunst im Ruhrgebiet. Essen 2007.