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1840

Tiefbau-Zeche

Ruhrgebiet

„Als 1840 die Anlage einer Tiefbau-Zeche (Graf Beust von Matthias Stinnes in Essen) gelingt, vergibt der Staat in kurzer Zeit zwischen 1840 und 1850 die Schürfrechte des gesamten unterirdischen Kohlen-Feldes der Region an Unternehmer. So rasch wurde in der Geschichte – abgesehen von Eroberungen – noch niemals Land verteilt.“ (Zitat: Roland Günter, Im Tal der Könige. Ein Reisebuch zu Emscher, Rhein und Ruhr, Essen 1994, S. 87) Der revolutionäre industrielle Wandel einer ganzen Naturlandschaft verschob die ästhetischen Verhältnisse der Region ins Inhumane. Für die in Massen einwandernden Menschen begann die Suche nach neuen Bindungen, sozialen Strukturen und kultureller Identifikation.

Zeche Beust Abb. aus: Roland Günter, Im Tal der Könige: Ein Reisebuch zu Emscher, Rhein und Ruhr. Essen 1994. S. 87.
1840

Johann Wolfgang von Goethes Faust

Dortmund

im Kühnschen Saal an der Wißstraße (später Reinoldushofsaal) wird Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) ‚Faust. Der Tragödie zweiter Teil‘ aufgeführt, der erst wenige Jahre zuvor, 1832, veröffentlicht worden war. Das Publikum ist verärgert. „Was der Mensch, der Direktor, uns wohl für einen Geschmack und für eine Bildung zutraut!“ Die offizielle Kritik aber ist positiv.

1853

Gründung der Galerie Utermann

Dortmund

am 12. Mai durch Christian Wilhelm Utermann (1821-1894) in der durch den Industrieboom sich wandelnden und explosionsartig wachsenden westfälischen Stadt.

1860

Grundstein für das Deutsche Bergbau-Museum

Bochum

Von der Westfälischen Berggerwerkschaftskasse (WBK) wird für den Unterricht der Bergwerkschulendes Ruhrgebiets in Bochum eine Schausammlung von ‚Bergbaulichen Untensilien‘ in den 1860er-Jahren eingerichtet. Aus dieser permanenten Ausstellung entwickelt sich über das ‚Geschichtliche Museum des Bergbaus‘ (1.IV.1930) das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (1976).

1868

Erwerb der Dortmunder Hütte

Dortmund

Der Berliner „Eisenbahnkönig“ Bethel Henry Strousberg (1823-1884) erwirbt die Dortmunder Hütte. Er gilt als der Besitzer der wichtigsten Gemäldesammlung Berlins, eine Tatsache, die auch im bürgerlichen Dortmund zur Kenntnis genommen wird. Das ‚Speise- und Beratungszimmer‘ seines Hauses in Dortmund ist mit Originalgemälden ausgestattet. Ein neuer repräsentativer Gestus in der Stadt.

Bethel Henry Strousberg © Historisches Museum Hannover
1869

1869 Statistik

Dortmund

Nach einer Statistik gibt es in der Stadt: „acht Bildhauer und Kupferstecher, 15 Buchbinder mit elf Gehilfen, vier Buchdruckereien, zwei lithografische Anstalten, fünf Buch-, Musikalien- und Kunsthandlungen.“

1869

Errichtung der Villa Hügel

Essen

durch Alfred Krupp („Einfamilienhaus mit Garten“) als neo-fürstliches Wohn- und Repräsentationsgebäude, umgeben von einem üppigen und großflächigen Park. Der Bauherr ist selbst der Entwerfer der architektonischen Grundkonzeption des Gebäudes.

Villa Hügel © Historisches Archiv Krupp, Essen
1871

Das Stadtheater in Dortmund

Dortmund

wird mit dem “Freischütz“ von Carl Maria von Weber feierlich eröffnet. Die Finanzierung wurde durch eine Vereinigung von Theaterfreunden privat übernommen.

1875

Sammlung Heinrich Thyssen-Bornemisza

Mülheim an der Ruhr

Am 26. Juni wird Heinrich Thyssen-Bornemisza geboren (gest. 1947), der jüngste Sohn von August Thyssen (1842-1926), der später einer der wichtigsten Kunstsammler der Welt sein wird. Seine Sammlung umfasst europäische Malerei vom 14. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Die Sammlung war nie im Ruhrgebiet zu sehen, obwohl der Kunstliebhaber mit seiner „August Thyssensche Unternehmungen des In- und Auslandes GmbH“ hier tätig war. Heute sind die Sammlung und deren Erweiterungen im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid/Spanien untergebracht.

1875

Die Theatergeschichte Gelsenkirchens beginnt

Gelsenkirchen

Der Gastwirt Heinrich Schulte-Uechting lädt in seine Gaststätte „Flora“ Theatergruppen zu Gastspielen ein und begründet so die Theatergeschichte der Stadt Gelsenkirchen, die heute mit dem Musiktheater im Revier eine bedeutende Rolle spielt. 1935 beschloss der Rat der Stadt die Schaffung eines Theaters für Schauspiel, Operette und Oper.

1878

Gründung der Galerie Heimeshoff

Essen

durch Alex Heimeshoff als Handelsgeschäft für Kunstgewerbe und sakrale Kunst.

1883

Einrichtung einer Sammelstelle

Dortmund

für historische und künstlerische Gegenstände als Vorstufe des Städtischen Kunst- und Gewerbemuseums. Gleichzeitig werden die gesammelten Gegenstände der Öffentlichkeit gezeigt.

1886

Gründung des „Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark zu Witten“

Witten

mit Beginn der Kunstsammlung

1886

Gründung des Hammer Museumsvereins

Hamm

und Anschaffung altägyptischer Werke.

1887

Tonhalle

Duisburg

Bau der Tonhalle. Sie wird am 13. November mit einer dreitägigen Konzertreihe eingeweiht. Sie ist gleichzeitig auch für Theateraufführungen geeignet.

1890

Gründung des Vereins für Orts- und Heimatkunde

Recklinghausen

und dessen Dachverband ‚Heimatgebiet Vest‘. Gleichzeitig wird die Sammlung von Altertümern eingerichtet. Aus diesen Gründungen geht später das Vestische Museum in Recklinghausen hervor. Ebenfalls Heimatmuseen werden in diesem Jahr in Dorsten, Hamm und Schwelm gegründet.

1891

Robert Schmohl (1855-1944) wird Leiter des Baubüros bei Krupp Essen

Essen

und der Gartenstadt-Siedlungsbau wird eingeführt. Die Durchdringung von Wohnarchitektur mit Gartenstrukturen soll eine Steigerung des humanen Wohnwertes für die Menschen, besonders auch für die Arbeiter, bringen.

1892

Grillo-Theater

Essen

Gründung des Grillo-Theaters.

1898

Gründung des Museums für Naturwissenschaft

Hagen

durch Karl Ernst Osthaus (1874-1921), der 1896 ein Millionenerbe seines Großvaters angetreten hatte und dieses für die ästhetische, naturwissenschaftliche und humane Bildung der Menschen in und um Hagen benutzen wollte. Da sein Denken ein der Zeit entsprechend ganzheitliches ist, beziehen sich seine Gedanken nicht nur auf eine Sammlung von Gegenständen, sondern auch auf städtebauliche und architektonische Projekte, die so weit reichen, dass er sich auch für die einheitliche Regionalplanung der Region einsetzt und damit die Gründung des Siedlungsverbandes Ruhrkohlebezirk (1920) mit bewirkt.

Karl Ernst Osthaus Bildnachweis: Bernhard Pankok: Karl Ernst Osthaus, 1918, Osthaus Museum Hagen
1899

Gründung des städtischen Symphonie-Orchesters in Essen

Essen

mit der Unterstützung von Friedrich Alfred Krupp (1854-1902), der einen jährlichen Betrag von 20 000 Mark Zuschuss gibt und dafür die Bedingung stellt, dass das Orchester in den Sommermonaten jede Woche einmal in einer Arbeitersiedlung spielen soll.

1899

Jugendstiltor

Herne

Ein von dem Bildhauer Karl Weinhold (1867-1925) 1899 entworfenes und für die Ausstellung auf der Pariser Weltausstellung 1900 (wahrscheinlich) in Herne bei der Metallgießerei H. Flottmann hergestelltes, prunkvolles schmiedeeisernes Jugendstil-Tor wird nach der Pariser Präsentation durch den Inhaber der Gießerei Heinrich Flottmann für das Werksgelände gekauft. Das Tor wurde 1967 von der Firma der Stadt Herne gestiftet und steht seit 2010 unter einer überdachten Schutzkonstruktion wieder auf dem ehemaligen Werksgelände, das heute als Kulturzentrum bekannt ist. Das beeindruckende Werk ist mit Beweis dafür, dass die prosperierende industrielle Entwicklung um 1900 im Ruhrgebiet zu einer selbstbewussten und kulturell orientierten Unternehmerschaft führte.

Jugendstiltor
1900

Sozialentwicklung

Ruhrgebiet

Die Befriedung der schwelenden sozialen Fragen, der neue Wohlstand und ein gesteigertes ästhetisches Bewusstsein der oberen sozialen Schichten (Unternehmer und Bildungsbürgertum) drücken sich auch im Städtebau, in der Architektur und in der Kultur aus. Die verschiedenen Richtungen in ihrer soziologisch-ästhetischen Haltung findet man in so unterschiedlichen Unternehmerpersönlichkeiten wie Friedrich Alfred Krupp (1854-1902) und Karl Ernst Osthaus (1874-1921) wieder. Krupp sieht sein Engagement für Kultur und ästhetisch orientierte Sozialentwicklungen darin begründet, dass das Wohlergehen seiner Angestellten und Arbeiter dem Betriebsklima und damit der Firma selbst zu Gute kommt, wohingegen Osthaus mit dem „Der Hagener Impuls“ nicht auf Firmenvorteile aus ist, Kunst und Kultur als Bildungsfaktor sieht, mit dem er Leben und Kunst vereinen und damit das Leben der Menschen verbessern kann. Ist mithin Krupps Haltung eine sozialpolitisch-ökonomisch begründete, so die von Osthaus eine idealistisch-menschliche, wenn auch industriebezogene. Der Jugendstil war nicht von ungefähr mit seinen freien, geschwungenen Formen die Kunstrichtung der Zeit, die für eine neue moderne und in die Zukunft orientierte Gesellschaft stand.

Zeche Zollern Foto: Stephan Sagurna, © LWL-Medienzentrum für Westfalen