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5. Februar 2015 - von Claudia Posca

Vorgestellt: Ein besonderer Katalog

Ruhrgebiet

Auch das muss mal sein, keine Ausstellung zur Besprechung, sondern ein Buch. Hilft vielleicht beim Sortieren der eigenen Bibliothek.

Denn die platzt aus allen Nähten. Was Seiten hat, stapelt sich vom Boden bis zur Decke. Inzwischen liebe ich die Leere, suche Lücken. Wohin nur mit den Schätzen? Vor allem mit diesem: „Arche Noah - Über Tier und Mensch in der Kunst“ - kein wertvolles Künstlerbuch, aber ein schönes Buch zur Kunst rund ums Tier. Erschienen ist das handliche Werk (1,5 cm unter DIN4 groß) im letzten Jahr anlässlich einer gleichnamigen, sehenswerten Ausstellung, die das Dortmunder Museum Ostwall im U noch bis zum 12. April dieses Jahres präsentiert. Was andere Ausstellungskataloge gern hätten, „Arche Noah“ hat es: Spannung! 141 Seiten lang, weil Wissenschaft und Vergnügen im Doppelpack drin stecken. Unkonventionell das Programm: „Ratte spezial“ und „Bergmannskuh reloaded“ neben „Tieren als Co-Produzenten im künstlerischen Prozess“. Zwischen launiger Anekdote und kunsthistorischer Analyse wechselt der Lese-Spaß. Rezepte im Kunstkatalog? „Arche Noah“ hat sie! „Gulasch - Wie von Oma und Opa“, in diesem Fall ist die „Hausmannskost veganisiert“. Gleich dahinter in der „Arche spezial“: „Aufgereihte Leckereien“. Allerdings nicht für Menschen. Der Kunstkatalog denkt ans Mitgeschöpf: „Vogelspieß für den Winter“. Ich find` das sympathisch.

Aber natürlich gibt`s auch jede Menge nüchterne Infos und eine kleine Prise Empirie:  „Zoopolis“ etwa stellt weitläufigen Gedanken zur Tierhaltung im Zoo nach. Unter „Land & Leute“ listet der Katalog Tierstudien als künstlerische Wiedergabe tierischer Physiognomien auf, „Naturidyllen“ pointiert die Sehnsucht der Künstler nach Natureinklang und das Kapitel „Natur Beherrschen“ beleuchtet Tierdressur und -tötung als Ritual. Nicht, dass das leichte Kost wäre! Drei Sequenzen Todeszucken einer Stubenfliege, aufgenommen 1995 als B-Movie von Douglas Gordon neben „A little Death“ (2002) von Sam Taylor Wood, darin ein in der Tradition der (Jagd-) Stillebenmalerei des 17. Jahrhunderts aufgehängter Hase mit Pfirsich vor laufender Kamera ganz allmählich verwest, illustrieren im Katalog, was die Ausstellung (auch) präsentiert. Zwischen Schlachtvieh und Versuchskanichen und den Familienmitgliedern Hund, Katze, Pferd, Hamster, Ratte, Maus spannt sich der Bogen. Und sensibilisiert! Fürs eigene Tun mit dem Tier, für die Not von Mastkalb, Legehenne und Schinkenschwein. Die Kunst und ihr Katalog halten den Spiegel vor! "Verwandle Dich!“ Ausschneiden ist angesagt. Die „Arche Noah“-Publikation denkt bunt und auch ans junge Publikum: Mit Meerschweinchen-Maske Marke Eigenbau auf der Nase zum Tier werden, da ändert sich die Perspektive.

Die Kids-Cartoonseite steuert Weiteres bei: „Kühe grasen innerhalb einer Herde immer in die gleiche Richtung. Dabei orientieren sie sich am Magnetfeld der Erde - und das ganz ohne Kompass.“ Hätten Sie`s gewusst?  Oder dass 2014 eine aktuelle Reportagen-Sammlung von Christina Hucklenbroich auf den Markt kam? „Das Tier und wir“ nimmt unter die Lupe,  warum und wieso die Deutschen immer weniger Ziervögel halten, es einen massiven Run auf  Straßenhunde gibt, eine „Tiertafel“ notwendig ist, Schulkinder mit Hund im Unterricht besser lernen. Mit Mut zur Auswahl von (nur) sieben Literaturtipps beamt der „Arche Noah“-Katalog Interessierte auf neuesten Forschungsstand. Punktsieg! Gilt übrigens auch für das frische Illustrations-Design. Mal schlichtes Foto-Doku-Material, mal freigestellte Abbildungen, mal ganzseitig, mal à la „Petersburger Hängung“. Das bringt Tempo, ohne Augen zu überfordern! Ich genieße es! Weshalb klar ist (selbst wenn zwei Anzeigenschaltungen mitten im Katalog stolpern lassen): das „Arche Noah“-Buch bleibt! Allen Katalog-Tsunamis zum Trotz. Seit Jahren empfiehlt der Sohn dagegen: Digitalisierung. Das gefällt ihm, mir aber nicht. Jetzt steht ein besonderes Katalogbuch mehr im Regal, Rubrik:  Kunst und Viecher. Was ich dafür weggeschmissen hab`, verrat ich nicht!

Der Katalog kostet 12,- Euro. Er ist bei „Rasch Druckerei und Verlag“, Bramsche erschienen und an der Museumskasse des Ostwall Museum im Dortmunder U erhältlich.

ISBN 978-3-925998-56-0

Vorgestellt: Ein besonderer Katalog