gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen
1945

Wiedereröffnung des Museums

Hagen

als Karl Ernst Osthaus Museum.

1945

Zerstörung Grillohaus

Essen

Am 11. März wird das Gebäude des Museum Folkwang, das Grillohaus, bei einem Luftangriff zerstört.

1946

Stiftung des Karl-Ernst-Osthaus-Preis in

Hagen

Die Stadt Hagen stiftete 1946 den Karl Ernst Osthaus-Preis in Erinnerung an den Museumsgründer und Begründer der Folkwang-Idee Karl Ernst Osthaus (1874-1921).Es war der erste Preis für zeitgenössische Kunst, der nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Der Preis wurde 1947 zum ersten Mal an den Maler Eberhard Viegener (1890-1967) vergeben.

Karl Ernst Osthaus Bildnachweis: Bernhard Pankok: Karl Ernst Osthaus, 1918, Osthaus Museum Hagen
1946

Gründung Westdeutscher Künstlerbund

Hagen

Der Westdeutsche Künstlerbund wird im Karl-Ernst Osthaus-Museum in Hagen federführend durch die dortige Direktorin Herta Hesse-Frielinghaus (1910-1989) und die Künstler Wilhelm Wessel (1904-1971) und Eberhard Viegener (1890-1967) gegründet. Es ist die erste freie Künstlervereinigung, die sich nach der Nazi-Herrschaft wieder gründet und die in einem zwei- bis dreijährigen Turnus Ausstellungen ihrer Mitglieder bis 1991 in Hagen und anschließend in wechselnden Orten Nordrhein-Westfalens organisiert. 1996 wechselte die Geschäftsstelle in das Kunstmuseum Bochum. Zweifellos bildet ein Schwerpunkt der Arbeit das Ruhrgebiet.

Hesse Firelinghaus Dr. 01 Herta Hesse-Frielinghaus (1910-1989), Bild: Stadtarchiv Hagen
1947

Gründung der Städtischen Galerie

Oberhausen

im Schloss Oberhausen.

1947

Gründung der Ruhrfestspiele

Recklinghausen

durch ein Abkommen mit dem Hamburger Theater: „Kunst für Kohle““: Das Hamburger Theater erhält aus Recklinghausen Kohle für die Heizung, das Theater bezahlt durch Theateraufführungen.

1948

Künstlergruppe „junger westen“

Recklinghausen

Gründung der Künstlergruppe "junger westen" mit den Künstlern: Gustav Deppe (1913-1999), Thomas Grochowiak (1914-2012), Emil Schumacher (1912-1999), Heinrich Siepmann (1904-2002), Hans Werdehausen (1910-1977), Ernst Hermanns (1914-2000) und dem Leiter des Vestischen Museums Franz Große-Perdekamp (1890-1952) als theoretischer Ratgeber und Mitorganisator.

Junger Western Foto der Gruppe junger westen, © Kunsthalle Recklinghausen
1949

Gründung des Museums am Ostwall

Dortmund

als eines der ersten deutschen Museen nach dem 2. Weltkrieg für die Kunst des 20. Jahrhunderts.Die damalige Museumsdirektorin Leonie Reygers (1905-1985) begann die Ausstellungstätigkeit mit Präsentationen zum Thema Expressionismus. Die durch die Aktionen der Nazis erfolgte Konfiszierung von mehr als einhundert Werke der Sammlung im Zuge der ‚Entarteten Kunst‘ hat das Museum stark getroffen. Ein Neuaufbau der Sammlung war deshalb notwendig und begann 1949.

Macke großer Zoologischer Garten (Triptychon) August Robert Ludwig Macke: Großer zoologischer Garten, 1913, Museum Ostwall im Dortmunder U, Foto: Jürgen Spiler, Dortmund.
1950

Gesetz zu Bauaufträgen

Marl

Am 21.5. beschließt der Bundestag ein Gesetz, dass bei Bauaufträgen des Bundes ein bestimmter Prozentsatz der Bausumme für Werke der Bildenden Kunst reserviert sein soll. Auch verschiedene Städte des Ruhrgebiets folgen dieser Weisung, so die Stadt Marl, die hierdurch eine Kunstsammlung aufbaut, die in den frühen 80er Jahre zur Institutionalisierung des Skulpturenmuseums Glaskasten Marl führt.

Der Heilede Der Geheilte Der Kranke Karl Hartung: Der Heilende – der Geheilte – der Kranke. Kunst am Bau der Paracelcus-Klinik der Stadt Marl, 1955/56, Bronze, 210 x 600 x 40 cm. © VG BILD-KUNST, Bonn, 2014.
1950

Neugründung des Städtischen Museums Gelsenkirchen

Gelsenkirchen

und Präsentation der Sammlung ab 1957 in einer Gründerzeit-Villa in Gelsenkirchen-Buer.

Kunstmuseum Gelsenkirchen © Kunstmuseum Gelsenkirchen
1950

Einweihung des Hochbunkers am Bahnhof

Recklinghausen

als Ausstellungshalle durch die erste Kunstausstellung der Ruhrfestspiele „Französische und deutsche Kunst der Gegenwart – Eine Begegnung“ durch Franz Große-Perdekamp (1890-1952). Seitdem wurden in Recklinghausen zu jeder der folgenden Ruhrfestspiele die Kunstausstellung obligatorisch und jeweils mit großer nationaler und internationaler Beachtung wahrgenommen. Besonders die bis Anfang der 1990er Jahre durchgeführten thematischen Ausstellungen – bis auf die ersten, organisiert und wissenschaftlich bearbeitet von dem damaligen Museumsdirektor Thomas Grochowiak (1914-2012) und seiner Stellvertreterin Dr. Anneliese Schröder (1924-2013) - besitzen bis heute großen kunsthistorischen Wert. Besonders die 1952 durchgeführte und noch von dem ersten Leiter des Museums Franz Große Perdekamp (1890-1952) durchgeführte Ausstellung „mensch und form unserer zeit“ ist zu erwähnen. Die formalen Übereinstimmungen von Entwürfen der Dinge des Alltags und der zeitgenössischen Kunst gab einen ganz neuen Einblick in ästhetische Abhängigkeiten und Verflechtungen. Die danach folgenden Ausstellungen sind monographische Präsentationen der Werke bedeutender Künstler der klassischen Moderne (so z.B. Henry Moore, Julio Gonzales, Marino Marini) und von weiteren wichtigen zeitgenössischen Künstlern.

1950

Gründung des Kunstverein Ruhr

Essen

In Essen wird der ‚Kunstverein Ruhr‘ durch den Professor der Folkwangschule Max Burchartz (1887-1961) und dem Maler Heinz Schildknecht (1913-1963) unter dem Namen ‚Tatkreis Kunst der Ruhr e.V.‘ gegründet. Von den frühen 1960er Jahren bis 2003 war er im Untergeschoss der Alten Synagoge in Essen untergebracht, von wo er dann in die Stadt ziehen musste. Seine qualifizierte Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil des Essener Kulturlebens.

Max burchartz
1951

Folkwang Tanztheater-Experimentalstudio

Essen

Das 1933 geschlossene „Folkwang Tanztheater-Experimentalstudio“ wird 1951 von seinem ehemaligen Leiter Kurt Jooss (1901-1979) unter dem Namen „Folkwang-Tanztheater“ mit neuen Aufführungen wiederbelebt. Ab 1968 folgen mit Pina Bausch (1940-2009), Reinhild Hoffmann (geb. 1943) und Susanne Linke (geb. 1944) drei der wichtigsten Tanzchoreografinnen Deutschlands in der Leitung und führen das Essener Tanztheater in der Tradition des Gründers äußerst erfolgreich weiter. Hier ist besonders die enge Verbindung von Tanztheater und der Bildenden Kunst hervorzuheben.

Folkwang Tanztheater-Experimentalstudio
1954

Mahnmal Bittermark

Dormund

Im Rombergpark wird das Mahnmal Bittermark, eine Gedenkstätte für die Opfer des Nazi-Regimes errichtet. Architekt: Will Schwarz (1907-1992), Dortmund, Mosaiken im Inneren: Léon Zack (1892-1980), Russland/Frankreich, umfangreiche Reliefs auf den Außenmauern: Karel Niestrath (1896-1971), Dortmund in einem expressiv-realistischen Stil.

Mahnmal Bittermark © Stadtarchiv Dortmund
1952

Neueröffnung Märkisches Museum

Witten

Neueröffnung des im Krieg zerstörten Märkischen Museums.

1952

Künstlerische Gestaltung des Ruhrlandes

Essen

Werner Graeff (1901-1978), Künstler und Professor für Fotografie an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen, fordert in einem Vortrag vor dem Ruhrländischen Künstlerbund in der Grugahalle die „künstlerische Gestaltung des Ruhrlandes“.

Werner Graeff Gouache zur farbigen gestalten des Ruhrlandes Werner Graeff, Farbige Gestaltung des Ruhrlandes, 1952, Gouache auf Karton, 31,5 x 47,5 cm Museum Wiesbaden, Schenkung Ursula Graeff-Hirsch 2009
1952

6. Ruhrfestspielausstellung zum Thema „Mensch und Form unserer Zeit“ in

Recklinghausen

Die Ausstellung stellte die Formensprache der zeitgenössischen Kunst den modernen Design-Entwürfen industriell hergestellter Gegenstände gegenüber. Neben den Künstlern des ‚Jungen Westens‘ waren mit Henry Moore, Hans Uhlmann und Max Beckmann international wichtige Künstler vertreten. Die Franfurter Zeitung schrieb: „…hier wird zusammengezeigt, was als Ausdruck der Epoche zusammengehört.(…)nämlich eine frappante Linien- und Körperverwandtschaft zwischen modernen technischen Apparaten und moderner Plastik.“ (8.7.1952) Die Ausstellung hatte einen nachhaltigen Einfluss auf Künstler und Theoretiker in Europa.

1953

Villa Hügel, Essen

Essen

Das ehemalige repräsentative Gebäude der Firma Krupp wird im Mai 1953 von den Krupp-Erben zu einem „kulturellen Mittelpunkt und Ausstrahlungsort für die Stadt Essen, ihre Umgebung sowie für das ganze Ruhrgebiet“ erklärt. In diesem Jahr wurde die erste große Ausstellung „Kunstwerke aus Kirchen-, Museums- und Privatbesitz – Der Essener Münsterschatz“ eröffnet, die mit über 400 000 Besuchern ein bedeutender Erfolg wurde. Ein Jahr später gründete sich der gemeinnützige Verein Villa Hügel e.V., der bis 1985 hochwertige Kunst- und Kulturausstellungen in der Villa Hügel ausrichtete. Nach der Gründung der Kulturstiftung Ruhr 1984 durch Berthold Beitz (1913-2013) wurde die Ausstellungstätigkeit unter dem geschäftsführenden Vorstand, dem ehemaligen Direktor des Essener Museums Folkwang Paul Vogt (geb. 1932) konsequent fortgesetzt.

 

Portrait: Berthold Beitz 

Berthold Beitz
1953

Zeitschrift „Metamorphose“

Witten

Im Januar wird die Erstausgabe der Zeitschrift „Metamorphose“ unter dem Pseudonym André Tamm von dem Künstler K.O. Goetz (1914 geb.) herausgegeben.

1954

Gründung Westdeutsche Kulturfilmtage

Oberhausen

Der damalige Leiter der städtischen Volkshochschule, Hilmar Hoffmann, gründet die „Westdeutschen Kulturfilmtage", die sich zum wegweisenden jährlichen Ereignis der Entwicklung des experimentellen Films herausarbeiten: „Die Westdeutschen Kulturfilmtage sollen ohne Rücksicht auf nationale Repräsentanz die Entwicklung, besonders die neuen Tendenzen des internationalen Kurzfilms zur Diskussion stellen.“ (zitiert nach ‚Zeitzeichen – Stationen Bildender Kunst in Nordrhein-Westfalen, Köln 1989, S. 465).

Westdeutsche Kurzfilme © Archiv der Kurzfilmtage
1954

Film-Casino

Essen

Eröffnung des vom Architekten Wilhelm Eggeling (1909-1957) neu erbauten ‚Film-Casino‘ in Essen. Das heute zerstörte Kino zeichnete sich besonders durch die künstlerische Gestaltung von dem an der Folkwangschule lehrenden Künstler Werner Graeff (1901-1978) aus, der die Vorräume und den Vorführsaal in einer durchdachten Gesamtkonzeption erfasste. Besonders hervorzuheben sind die beiden großen Licht-Wand-Gemälde an den Längswänden des Hauptraums, die zu den frühesten Lichtkunstwerken nach dem zweiten Weltkrieg zählen. Ihre frei gebogenen Neon-Röhren über Wandgemälden waren in ihrer Art innovativ.

Werner Graeff, Filmcasino © Ursula Graeff-Hirsch
1954

Gerhard Händler wird Leiter des Kunstmuseums (bis 1970) in

Duisburg

und baut es kontinuierlich und zielgerichtet in Abgrenzung zu den umliegenden Museen zu einem Museum für die Skulptur des 20. Jahrhunderts aus, das große internationale Beachtung erfährt.

1955

Bau des Musiktheaters in Gelsenkirchen

Gelsenkirchen

durch den Architekten Werner Ruhnau (geb. 1922). Werner Ruhnau errichtet das Gebäude in der Organisationsform einer Art moderner ‚Bauhütte‘, indem er Bildende Künstler als gleichberechtigte Gestalter mit einbezieht.

Diese sind: Robert Adams (1917-1984), Paul Dierkes (1907-1968), Yves Klein (1928-1962), Norbert Kricke (1922-1984), Jean Tinguely (1925-1991). Durch die nach außen transparente gläserne Vorderfront des Theaters strahlt das durch die Besucher belebte Foyer mit den intensiv-blauen Wänden von Yves Klein bei den Theaterabenden und an anderen festlichen Ereignissen weit in den öffentlichen Bereich der Stadt und verbindet das kulturelle Geschehen mit dem öffentlichen städtischen Leben. Auch hier werden also, wie von Karl Ernst Osthaus (1874-1921) und später dem Bauhaus gefordert, Kunst und Leben miteinander verbunden.

Musiktheater Gelsenkirchen Foto/ Copyright: Pedro Malinowski Musiktheater im Revier, Architekt Werner Ruhnau
1956

Ausstellung "Deutsche Kunstpreisträger seit 1945"

Recklinghausen

Im November wird in der Kunsthalle die Ausstellung „Deutsche Kunstpreisträger seit 1945“ eröffnet, die einen möglichst umfassenden Überblick über die Kunstentwicklung von 1945 bis 1955 in Deutschland zeigen soll und die eine große Resonanz erfährt. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 12.11. fasst Lambert Einhaus seine Beobachtungen in die Worte: „Sei es nun, daß sich die Kunst zur Industrie hingezogen fühle; sei es , daß kapitalstarke Hinterländer sich schon aus Gründen der Geldanlage für die Kunst der unmittelbaren Gegenwart eher zu öffnen entschließen, als rustikal in sich befriedete Landschaften: das Gefälle von Südost nach West und Nordwest hin bezeugt sich geradezu unwiderlegbar. Die moderne Kunst haust ‚drunten‘ zwischen Büros und Fabriken. Sie ist urban und siedelt nicht im Erholungsterrain der Idylle, sondern im Dickicht der Zentren oder im Umland der garstigen Realität.“

1956

Eröffnung des Ikonenen-Museums

Recklinghausen

Am 21. Juli 1956 wird in der Stadt der Ruhrfestspiele mit dem Ikonen-Museum die erste große Sammlung orthodoxer Kunst in Deutschland eröffnet. Nach der Ausstellung 1955 „Ikonen aus bedeutenden Privatsammlungen und Klöstern“, die mit Werken aus den Sammlungen von Heinrich Wendt (1901-1956) und Martin Winkler (1893-1982) zusammengestellt war, wurden die beiden bedeutenden Kollektionen durch die Initiative des damaligen Leiters der Kunsthalle Recklinghausen Thomas Grochowiak (1914-2012) mit finanzieller Hilfe des Landes NRW erworben. Zum Zeitpunkt der Eröffnung umfasste die Sammlung 223 Werke (Ikonen und religiöse Kleinkunst aus dem gesamten orthodoxen und frühchristlichen östlichen Gebieten), die sich bis heute auf über 3500 Exponate erweitert hat. Mit der Gründung des Fördervereins EIKON e.V. 1958 wurde dem Museum eine entscheidend fördernde Institution zur Seite gestellt. Der erste Leiter von 1956 bis 1982, Heinz Skrobucha (1916-1986), konnte das Museum entscheidend weiterentwickeln und dessen wissenschaftlichen Ruf begründen.

Eröffnung des Ikonenen-Museums
1957

Museum Ostwall wird Museum mit eigenem und bedeutendem Bestand

Dortmund

Durch den Erwerb der großen Sammlung Gröppel von Werken des deutschen Expressionismus erhält das Museum am Ostwall nach 10 Jahren des Wiederaufbaus die Möglichkeit, von einem reinen Ausstellungshaus wieder zu einem Museum mit eigenem und bedeutendem Bestand zu wachsen.

1958

Bildband "Im Ruhrgebiet"

Ruhrgebiet

Herausgabe des Bildbandes „Im Ruhrgebiet“ (Köln 1958) mit Fotografien von Chargesheimer (1924-1971/72) und einem längerem Text des Schriftstellers und Nobelpreisträger Heinrich Böll (1917-1985), das zu einer intensiven Diskussion mit Bürgern und Bürgermeistern des Ruhrgebiets führte und die ästhetische Situation der damaligen Industrielandschaft realistisch und human betrachtet.

1959 gab der Siedlungsverband Ruhrkohle als Korrektur der von ihm als einseitig und Ruf schädigend angesehenen Böll / Chargesheimer Publikation ein eigenes Foto-Buch unter dem Titel „Ruhrgebiet. Porträt ohne Pathos" heraus.

Heute steht im Gästebuch der Ausstellung über die Chargesheimer-Photographien (Ausstellung: Chargesheimer. Die Entdeckung des Ruhrgebiets. 26.5.2014 bis 18.1.2015 Ruhr Museum, Zollverein Essen): „Welch ein grandioser Beobachter, Photograph und Menschenfreund“ (22.6.14)

Blick aus dem Fenster Schutthalde Chargesheimer: Blick aus dem Fenster, Schutthalde, (Im Ruhrgebiet, Abb. Nr. 63 und 64.) In: Henrich Theodor Grütter/Stefanie Grebe [Hrsg.]: Chargesheimer. Entdeckung des Ruhrgebiets. Katalog zur Ausstellung im Ruhr Museum vom 26. Mai 2014 – 18. Januar 201
1959

Berufung von Otto Steinert (1915-1978)

Essen

als Professor für Fotografie an die Folkwangschule für Gestaltung und als Kurator für den Aufbau der „fotografischen Sammlung im Museum Folkwang“ mit jährlichen Wechselausstellungen zur Geschichte der Fotografie.

1959

Zweite Galerie van der Loo in Essen

Essen

Die Galerie van der Loo eröffnet eine zweite Galerie in Essen mit einer Ausstellung von Arbeiten der informellen Maler K.R.H. Sonderborg, Emil Schumacher und Hans Platschek. Zur gleichen Zeit eröffnet ebenfalls in Essen der Sekretär der documenta III Rudolf Zwirner eine Galerie, die später nach Köln übersiedeln wird und zu einer der wichtigsten deutschen Galerien heranwächst.

1960

Gründung der Städtischen Kunst Galerie,

Bochum

die durch ihren Leiter Peter Leo schnell zu einer großen Sammlung ausgebaut werden konnte, und deshalb 1970 zum ‚Museum Bochum‘ umbenannt wurde.

1960

Neubau Museum Folkwang

Essen

An der Ecke Kahrstraße / Bismarckstraße in Essen-Rüttenscheid wird der Neubau des ‚Museum Folkwang‘ eröffnet, der von den drei Architekten Horst Loy (1914-1979), dem Baudirektor der Stadt Essen Werner Kreutzberger und dessen Mitarbeiter Erich Hösterey entworfen und gebaut (1956 bis 1960) wurde. Es wurde, etwas übertrieben, als „das schönste Museum der Welt“ bezeichnet, war aber sicher in dieser Zeit eines der bedeutendsten Museumsbauten in Deutschland. Dieser Bau steht heute unter Denkmalschutz.

1961

Ausstellung von Kunst im Ruhrgebiet in Flandern

Außerhalb vom Ruhrgebiet

“Arts de la Ruhr – peinture et sculpture dans le cadre des Vèmes de Flandre, Festival du Nord“, Ausstellung von Kunst im Ruhrgebiet in Flandern als Nachweis des neuen Selbstbewusstseins. Gezeigt wurden die Künstler des ‚jungen westens‘, wenige andere Künstler sowie naive Künstler der Ruhr-Region.

ArtsDeLaRuhr Ausst.-Kat. Arts de la Ruhr – peinture et sculpture. Dans le cadre des Vèmes . Nuits de Flandre. Festival du Nord. 27.5. – 25.6.1961, Hospice Comtesse, Lille
1963

"Gesammelt im Ruhrgebiet"

Recklinghausen

Das Thema der 17. Ruhrfestspielausstellung war „Gesammelt im Ruhrgebiet“. Es war der Versuch aufzuzeigen, dass das Ruhrgebiet seit langem auch einen erstaunlichen Reichtum an hervorragenden Beispielen der Bildenden Kunst vorzuweisen hat. Thomas Grochowiak, der damalige Organisator der Ausstellung, schrieb in seinem Katalogbeitrag: „Die Ausstellung…soll eine Dokumentation der öffentlichen und privaten Kunstsammeltätigkeit seit Beginn der Industrialisierung sein. Unser Plan, das imaginäre Museum Ruhrgebiet‘ – eine Wunschvorstellung nach der an einem Ort die wesentlichsten Kunstwerke aus den bedeutendsten Museen und Privatsammlungen des Ruhrgebiets vereint werden – für zwei Monate in Recklinghausen zu realisieren, wurde…Wirklichkeit.“ Kunstwerke aus 23 Museen und aus 34 bedeutenden Privatsammlungen konnten in einer beeindruckenden Präsentation gezeigt werden, wenn auch durch das Hinzuziehen Düsseldorfs als Ruhrgebietsstadt entscheidende qualitative Höhepunkte von dort kamen.

1964

Erste Künstlerzeche des Ruhrgebiets

Herne

Der Künstler Helmut Bettenhausen erhält sein Atelier auf der Zeche Unser Fritz 2/3, da Teile von ihr vermietet werden. Es folgen weitere Künstler, die Zeche wird geschlossen und es entsteht seit 1972 eine Gemeinschaft von Bildenden Künstlern, die die ehemalige Kohlenzeche zur ersten Künstlerzeche des Ruhrgebiets wandeln. Künstlerische Arbeit, Ausstellungen und Feste sind seitdem die Produkte der Zeche.

Zeche Unser Fritz 6. Dezember 1974 „Wir begraben den alten Pütt“. Beleuchtung der Schachtgerüste 2 und 3. In: Von der Kohle zur Kunst: Die Chronik der Zeche Unser Fritz 2/3 in Herne, Herne 2002, S. 32.
1964

Eva Hesse in den Scheidt‘schen Hallen

Essen-Kettwig

Die US-amerikanische Künstlerin Eva Hesse (1936–1970) und ihr Mann, der Bildhauer Tom Doyle (geb. 1928), treten ein einjähriges Stipendium in der Scheidt‘schen Tuchfabrik in Essen-Kettwig an. Die Einladung zu dem Aufenthalt erfolgte durch den Inhaber der Tuchfabrik, Friedrich Arnhard Scheidt (1916-1999). Eva Hesse wurde 1936 als Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts in Hamburg geboren. 1939 emigrierte die Familie in die USA. Der Aufenthalt in den Scheidt’schen Hallen war für Eva Hesse in vielerlei Hinsicht bedeutend: Hier begann ihre künstlerische Neuorientierung mit den Aufsehen erregenden Plastiken aus Kunststoffen, Geweben und Fäden, die ihr zur Weltgeltung verhalfen. Sie stellte die ersten Werke dieser neuen Entwicklung 1965 in der Einzel- Ausstellung „Eva Hesse. Materialbilder und Zeichnungen“ in der Kunsthalle Düsseldorf vor. Heute gilt die an einem Gehirntumor früh verstorbene Künstlerin als die wichtigste Vertreterin einer Materialkunst, die ganz neue Wege einschlug.

Eva Hesse
1964

Museumsneubau Lehmbruck Museum

Duisburg

Einweihung des vom Architekten Manfred Lehmbruck (1913-1992) entworfenen Museumsneubaus des Lehmbruck Museums. Im Mittelpunkt steht dabei die von dem Sohn Lehmbrucks auch eingerichtete große Halle mit dem Werk des wichtigsten deutschen Bildhauers Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) des frühen 20. Jahrhunderts.

Lehmbrucktrakt © Lehmbruck Museum, Foto: Bernd Kirtz
1965

Plan eines ZERO-Museums

Gelsenkirchen

für das Ruhrgebiet in Gelsenkirchen durch die drei Künstler der ZERO-Guppe Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker, die damals sehr auf das Ruhrgebiet konzentriert waren. Es sollte ein mit Kohle beschichteter Beton-Kubus werden, der in einem quadratischen Wasserbecken stehen sollte.

Skizze Zero Museum © ZERO foundation / Fotograf: Horst Kolberg / VG BILD-KUNST, Bonn 2014
1967

Campusmuseum. Sammlung Moderne

Bochum

Gründung der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum „Campusmuseum. Sammlung Moderne“ durch die Schenkung der Sammlung europäischer und US-amerikanischer Kunst nach 1945 des Kunstkritikers Albert Schulze Vellinghausen (1905-1967) an das dortige Kunsthistorische Institut.

Er knüpfte an die Schenkung die Bedingung, dass ein Museum zu begründen sei.

Campusmuseum Campusmuseum. Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum. © VG BILD-KUNST, Bonn, 2014 Fotograf: Werner J. Hannappel
1968

Gründung der Galerie m

Bochum

durch Alexander von Berswordt-Wallrabe, die international so bedeutende Künstler wie Richard Serra (geb. 1939), François Morellet (geb. 1926), Maria Nordmann (geb. 1943) u.v.a. vertreten hat.

1968

Besuch von Robert Smithson und Bernd & Hilla Becher

Oberhausen

auf einem Schlackenberg, um dort Material für künstlerische Arbeiten zu finden.

1968

Veröffentlichung „Rettet das Revier“

Ruhrgebiet

Der in Düsseldorf geborene und im Ruhrgebiet aufgewachsene Künstler Ferdinand Kriwet (geb. 1942) veröffentlicht am 22. Januar 1968 ein ‚Manifest zur Umstrukturierung des Ruhrreviers zum Kunstwerk‘ unter dem Titel „Rettet das Revier“. Er knüpft damit an die Gedanken zur ‚Farbigen Gestaltung des Ruhrlandes‘ von Werner Graeff zu Beginn der 50er Jahre an und gibt der ein Jahr später einsetzenden Arbeit der Künstlergruppe ‚B 1‘ Rückenwind. In seinem Manifest weist er als erster Künstler auf den bevorstehenden Strukturwandel hin, weil „die Kohle unrentabel geworden ist“ und deshalb die „schöpferische Phantasie“ der Künstler gebraucht wird.

1968

Gründung Kunstverein Gelsenkirchen e.V.

Gelsenkirchen

In der damals sehr lebendigen Kunststadt Gelsenkirchen (s.: Dokumentation – Kunst der 60er Jahre in Gelsenkirchen, Gelsenkirchen 1988) wurde 1968 der Kunstverein Gelsenkirchen e.V. gegründet, als logische Folge des "Phänomen Kunst in den 60er Jahren in Gelsenkirchen", wie es der Kulturdezernent der Stadt, H. Peter Rose in einem Grußwort zur erwähnten Dokumentation ausgedrückt hat. Das damals formulierte Ziel der neuen Vereinigung war, „sich für die Förderung und das Verständnis von Kunst einzusetzen“ (Satzung). Im Mittelpunkt der Aktivitäten des Kunstvereins standen von Beginn an die aktuelle, junge Kunst und die Kunst im öffentlichen Raum.

1969

Künstlergruppe Gruppe B1

Ruhrgebiet

Zusammenschluss von 10 Künstlern des Ruhrgebiets zur Gruppe ‚B1‘, benannt nach der Straße B1, die als Querspange das gesamte Ruhrgebiet durchschneidet.

Ziel der Gruppe schon etablierter Künstler war, das durch die Industrialisierung und die Verkehrsdichte zerstörte Ruhrgebiet durch künstlerische Gestaltungen zu einer human ästhetisierten Landschaft zu gestalten.

Die Künstler waren: Helmut Bettenhausen, Bernd Damke, Günter Dohr, Rolf Glasmeier, Kuno Gonschior, Friedrich Gräsel, Ewerdt Hilgemann, Franz Rudolf Knubel, Ferdinand Spindel und Günter Tollmann.

Eine Initiative der Künstler die, wie viele andere, im Theoretischen stecken geblieben ist. Es wurde nichts realisiert.

Übersichtsplan Projekt B1 Friedrich Gräsel und Günter Dohr: B 1 Übersichtsplan, 1970, aus: Ausst.-Kat. Industrial Land Art, 2009, S. 89 ob. © VG BILD-KUNST, Bonn 2014
1970

Deutsches Plakat Museum e.V.

Essen

Gründung des Vereins Deutsches Plakat Museum e.V. am 9. September zur Förderung der Plakatkunst.

1970

Gründung Galerie sohle 1

Bergkamen

Gründung der ersten kommunalen Galerie in der Bundesrepublik Deutschland mit dem Namen „sohle 1“, die eine Mittlerstellung zwischen kommerzieller Galerie und öffentlichem Museum einnimmt und eine „nicht interessengelenkte Serviceaufgabe“ wahrnimmt.

Das Ausstellungsprogramm nimmt besondere Berücksichtigung auf die soziale und kulturelle Situation der Region.

Besonders überregional beachtet wurde der „bergkamener bilder basar“ (jährlich von 1971 bis 1985), bei dem sich die ganze Stadt – von Kneipen und Geschäften bis zu Schulen und Arbeitsstätten – mit anspruchsvoller zeitgenössischer Kunst hervortat.

Beratender Bilder Basar aus: Kunst bewegt eine Stadt, Hrsg. Kulturdezernat, 1983.
1970

Ausstellung "Stadt und Skulptur"

Marl

Zwei Aufsehen erregende Ausstellungen „Stadt und Skulptur“ im Außenbereich des neu gebauten Rathauses mit 20 deutschen und 15 holländischen (1970) und 20 deutschen und 10 schweizerischen (1972) Künstlern.

Als künstlerische Leiter fungierten die Direktoren des Bochumer Museums Peter Leo (1970) und Peter Spielmann (1972). Der angestrebte zweijährige Rhythmus konnte aus finanziellen Gründen nicht durchgeführt werden.

Diese beiden Präsentationen gelten als Vorläufer der späteren, seit 1977 alle zehn Jahre durchgeführten großen Skulpturenprojekte in Münster.

Austellungsgelände Stadt und Skulptur Ausstellungsgelände 1970. In: Industrial Land Art, 2009, S. 118.
1971

Gründung der Gruppe Free International University/ Fluxus Zone West

Gelsenkirchen

Johannes Stüttgen (geb. 1945), der von 1966 bis 1971 bei Joseph Beuys (1921-1986) an der Kunstakademie in Düsseldorf studierte und ein wichtiger Mitarbeiter von Beuys war, wird von 1971 bis 1980 als Kunstlehrer Nachfolger von Franz Joseph van der Grinten (geb. 1933) am Grillo-Gymnasium in Gelsenkirchen. Er gründet hier zusammen mit Joseph Beuys die ‚Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung‘ und leitet von Gelsenkirchen aus eine Arbeitsgruppe der ‘Free International University / Fluxus Zone West‘, deren Geschäftsführer er seit 1980 wird. In dieser Zeit ist Gelsenkirchen ein wichtiger Ort für die Entwicklung dieser von Joseph Beuys gegründeten künstlerisch-politischen Institutionen.

1972

Ausstellung „Szene Rhein-Ruhr ‘72“

Essen

Ausgehend vom Museum Folkwang wurde eine Ausstellung mit dem Titel „Szene Rhein-Ruhr ‘72“ durchgeführt.

Eine umfassende Präsentation der Kunstszene an Rhein und Ruhr unter der künstlerischen Leitung von Dieter Honisch im Gruga-Park mit allen damals relevanten Gattungen von der Skulptur und Malerei bis zur Performance, Film, Musik.

Zum ersten Mal wurde man sich auch der Breite der künstlerischen Arbeit im Ruhrgebiet bewusst.

Katalogumschlag Szene rein-Rhur 72 Katalogumschlag: Honisch, Dieter: Szene Rhein-Ruhr '72. 9.7.-3.9.1972. Ausst.-Kat. Museum Folkwang Essen.
1972

Freistaat Wanne-Eickel

Herne

Gründung des „Freistaat Wanne-Eickel“ mit der Künstlerzeche „Unser Fritz 2/3“.

1974

Deutsches Plakat Museum

Essen

Der Verein Deutsches Plakat Museum e.V. und die Stadt Essen schließen einen Vertrag, in dem der Bestand von ca. 25 000 Plakaten auf die Stadt übertragen wird: die Geburtsstunde des Deutschen Plakat Museums in Essen. Der Verein nennt sich um in Pro Plakat e.V. Gemeinnütziger Verein zur Förderung des Deutschen Plakatmuseums.

1975

Eröffnung der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität

Bochum

als Sammlung und Gegenüberstellung von Werken der Klassischen Antike und der Kunst nach dem zweiten Weltkrieg.

Die Sammlung setzt sich aus den Stiftungen wichtiger Privatsammlungen zusammen, wobei die des Kunstkritikers Albert Schulze Vellinghausen (1905-1967) den wichtigen Grundstock der zeitgenössischen Kunst legte.

Zusammen mit der später hinzugefügten ‚Situation Kunst‘ in Bochum-Weitmar bildet die Sammlung der Ruhr-Universität heute ein einmaliges Museum in Universitätsbesitz, das für Lehrende wie Lernende und für Besucher gleichermaßen Forschungs- und Erlebnismöglichkeiten bietet.

1976

1976 Deutsches Bergbau-Museum in Bochum

Bochum

benennt das ‚Geschichtliche Museum  des Bergbaus‘ um in ‚Deutsches Bergbau-Museum Bochum‘ (DBM). Es wird offiziell von den Bundesbehörden als Forschungsmuseum anerkannt und in die Förderung durch Bund und Länder aufgenommen. Es ist heute (2012: knapp 370 000 Besucher) eines der meistbesuchten Museen in Deutschland.

Museum Deutscheberbaumuseum Bochum 640x640
1976

Gründung des Josef Albers Museum Quadart

Bottrop

durch die Schenkung wesentlicher Werke durch den Nachlass des einstigen Bauhausmeisters Josef Albers (1888-1976), der in Bottrop geboren und in Orange/Connecticut USA 1976 gestorben war. Schon 1970 zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Josef Albers war eine erste Schenkung erfolgt.

1976

Ausstellung und Gründung der Gruppe Multi

Bochum

Im Museum Bochum stellte vom 13.3. bis zum 25.4.1976 die neu gegründete Künstlergruppe ‚MULTI‘ aus, die aus den drei Künstlern Klaus Geldmacher(geb. 1940. Er lebt heute in Mülheim a.d. Ruhr), Rolf Glasmeier (1945-2003) und Edmund Kieselbach (1937-2006) bestand. Die Lichtkunst von Klaus Geldmacher, die vom Rezipienten bespielbaren Objekte von Rolf Glasmeier und die akustischen Objekte von Edmund Kieselbach waren damals drei neue künstlerische Ausdrucksweisen, die die klassischen Kunstgattungen in die Welt des Alltags erweiterten. Der Name der Gruppe „MULTI – Kunst zum Ansehen, Anhören und Anfassen“ gibt das gemeinsame Anliegen der Künstlergruppe gut wieder. Damit zeigte die Gruppe ihre Sensibilität für die neue Atmosphäre zeitimmanenter Lebensumstände der 1970er Jahre. Leider löste sich die Gruppe schon bald nach der Ausstellung wieder auf.

Rolf Glasmeier
1977

Gründung des "Kunsthaus Essen"

Essen

KünstlerInnen gründen 1977 das Künstlerhaus Essen, ein Atelier- und Gästehaus, das gleichzeitig aber auch Kunstverein, Projektwerkstatt und Veranstaltungsort ist. Es hat mittlerweile 14 Ateliers, die Künstlern der unterschiedlichsten Gattungen großzügige Arbeitsmöglichkeiten bieten. Gleichzeitig engagieren sich die Bewohner ehrenamtlich in der Organisation und in verschiedenen Projektgruppen. Ein eigenes Tonstudio erweitert die Möglichkeiten der Künstler auch in gattungsübergreifende Gebiete hinein.

Kunsthaus Essen2 Foto Stephan von Knoblauch Foto: Kunsthaus Essen e.V
1978

Gründung der Städtischen Galerie

Herne

im Schlosspark Strünkede als drittes Haus des Emschertal-Museums für den Kunstbesitz des Museums. Schwergewicht bildet hierbei die Kunst des Ruhrgebiets und moderne Grafik. Herne hat in diesem Haus den Sammlungsschwerpunkt auf Zeichnungen und Arbeiten auf Papier gelegt, was durchaus ein Alleinstellungsmerkmal bedeutet.

1978

Aufbau Skulpturmuseum Glaskasten

Marl

Beginn des Aufbaus des Skulpturenmuseums Glaskasten als Museum für moderne Skulpturen im Außenbereich der Stadt.

1979

Erweiterung des Museums Quadrat

Bottrop

Weitere Schenkung von ca. 300 Werken von Josef Albers durch die Frau des Künstlers, der Künstlerin Anni Albers. Beschluss der Stadt zur baulichen Erweiterung des Museums.

1979

Diskussion Großskulpturen Richard Serra

Bochum

Zwei international geführte Diskussionen über die Aufstellung  zweier Großskulpturen des amerikanischen Künstlers Richard Serra. Das 1977 auf der documenta 7 gezeigte Werk „Terminal“ wurde nach äußerst intensiven Diskussionen in der Stadt und weit darüber hinaus aufgestellt, wohingegen der für Marl von einer Jury aus Politikern und Fachleuten ausgewählte Entwurf Serras nach ebenso intensiv geführten Auseinandersetzungen durch die Kommunalpolitik abgelehnt wurde. Durch diese Diskussionen wurde die öffentliche Sensibilität für Kunst im Außenbereich entscheidend gefördert.

Terminal Protestplakat Terminal mit Protestplakat. In: Industrial Land Art, S. 129 rts
1979

Bochumer Bildhauersymposion

Bochum

mit internationaler Beteiligung. Das Ergebnis war eine äußerst positive Resonanz auf die realisierten Ergebnisse, die sicher auch auf dem Hintergrund der Serra-Debatte in Bochum zu begreifen ist.

1980

Zeichnen, die am Wege stehen - Das Ruhrgebiet wandelt sich zur Kunstlandschaft

Bochum Essen Gelsenkirchen

Mit der Video-Dokumentation „Zeichen, die am Wege stehen – Das Ruhrgebiet wandelt sich zur Kunstlandschaft“  entsteht die erste Zusammenfassung künstlerischer Interventionen im Industrieraum. Die ‚Arbeitsgemeinschaft Kultur und Video‘ machte mit diesem Werk zum ersten Mal auf die originären und Identität stiftenden Aufgaben der Kunst im Ruhrgebiet aufmerksam.

1982

Institutionalisierung

Marl

des Skulpturenmuseums Glaskasten.

1982

Verein für aktuelle Kunst/Ruhrgebiet e.V.

Oberhausen

Gründung des „Verein für aktuelle Kunst/Ruhrgebiet e.V.“, der seitdem mit Ausstellungen besonders der monochromen Farb-Malerei überregional wirkt:

„Der Verein für aktuelle Kunst/Ruhrgebiet e.V. konzentriert sich auf die Präsentation konkreter, ‚neo-konkreter‘ Positionen aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, und Objektkunst – ergänzt um eine Lichtinstallation in den Wintermonaten“ und „Weit über die Grenzen hinaus ist bekannt, dass die Farbmalerei den (nicht ausschließlichen) Schwerpunkt des Ausstellungsprogramms darstellt“. (zitiert nach: Austragungsort: II – 1998 – 2012, Oberhausen – Zentrum Altenberg 2013, S. 12/13).

1983

Künstlersymposion auf der Zeche Carl

Essen

20 Künstler, meist aus dem Ruhrgebiet, trafen sich im Sommer des Jahres auf der Brache der stillgelegten Zeche, um dort in enger Auseinandersetzung mit der vorgefundenen Situation Kunstwerke zu planen und zu realisieren.

Das Ergebnis war eine äußerst dichte und qualitativ hervorragende Ausstellung, die den Strukturwandel des Ruhrgebiets vom Kohle bestimmten Industriegebiet zu unbekannten neuen Ufern kennzeichnete.

Es war das erste Mal, dass eine breite Künstlerschaft sich mit der Ängste und Hoffnungen beinhaltenden Situation auseinandersetzte.

Heinz Wiek Kreuzung am Malakow Heinz Wieck: Kreuzweg am Malakow, 1983, Zeche Carl. In: Industrial Land Art 2009, S. 146
1983

„Ludwig-Institut für Kunst der DDR“

Oberhausen

wird als Teil in die Städtische Galerie Oberhausen integriert. Hier soll die Entwicklung der bildenden Kunst in der DDR kontinuierlich gezeigt werden. Nach dem Mauerfall 1989 entfiel die Notwendigkeit.

Mattheuer Jahrhundertschritt Wolfgang Mattheuer: Jahrhundertschritt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014, Foto: Ludwiggalerie Schloss Oberhausen.
1983

Erweiterungsbau Kunstmuseum Bochum

Bochum

Fertigstellung des Erweiterungsbaus vom Kunstmuseum Bochum durch die dänischen Architekten Bo und Wohlert.

1984

Erweiterungsbau Städtisches Museum

Gelsenkirchen

Erweiterungsbau des Städtischen Museums Gelsenkirchen und Präsentation des Besitzes der Bildenden Kunst mit der Spezialsammlung ‚Kinetischer Kunst‘.

Museum Gelsenkirchen kinet. Kunst © Kunstmuseum Gelsenkirchen
1984

Erster Video-Kunst-Preis

Marl

Durchführung des ersten Marler Video-Kunst-Preises als erster Video-Kunst-Preis Deutschlands.

MarlerVideoKunstPreis Umschlag des Kataloges 1. Marler Video-Kunst-Preis
1984

Erste "Biennale an der Ruhr"

Oberhausen

Durchführung der ersten „Biennale an der Ruhr“ durch die Städtische Galerie Schloss Oberhausen mit Hilfe des Kommunalverbandes Ruhr, des Sekretariats für gemeinsame Kulturarbeit Wuppertal und des BBK (Berufsverband Bildender Künstler).

Sie sollte einen Überblick über die Kunst im Ruhrgebiet geben, besonders auch über Ruhrgebiet relevante Produktionen. „Kann in diesem Klima (dem des Ruhrgebiets) Kunst gedeihen?“ fragt der damalige Direktor des Oberhausener Museums Bernhard Mensch im Katalog der Biennale von 1986 und antwortet sich selbst: „Sie kann! Und dies obwohl deutlich ist, dass in diesem riesigen städtischen Ballungsraum (…) Strukturen fehlen, die die Kommunikation erleichtern könnten, gemeinsames Handeln fördern, Identifikationen durch ein kulturell geprägtes Milieu begünstigen müssten.“

Die Biennale fand vier Mal von 1984 bis 1990 statt, wobei in der vierten Ausstellung 1990 schon eine übergreifende Konzeption mit den gezeigten fünf Künstlern (nur einer aus dem Ruhrgebiet) zu Grunde gelegt wurde.

Biennale an der Ruhe 84 Biennale an der Ruhr: Einband des 1. Kataloges 1984
1984

Gründung des Dortmunder Kunstvereins

Dortmund

Durch die Bestrebung, der jungen zeitgenössischen Kunst in Dortmund eine Plattform zu geben, gründeten 1984 kunstinteressierte Bürger den Kunstverein Dortmund. Der gemeinnützige Verein hat heute ca. 200 Mitglieder. Der Verein versteht sich als „Experimentierfeld für neue künstlerische Konzepte“ und bietet neben Wechselausstellungen auch Vorträge und Kunstreisen an.

1985

„Grenzüberschreitung – Ein Künstlerprojekt für das Ruhrgebiet“

Ruhrgebiet

Nach dem Symposion auf Zeche Carl organisierten fast die gleichen Künstler: besonders zu erwähnen sind hier Helmut Bettenhausen (geb. 1935), Heinrich Böll (geb. 1940), Rolf Glasmeier (1945-2003), Diethelm Koch (1943-2008), Hans Krabel (geb. 1940) und Thomas Rother (geb. 1937), der neu hinzutrat. Das vom Kommunalverband Ruhr unterstützte Projekt war ganz zukunftsorientiert. Durch die Überschreitung kommunaler Grenzen und die der Gebietskörperschaften sollten Zeichen des gemeinsamen Aufbruchs und der Zukunftsgestaltung gesetzt werden. Das Ruhrgebiet sollte als einheitliches „Kulturland“ wahrgenommen werden. „Grenzen bewusst machen und überbrücken – ein entscheidendes Wegstück für die Zukunft des Ruhrgebiets“, schrieb damals der Verbandsdirektor Jürgen Gramke. Von den 49 Projekten, die in der ersten Ausstellung Ende 1985 im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl gezeigt wurden, ist trotz anderer offizieller Versprechungen keines realisiert worden.

Lichtgrenze Bottrop Günter Dohr: Lichtgrenze Bottrop (Projekt für den kanalisierten Verlauf der Boye) 1985. In: Industrial Land Art, S. 149
1986

Eröffnung des Ausstellungsbetriebes in den Flottmann-Hallen,

Herne

einer ehemaligen Werkhalle zur Herstellung von Bohrhämmern für den Bergbau.

1986

Die Künstlergruppe "Streichquartett"

Oberhausen

(Rainer Bergmann, Ernst Baumeister, Robert Bosshard) beginnt mit anderen Künstlern Oberhausens ein ehemaliges Industriegebiet, das als Brache am Ufer des Rhein-Herne-Kanals der Öffentlichkeit zur Verfügung stand, mit aus der wild wuchernden Natur heraus konzipierten Kunstwerken „instand zu besetzen“. Dies wird mit der Zustimmung von Verwaltungsinstanzen gemacht.

Künstlergruppe Streichquartett Aus Biennale an der Ruhr 1986, S. 23
1986

Stilllegung Zollverein Schacht XII

Essen

Zollverein Schacht XII wird stillgelegt und gleichzeitig unter Denkmalschutz gestellt. Anfang 1987 bezogen dann Thomas Rother mit seinem ‚Kunstschacht‘ und Young-Jae Lee mit der Keramischen Werkstatt Margaretenhöhe ihre Quartiere und brachten die ersten größeren künstlerischen Akzente auf Zollverein ein.

1986

REVIER-KULTUR

Essen

Anfang dieses Jahres wird im Essener Klartext-Verlag mit der Zeitschrift ‚REVIER-KULTUR – Zeitschrift für Gesellschaft, Kunst, Politik im Ballungsraum‘ eine regional orientierte Kulturzeitschrift herausgegeben. In der Pressemitteilung zum Erscheinen heißt es: „REVIER-KULTUR ist Plattform für den intelligenten – und auch polemischen – Meinungsstreit um die kulturellen Leistungen und gesellschaftlichen Bedingungen in einer zentralen Region Deutschlands, in der sich grundsätzliche Probleme der industriellen Gesellschaft in Krise und Übergang stellen." Die bis 1988 erschienene Zeitschrift, herausgegeben von Eckart Pankoke, Karl Rohe, Erhard Schütz, Hermann Sturm und Jochen Vogt, stellte in dieser Zeit durchaus historisch wie zukunftsorientiert die kulturellen Übergangsproblematiken des ‚siechenden‘ Ruhrgebiets zur Diskussion.

REVIER-KULTUR
1986

Flottmann-Halle

Herne

Die 1908 von den Dortmunder Architekten Georg Schmidtmann und Julius Klemp entworfenen Gebäude der Flottmann-Werke – vom Jugendstil beeinflusste Reformarchitektur – waren 1983 stillgelegt worden. Sie wurden 1986 restauriert und im Oktober als ein repräsentatives Kultur- und Veranstaltungszentrum eröffnet. Neben den Veranstaltungen sind es vor allem die Ausstellungen und die Skulpturen im Außenbereich, die den Ort bekannt gemacht haben. Neben dem schmiedeeisernen Jugendstil-Tor (s.o. ‚1899‘) stehen heute große Außenskulpturen verschiedener zeitgenössischer Bildhauer und in der Ausstellungshalle finden wichtige Präsentationen zur zeitgenössischen Kunst statt.

Flottmann Hallen
1987

Kunstraum Zeche Teuteburgia

Herne

Christoph Schläger, Klangmaschinen-Künstler, erklärt mit der Aktion „Betreten Verboten“ die alte Maschinenhalle der stillgelegten (1983) Zeche Teuteburgia zum Kunstraum. Das Areal der Zeche wurde in den folgenden Jahren zum bis heute bestehenden Kunstort.

1988

Erweiterungsbau Märkisches Museum

Witten

Einweihung des Erweiterungsbaus des Märkischen Museums.

1988

Das Vestische Museum,

Recklinghausen

ein stadt- und regionalgeschichtliches Museum, das 1927 als reines Heimatmuseum gegründet wurde, erhält Räume in einem ehemaligen Krankenkassengebäude. Es beherbergt eine hervorragende Sammlung von naiver Kunst im Ruhrgebiet. Besonders hervorzuheben sind hier die Betonskulpturen des Bergmanns Erich Bödeker (1904-1971).

1988

Schenkung der „Situation Kunst (für Max Imdahl)“

Bochum

als Außenstelle an die Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum aus langjähriger Freundschaft zu dem verstorbenen Direktor des Kunsthistorischen Instituts Prof. Max Imdahl (1925-1988) durch den Galeristen Alexander von Berswordt-Wallrabe (geb. 1944).

Mit repräsentativen Werken und Werkkomplexen von Richard Serra, Norbert Kricke, François Morellet, Maria Norman, Arnulf Rainer u.a. bildet der Ort mit seinen Steinpavillons, den Freiflächen, der alten Schlossruine und dem im Jahr 2010 hinzugefügten Neubau als Ausstellungsgebäude ein erstaunliches Refugium für die Ausbildung der kunsthistorischen StudentInnen der Universität Bochum.

Situation Kunst Situation Kunst (für Max Imdahl), Kunstsammlungen der RUB, Foto: Werner J. Hannappel
1988

Ausstellung „Der verzeichnete Prometheus – Kunst, Design, Technik, Zeichen verändern die Wirklichkeit“

Essen, Museum Folkwang

Die von Hermann Sturm verantwortete Ausstellung war eine Koproduktion der Universität Essen, Kunst/Design im Fachbereich 4, dem Folkwang Museum Essen und dem Museum für Gestaltung Basel. Sie blickte zurück auf die Ausstellung „Kunst und Technik“, die 60 Jahre zuvor, 1928, ebenfalls im Museum Folkwang auf Anregung des Vereins Deutscher Ingenieure stattgefunden hatte. Durch die neue Ausstellung wurden die „gravierenden Veränderungen“ aufgezeigt, „die inzwischen eingetreten sind und wie sich damit auch die Zusammenhänge von Kunst, Design und Technik verändert haben“, wie Hermann Sturm formulierte. Gleichzeitig sollte deutlich werden, wie sich der Einfluss der Industrie auf Kunst, Design und Gesellschaft entwickelt hat und welche inhaltlichen Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden „Welten“ – Kunstwerken und Alltagsobjekten – an den Gegenständen abzulesen sind: Für das Ruhrgebiet wesentliche Fragestellung.

 

1989

Internationale Bauausstellung (IBA)

Ruhrgebiet

Durchführung der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park unter der Geschäftsführung von Karl Ganser (geb. 1937). Die weitreichenden und übergreifenden Ergebnisse dieser 10jährigen „Werkstatt für die Zukunft von Industrieregionen“ liegen zusammengefasst vor in dem „Katalog der Projekte 1999“ der Internationalen Bauausstellung Emscher-Park, (Gelsenkirchen) 1999. Die Kunst wurde mehr und mehr in das Gesamtprojekt,das in der Hauptsache stadtplanerisch, ökonomisch und ökologisch ausgerichtet war, eingebunden, weil sie durch ihr „querdenkerisches“ Handeln und Aufzeigen den strukturellen Wandel der Ruhr-Region sinnlich erfahrbar machen und durch optisch überraschende und außergewöhnliche Zeichen verdeutlichen kann. Besonders wurde eine „Landmarken-Kunst“ über das gesamte Ruhrgebiet verteilt, die nun, neben den individuellen künstlerischen Eigenmerkmalen, besondere Identifikations- und Orientierungsorte bildet.

1989

Bauhütte Zeche Zollverein Schacht XII

Essen

Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) und die Stadt Essen gründen am 22. September die Bauhütte Zeche Zollverein Schacht XII GmbH, die Sanierung und Neunutzung der Anlagen plant und durchführt.