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von Dr. Uwe Rüth

Das Braunkohlegebiet im Osten Deutschlands und seine landschaftlich-kulturelle Umstrukturierung

vor 1991

Die Kunst in und um die Lausitzer Braunkohleregion ist und war durchaus geprägt durch die industrielle Situation der Menschen und der Landschaft. Natürlich wurde in der Zeit der DDR die realistische Malerei in der Industrielandschaft mehr oder weniger durch den sozialistischen Realismus beeinflusst, wobei in diesem Gebiet, in dem der Künstler unmittelbar mit der von Maschinen und Kohlebergbau charakterisierten Umwelt lebte und arbeitete, eine doch intensive innerliche und organische Verquickung von Kunstwerk und Künstler mit der industriellen Umwelt zu verspüren ist. Besonders in den 1980er Jahren, in denen der politische Druck auf die Künstler nachgelassen hatte, ist eine freiere formale Behandlung des Themas ‚Industrie und Bergbau‘ bei den Künstlern deutlich zu spüren, so etwa bei Fritz Fröhlich (geb. 1928) oder Eberhard Göschel (geb. 1943), aber auch bei Günther Rechn (geb. 1944) und Gerhard Lampa (geb. 1940). Parallel zu diesen Künstlern bildeten sich aber auch schon Künstlergruppen, die mit Installationen und Performances die engen Grenzen der traditionellen Gattungen sprengten. Ihr Thema war natürlich kaum der Kohlebergbau oder der Arbeiter: Sie grenzten sich von der offiziellen Kunst ab (So z.B. Hans Scheuerecker (geb. 1951) oder Elke Riemer (ERNA, geb. 1954)).
Lit.: Nicoletta Nelken, Zeitmaschine Lausitz. Landschaft und Bergbau – Bildende Kunst der Lausitz im 20. Jahrhundert, Großräschen (IBA Fürst-Pückler-Land) 2003/4.

1991: 1. Biennale Europäischer Länder für Land Art, Objektkunst und Multimedia in der Niederlausitz/Land Brandenburg

Die Wiedervereinigung Deutschlands gab der Entwicklung der Kunst, und hier im besonderen Maße der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Braunkohlebergbau und der Industrie in der Lausitz, neue Richtungen und Möglichkeiten: „Mit Objekten, Installationen und Land Art sucht die Kunst nicht nur ihr Motiv, sondern auch ein Platz in der Landschaft“, fasst Nicoletta Nelken den dortigen Weg der Bildenden Künstler zusammen. Dass sich dies in einem Industriegebiet besonders entwickelt, dessen natürliche Landschaft gänzlich verändert wurde und das Unterste nun zu Oberst liegt, ist unschwer zu begreifen. So fühlte sich der Künstler als erster dazu berufen, auf die zerstörte Landschaft, aber auch auf deren Neustrukturierung hinzuweisen.
Der 1991 gegründete „Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz“ setzte sich als Ziel die  „Erhaltung und künftige Gestaltung  der Kulturlandschaft Niederlausitz“. Schon wenige Monate nach der Gründung des Vereins organisierte er die Durchführuung des „1. Symposiums der Biennale europäischer Länder für Land Art, Objektkunst und Multimedia in der Niederlausitz/Land Brandenburg“, das am 14./15. September 1991 eröffnet wurde: „Ziel des Groß-Projektes KULTURLANDSCHAFT NIEDERLAUSITZ als anspruchsvollem langfristigem Vorhaben ist die Schaffung eines bisher nicht erreichten hohen Niveaus komplexer Landschaftsgestaltung in den vom Bergbau betroffenen Gebieten der Niederlausitz, der Herausbildung von attraktiven, voll funktions- und nutzungsfähigen Landschaftsräumen, in denen zugleich durch die Optimierung gegenseitiger Verträglichkeit eine Humanisierung der Umwelt realisiert wird.“ (aus: Konzeption des 1. Symposiums der Biennale europäischer Länder für Land Art, Objektkunst und Multimedia in der Niederlausitz. Abgedruckt in: Lit.: Kunstszene Tagebau, Heidelberg Cottbus  1991/92, S.94). Einige der Ergebnisse des Symposions sollten “zugleich erste ästhetisch-gegenständliche Leistungen für die künftige Kulturlandschaft Niederlausitz“ vorweisen (a.a.O., S. 97).

Etwa 25 Künstler waren gebeten worden, in der vom Bergbau durchwühlten Landschaft markante Zeichen zu setzen, um das riesige Tagebaugebiet mit seinen atemberaubenden Landschaften neu zu strukturieren und humaner zu kennzeichnen. Mit teilweise großflächigen Installationen, künstlerischen Landschaftsbauwerken, Aktionen und Darbietungen experimenteller Musik wurden neue Merkpunkte in der Landschaft verwirklicht und der überzeugende Anfangspunkt einer langen, zum Schluss erfolgreichen Entwicklung gesetzt. Diese Unternehmung wurde als beispielhaft von der Europäischen Gemeinschaft ausgezeichnet.

Lit.: Kunstszene Tagebau. Dokumentation eines ungewöhnlichen Kunstereignisses, Herausgeber Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz e.V., Heidelberg/ Cottbus 1991/92.

1993 und 1995 Pritzen: Zwei Europa Biennalen für Land Art

Fortgesetzt wurde dieses überaus wichtige Auftaktsymposium durch zwei weitere Europa-Biennalen, die 1993 und 1995 bei der Ortschaft Pritzen durchgeführt wurden. Dieser Ort, der nur knapp seiner gänzlichen Zerstörung durch den Abbau von Braunkohle 1992 entkam, liegt heute auf einer Landzunge in einem neu entstehenden See, dem Altdöberner See (die Flutung wurde 1998 begonnen und soll 2018 beendet sein).
Es leben von den ehemaligen 480 Bewohnern heute wieder 75 in dem Ort, der durch die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land und den Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz e.V. zu einem Künstlerort werden soll. Mit der Schaffung der ‚Kunstscheune‘ aus der ehemals größten Scheune des Ortes und eines Bürgerhauses als Kulturelles Zentrum sind auch schon räumliche Zentralpunkte entstanden. Gefährdet scheint dieses Vorhaben heute dadurch, dass der entstehende See zu einer Ablagerungsstätte u. U. giftiger Eisenschlämme werden soll. Die Auseinandersetzung mit diesem Problem ist in vollem Gange. Damit würde die Leidensgeschichte des Ortes weitergeführt.
Von den in den beiden Symposion errichteten 23 ‚Land-Art-Objekten‘ sind heute noch 16 erhalten, die durch einen Rundweg bald erschlossen sind und Ort und Umgebung zum Künstlerort bzw. zu einer Kunstlandschaft machen. Auch hier werden Zeichen der Ästhetisierung und des menschlichen Schöpfertums die vom Bergbau gezeichnete Landschaft und die neu entstandene Seensituation kennzeichnen und verwandeln.

Lit.: Künstlerort Pritzen Niederlausitz, Postkartenbroschüre, Herausgeber Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land, Großräschen, o.J.

1994-1997 Projektlaufzeit „Kunst und Landschaft“ (AT)

Überlagert durch Qualität und Resonanz wurden diese drei Künstler-Symposien durch ein Projekt, das 1994 begonnen wurde und von der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen und dem Siemens Kulturprogramm finanziert und durch die Konzeption der damalige Direktorin der Brandenburgischen Kunstsammlung Cottbus, Perdita von Kraft, entworfen und kuratiert worden ist: Das 1997 in der im Leipziger Grassi-Museum veranstalteten Ausstellung gipfelnde und unter dem Arbeitstitel laufende Kunstunternehmen „Kunst und Landschaft“. Wenig ist übrig geblieben, wichtig aber bleibt die umfassende Publikation zu dieser Unternehmung mit dem Titel „Aufriß. Künstlerische Positionen zur Kunstlandschaft in der Mitte Europas“ (Literatur-Angabe s.u.). Dieses Projekt fasste die Absichten der vorhergegangenen Symposien zusammen und weitete sie aus auf die „industriell stark genutzten Landschaftsräume in der Mitte Europas“ und nahm als Beispiele des Gesamtraums die ‚Braunkohlefolgelandschaften‘ Ost-Deutschlands, Schlesiens und Böhmens als Bearbeitungsgebiete.
Zwei Bereisungszeiträume brachten die teilnehmenden Künstler und Wissenschaftler auf den notwendigen Wissens- und Kenntnisstand, mit dem sie dann fast drei Jahre ihre Ausstellungsprojekte vorbereiten und ihre theoretischen Ergebnisse formulieren konnten.

Oktober 1994:
Eine sechstägige Exkursion mit 10 Künstlern und einer interdisziplinären Gruppe von Wissenschaftlern brach im Oktober 1994 in den Raum südlich von Leipzig (Borna) und in den Landkreis Annaberg (Scheibenberg) auf. Hier begann, was „das kreative Potential von Künstlern mit einer interdisziplinären wissenschaftlichen Auseinandersetzung zu verknüpfen“ (s.u. Lit.: Aufriß, S.7) suchte. In diesen sechs Tagen fanden Exkursionen in das Braunkohlegebiet südlich von Leipzig statt. Gespräche, Vorträge und intensive Diskussionen vertieften das Gesehene und die anfallenden Fragen zur Bewältigung der Aufgaben wurden gemeinsam formuliert. Die international zusammengesetzte Künstlerliste umfasste für die Themenstellung gut ausgesuchte Persönlichkeiten: Lewis Baltz, Newton und Helen Harrison, Matthias Jackisch, Josef Koudelka, Olaf Nicolai, Maria Nordman, Joanna Przybyla, Auke de Fries und Remy Zaugg.

Mai 1995:
Im Mai des nächsten Jahres folgte eine ähnlich strukturierte Zusammenkunft in Görlitz, um von dort aus das deutsch-polnische Grenzgebiet zu bereisen.

31.V. bis 27.VII.1997 „Kunst und Landschaft“, Ausstellung der Projekte in Leipzig, Grassi-Museum
Die Ausstellung in Leipzig unter dem Titel „Kunst und Landschaft“ zeigte die künstlerischen Ergebnisse der dreijährigen Arbeit und die hierzu erschienene Publikation veröffentlichte die theoretischen und künstlerischen Ergebnisse: „Das künstlerische Experiment unseres Projektes,“ so fasst Perdita von Kraft die Ergebnisse der Künstler zusammen, „kann somit als ein Beitrag zu einer Landschaftsästhetik gesehen werden. Es zielt auf die Erfahrung mit der zerstörten Landschaft, aus der heraus ein Gewinn für weitertragende Veränderungen dieses Areals gezogen werden konnte.“ (Aufriß, S. 140). Es waren nicht allein die sinnlich-optischen Kunstwerke, die von den Künstlern entwickelt wurden, sondern ebenso die Ergebnisse der Erfahrungen der Künstler, die allgemein ein Fundament gaben zur weiteren Diskussion und zur Realisation neuer Landschaftsräume.
Es ist besonders zu bedauern, dass keines der hier entwickelten großen Landschafts-Kunstwerke – weder das ökologisch und künstlerisch-ästhetisch überzeugende Projekt des amerikanischen Ehepaars Harrison noch die interessanten Lösungen von Auke de Vries (Holland), Maria Nordman u.a. realisiert wurde. Wesentlich aber bleiben die Durchführung dieses Experiments und die gute Dokumentation auch des theoretischen Diskurses, auf die jede zukünftige ähnliche Initiative zurückgreifen sollte.
Lit.: Aufriß. Künstlerische Positionen zur Industrielandschaft in der Mitte Europas -  Ein Projekt der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und des Siemens Kulturprogramms, Redaktion Perdita von Kraft und Christine Schauer, Leipzig 1997.

2000 bis 2010 IBA Lausitz (IBA Fürst-Pückler-Land)

Nach der erfolgreichen Internationalen Bauausstellung (IBA) Ruhrgebiet, die von 1989 bis 1999 den Strukturwandel des Ruhrgebiets entscheidend in Bewegung gesetzt hat mit ihren überzeugenden landschaftlichen, architektonischen und künstlerischen Projekten, folgte im Jahr 2000 die IBA Lausitz oder auch IBA Fürst-Pückler-Land benannt, nach dem Gestalter des großartigen Parks auf Schloss Muskau an der deutsch-polnischen Grenze. Es sollte durch diese IBA das entstehen, was mit künstlerischen Gedanken vorbereitet wurde durch die vorhergehenden Symposien der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts: „…eine völlig neue Landschaft – ein riesiges Areal mit einer einzigartigen Seenkette und neuartigen Bauten,“ wie es der Geschäftsführer dieser IBA im Vorwort der abschließenden Publikation darlegt. Das Ergebnis dieser 10 Jahre ist eine durchorganisierte Gestaltung der neu entstehenden Seenplatte mit den unterschiedlichsten 30 IBA Projekten, die das ehemalige Braunkohlerevier in ein touristisch äußerst attraktives und vielseitiges Land verwandeln. Es handelt sich hierbei in der Hauptsache um landschaftliche und Freizeit-Projekte, die teilweise Neugestaltungen, ja, Neuschöpfungen sind, teilweise aber auch die Industrie und deren typische Landschaften als sehenswerte Relikte aufbereitet haben und präsentieren. Leider sind hierbei bis auf wenige Beispiele der frühen Symposien (Kunstlandschaft und Künstlerdorf Pritzen) größere Kunstprojekte nicht durchgeführt worden, die zuvor das geistige Feld für die IBA Lausitz vorbereitet haben. Insgesamt aber erzielte man für den riesigen Raum hervorragende und lohnenswerte Ergebnisse, die nun ihre Gültigkeit und Belastbarkeit in der Zukunft beweisen muss.
Lit.: IBA Lausitz 2010 – Landschaft erobern – Zum Mars reisen – Paradies 2 inszenieren, Herausgeber IBA Fürst-Pückler-Land GmbH i.L., Großräschen 2011.

2007-2010 Vorbereitung der Schlussveranstaltung der IBA Lausitz
In dem Konzept zum ‚IBA-Finale 2010‘ „sollte das Erreichte – sollten die 30 IBA-Projekte - vielfältig erlebbar präsentiert und gefeiert werden“, so Ulrike Rothe in der abschließenden Publikation (Seenlandschaft Lausitz, S. 22). Seit 2007 hatte der Schweizer Regisseur Jürg Montalta diese Schlussveranstaltung vorbereitet: „Der Wandlungsprozess der Lausitz sollte so künstlerisch in Szene gesetzt werden, dass die hier lebenden Menschen selbst zu Wort kommen, auf die ‚Bühne‘ ihrer eigenen Landschaft gestellt werden und somit in den Mittelpunkt des Geschehens rücken.“ (U. Rothe in: Seenlandschaft Lausitz, S. 22).  Auf diese Weise wurden 7 000 Menschen der Lausitz zu künstlerischen Gestaltern dieses Finales: Drei Jahre wurde diskutiert und geprobt. ‚Paradies 2‘ hieß die Endproduktion im Mai 2010, die zusammen mit der zusammenfassenden Ausstellung einen Schlussakkord setzte.

2010 Finale Ausstellung „Die Neueroberung einer Landschaft“  
Die in drei Containern dargestellten drei Teile der Ausstellung demonstrierten Ablauf und Ergebnisse der 10jährigen IBA Lausitz: Im ersten Container wurden die Akteure und Ereignisse der Entwicklung vorgestellt, im zweiten der Prozess des Übergangs von der durch den Bergbau zerstörten Landschaft zur neuen Seenlandschaft und der dritte Teil präsentierte die 30 IBA-Projekte, die teilweise fertiggestellt waren, zum großen Teil aber noch im Entstehen sind. Erwähnt werden sollen hier nur diejenigen, die unmittelbar mit der Bildenden Kunst zu tun haben.

Projekt 2
Das Besuchsbergwerk F60 mit der riesigen stählernen Förderbrücke von 500 m Länge, die auch „Liegender Eiffelturm der Lausitz“ genannt wird. Die imposante Licht-Klang-Installation des Berliner Künstlers Hans-Peter Kuhn verwandelt sie zu einem nächtlichen Megazeichen besonderer Art.


Projekt 5
Nicht weit davon entfernt ragen die eigentümlichen Architekturen der Biotürme Lauchhammer auf, die wegen ihrer turmartigen Ähnlichkeit auch „Castel del Monte der Lausitz“ heißen. Ihr von jeder Funktion entkleidetes Erscheinungsbild fasst das Ensemble zu einer einmaligen architektonischen Landschaftsskulptur zusammen


Projekt 8
Eine neu geschaffene skulpturale Landmarke (Höhe 30 m) bildet der als Aussichtsturm auf die Seenplatte errichtete „Rostige Nagel“ der Wettbewerbs-Sieger Architekten-Gemeinschaft Stefan Giers (München) und Landschaftsarchitektbüro Giers (Wettenberg/ Hessen) zwischen dem  Sedlitzer und dem Geierswalder See, an der Grenze von Brandenburg und Sachsen. Die eigenwillige Treppen-Konstruktion aus rostbraunem Corten-Stahl wird als „Zeichen für menschliches Schaffen, für die Zukunft“ beschrieben.


Projekt 15 und Projekt 20
Erwähnt werden muss natürlich auch der Muskauer Park, das große Gartenkunstwerk von Hermann Fürst von Pückler-Muskau (ab 1815 angelegt), der durch die IBA im Ganzen - auf deutscher wie auf polnischer Seite – wiederhergestellt wurde und heute wieder begehbar ist. Das als Weltkulturerbe durch die UNESCO anerkannte Kunstwerk ist eine der wichtigsten Parklandschaften in Europa. Auch der vor Fürst Pückler angelegte Park in Cottbus-Branitz muss in diesem Zusammenhang Erwähnung finden.


Projekt 28
Auf das IBA Projekt Pritzen wurde im Verlauf der Kunstsymposien schon detailliert hingewiesen.

2010 Aufführung des großen Kunst-Projekts ‚Paradies 2‘ an sieben Orten
Am 20. April 2010 beginnt die Schlussveranstaltung der IBA Lausitz mit einer großen See-Symphonie an der Stelle, wo sich einst der Ort Bückgen befunden hat, der dem Braunkohle-Abbau geopfert werden musste. ‚Paradies 2‘, der Name der an sieben Orten der IBA stattfindenden Ereignisse zum Abschluss der zehn Jahre Landschaftsumbau in der Lausitz, wurde zu einem großen Volks-kulturellen Fest, das den Menschen der Lausitz einen Zugang zu der neuen Landschaft und ihren Fixpunkten ebnete.

Bildende Kunst in der IBA Lausitz: Kurze Betrachtung
Einen wichtigen Beitrag am Prozess der landschaftlichen Neugestaltung und der Bewältigung der großen Aufgabe einer ästhetischen Umstrukturierung des östlichen Braunkohlereviers in Deutschland lieferte die Bildende Kunst nur in den Jahren von 1990 bis 1997. In diesem Zeitraum waren es vier künstlerische Landschafts-Symposien, die den Gedanken einer ästhetischen Neuorientierung des von der Kohle-Industrie zerstörten Gebietes als erste Initiativen aufnahmen und durch künstlerische Diskussionen, Ideen und Werke zu realisieren begannen. Besonders das erste Symposium von 1991 und das Langzeitunternehmen „Kunst und Landschaft“ von 1994 bis 1997 gaben Initialzündungen und Anregungen für den umfassenden Aufbruch nach 2000. Leider wurde während der IBA Fürst-Pückler-Land der querdenkerische Wert von Projekten der Bildenden Kunst in der Landschaft nur sehr eingeschränkt berücksichtigt. Der Prozess der landschaftlichen Umstrukturierung wurde mehr als ein Vorgang der touristischen und kulturwirtschaftlichen Entwicklung gesehen, was natürlich bei der Komplexität und der Unübersichtlichkeit der riesigen Aufgabe und der damit verbundenen Verantwortung verständlich erscheint. Und dennoch wäre durch ein Mehr an Kunstprojekten auch ein Mehr an Identifikation, Ästhetik und künstlerischer Kreativität und damit an humaner Freiheit in den Strukturwandel eingeflossen: Aber was nicht ist, kann ja – bei den noch zu bewältigenden großen Aufgaben – noch werden.



Abbildungen:

Abb. 1: Gerhard Lampa (* 1940): Tagebaueinfahrt, 1984, Öl auf Leinwand, 60 x 70 cm, dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, Foto: Andreas Kämper, Berlin.

Abb. 2 : Samuel La Roze (* 1963 Frankreich): Black Holiday, Kohlestaub in Rinnen, Wasserläufe assoziierend mit beckenartigem Carre im hellen sandigen Untergrund und Bauwagen, 484 m², Gesamtfläche der Arbeit 4000 m², 1991,1. Biennale Niederlausitz, Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz e.V., Foto: Andreas Kämper, Berlin

Abb. 3: Nils Udo (* 1937), Landschaft mit See-Sumpf, 1993, Biennale Europäischer Länder für Land Art, Objektkunst und Multimedia in der Niederlausitz/ Land Brandenburg Foto: Detlef Hecht.

Abb. 4: Hiroshi Teshima (* 1948 Japan):  ‚Zwischen Himmel und Erde‘, 1995, Europa-Biennale 1995, Foto von Detlef Hecht.

Abb. 5: Luftbild Seenlandschaft Lausitz, 2008, Foto: Radke LMBV

Abb. 6: Hans-Peter Kuhn (* 1952): Licht-Klang-Kunstwerk Besucherbergwerk F60, Foto: Lena Schmidt (heute Lena Gronert)

Abb. 7: Biotürme Lauchhammer, Foto von Prof. Matthias Beyrow

Abb. 8: Stefan Giers/Susanne Gabriel: Landmarke Lausitzer Seenland, 2008, Cortenstahl, Höhe: 30 m, Foto: Profifoto Kliche

Abb. 9: Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871): Fürst-Pückler-Park Branitz, Pyramide im See – Tumulus für Fürst Pückler und dessen Frau Lucie, 1856/57, Foto von Cornelia Rumpf

Abb. 10: Seenlandschaft mit Lichterkette: Foto Radke LMBV, Montage IBA