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6. März 2018 - von Claudia Posca

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Duisburg

Schon mal gedatet? Ich hab`s getan. Mit allem Zipp und Zapp. Was 10-Minuten-Partner-Wechsel auf Gongschlag sind. Inklusive Neugier-Guck, Sensi-Fragen und Los-Verfahren. Popcorn gab`s auch. „Süß oder salzig?“ Ich war für süß. Damit die Atmosphäre locker schmeckt.

Benvenuto! Zur „plastikBAR: „Meet and Talk – Art Dating bei Rebecca Horn“ im Duisburger Wilhelm Lehmbruck Museum.

Ja, hätten Sie denn wirklich gedacht, auf hiesigem Blog erzähle ich was vom echten Speed-Daten? Erst Kunst, dann Küssen?

Wobei: Why not? So viel anders ist das junge Format ungewöhnlicher Kunstvermittlung gar nicht. Und überhaupt: Warum sollten Märchenprinz und Traumprinzessin ein klasse Reviermuseum links liegen lassen, wenn doch genau dort Rebecca Horns Traum-Ausstellung lockt? Na also - ein bisschen Bollywood steckt drin in jeder Wirklichkeit.

„Jetzt sag` bloß nicht, Du hattest tatsächlich Ambitionen?“

Doch, klar. Versuch macht klug. Schließlich köderte eine Einladung folgenden Wortlauts:

„Wer Kommunikation nicht scheut und gern Kunst betrachtet, der ist bei der nächsten plastikBar des Lehmbruck Museums genau richtig. Unter dem Motto „Meet and Talk – Art Dating bei Rebecca Horn“ unterhaltet ihr euch mit einem zufällig ausgelosten Partner über die Arbeiten Rebecca Horns. Nach zehn Minuten werden Kunstwerk und Partner gewechselt und es beginnt ein neues Gespräch. So ergeben sich interessante Konstellationen, die gewiss für genügend Gesprächsstoff sorgen und neue Sichtweisen für euch aufzeigen. Die Unterhaltung könnt ihr bei einem anschließenden Gespräch mit einem Glas Rotwein an unserer plastikBAR selbstverständlich vertiefen.“

Dating for Art? Flirten unterm „Schildkrötenseufzerbaum“?

Kein Scherz. Die markante Großskulptur heißt wirklich so. Und ist ein Sound-Gewächs, vielarmig, mit Riesen-Trichterohren. Internationale Wortfetzen kriechen heraus. Vorausgesetzt, das Ohr liegt an. Da hat es der Speed-Date-Gong nicht leicht. Nur zögerlich marschieren mein Partner und ich nach diversen Lauschangriffen zurück zur PlastikBAR.

Außerdem wollte ich wissen, ob`s beim Art Dating Duisburger Art um ein ähnlich „schnelles Kennenlernen mit Kunstbezug“ geht, wie das im Oldenburger Horst-Janssen-Museum 2012 angeboten wurde. Oder wie es das Label „Date with Art“ in Wiens ehrwürdiger Albertina verspricht, zuletzt im Juli 2017 im Rahmen der Maria Lassnig-Ausstellung: „die gemeinsame Leidenschaft zur Kunst nutzen, um sich in entspannter Atmosphäre auch persönlich näher zu kommen.“ Frei nach dem Motto: Singles zur Kunst zum Flirt.

„Und das auf dem Kunstparkett. Irre. Wer denkt sich sowas aus? Hatte bislang nur vom Job-Speed-Dating gehört, dass aus Großbritannien stammen soll, bei dem es aber bestimmt nicht ums Flirten zwischen Arbeitgeber und -nehmer geht.“

Nee, das wohl kaum. Aber ein bisschen geklaut fürs Upgrade musealer Kunstvermittlung hat man schon: Für public and relationship by love in the air and art. Was sympathisch verbindlicher erscheint, als massig Tinder-Wischs auf der Mobile App des Smartphones. Art Dating à la Lehmbruck ist zwischenmenschlich gestrickt, ist kommunikations- statt konsumorientiert, findet statt auf gemeinsamem Interessengebiet. Mit allen Huchs und Hachs.

Allerdings: Bild dabei, Flirten frei?

Das kann danebengehen. Selbst wenn Skulptur und Bild beiden Seiten gefallen, Interessencommunity hin oder her. Die Chemie muss stimmen.

„Futsch also Traummann, Traumfrau?“

Genauso nee. Natürlich kann`s funken. Möglich ist alles zwischen den Speed-Dating-Gongs. Zumal die grandiose „Amore Continental“ oder „Hauchkörper“ in Variation Diskussionsstoff en masse provozieren. Es kommt halt drauf an. Du weißt schon: Risiken und Nebenwirkung.

Eins aber ist mal sicher: Art Talking ist Contact-Pakt pur. Mit oder ohne Wein. Kunst macht guckig. Anderes folgt. Die Einladung, am Tresen der PlastikBAR dem Smalltalk mit Tiefgang zu frönen, kommt an. Zwanglos. Locker. Querbeet.

Ausdrücklich haben Claudia Thümler und Sybille Kastner, die Leiterinnen des insgesamt 13 Frauen-starken Kunstvermittlungsteams, mit dem Art Dating-Projekt weder Frontalunterricht noch Führung noch klassische Bildungspädagogik im Sinn. Das Duisburger Angebot spricht Singles, Paare, Publikum an. Zwei junge Migranten machen mit, „um Deutschsprechen zu trainieren.“

Am Ende quatschen alle über das, was keiner kapiert, was aber viel mit einem macht. Open End mit Knister. Weil Kunst Eis bricht. 

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