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12. Februar 2019 - von Claudia Posca

Theo, wir fahren zur Kunst

Mülheim an der Ruhr

So denkt man doch: Ehre, wem Ehre gebührt Und dass das eine Selbstverständlichkeit ist. Aber von wegen. Oft ist die Wirklichkeit diese: Es kommt darauf an.

Bei Theo allerdings liegt der Fall klar. Da hat das mit dem Lob geklappt. Rundum. Sowas von. Oder sind Sie anderer Meinung, wenn Fakt ist, dass vor zwei Wochen an nur einem einzigen Abend an die 600 Gäste nach Mülheim a. d. Ruhr kamen, um bei Theo und der Ausstellung „AnDer Luft“ vorbei zu schauen? Eben. Mehr Kompliment geht nicht. Da sprechen Zahlen Tacheles. Teilweise sogar hatte sich der Besucherstrom draußen gestaut, während Theo drinnen zusammen mit der achtköpfigen Künstlerschaft staunte. Ich übrigens mit. Obwohl, - eine leise Ahnung hatte ich, bevor ich zur Vernissage an diesem 19. Januar aufbrach.

Ach ja, wer denn Theo ist, wollen Sie wissen? 

Auflösung folgt: Theo wohnt in einem riesigen Hangar auf einem Revier-Flugplatz, der 1925 an der Grenze zwischen Essen und Mülheim an der Ruhr entstand, gut 140 Hektar groß ist, Arbeitgeber von rund 200 Arbeitnehmern ist, über eine 1.553 Meter befestigte Start- und Landebahn verfügt, überregional der Berufspilotenausbildung dient und bis 2024, solange bis der Pachtvertrag mit dem hier ansässigen Luftfahrtunternehmen WDL ausläuft, auch weiterhin, trotz Schließungsdiskussion, Fluglandeplatz, und mit der Luftschiffwerft ein echtes Alleinstellungsmerkmal, des Ruhrgebiets ist. 

Dorthin also, zu Theo im Hangar, Kunst zu bringen, lautete die schillernde Idee der seit 1995 bestehenden Mülheimer Künstlergruppe „AnDer“, bekannt für ungewöhnliche Aktionen an außergewöhnlichen Orten. 2017 noch war sie in Mülheims Partnerstadt Kfar Saba in Israel im „Arthouse“ zu Gast.

Jetzt hat „AnDer“ erneut Alltagsroutinen gebrochen und vor eigener Haustür Tore geöffnet zu einem sonst nicht öffentlichen Raum. Dessen Adresse? Lilienthalstraße. Noch bis zum 2. März, immer freitags von 17 bis 20 Uhr, samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 14 Uhr ist Showtime. Notieren! Hingehen! Sowas wird`s absehbar nicht wieder geben. Und Hand drauf: Sie werden Gast in einer markanten Kunstschau rund um einen Zeppelin mit 6700 Kubikmeter Helium im Bauch gewesen sein, der kein Zeppelin ist, weil er ein Blimp und also ein Prallluftschiff ist, das als Gigant der Lüfte ´mit ohne` festes inneres Gerüst daher kommt. Nicht nur im Revier hat das imposante Gefährt mit der kleinen Gondel und dem riesigen Werbebanner auf dem Rumpf eine große Fan-Gemeinde. Sogar das Hochzeiten an Bord ist möglich. Die audio-visuelle Projektion vom „Traum vom Fliegen“ allerdings auf praller Aero-Haut ist eine Premiere: Theo goes Art, - das gibt eine staunenswerte Bühne. 

Rund 3000 Passagiere jährlich fahren (nicht fliegen!) mit Theo vom Typ WDL-1B in einer Höhe zwischen 300 und 400 Metern übers Revier. Aber ´Theo, wir fahren zur Kunst`? Hat`s never ever before gegeben. Da wünscht man dem dicken Vogel, dass ihm, ob so viel Applaus`, nicht die Puste ausgeht.

Luftschiffhalle Mülheim an der Ruhr Die sich vor des Menschen Traum vom Fliegen, vor Theo und Phönix verneigen, haben künstlerisch-visionäre Satelliten-Stationen auf 4140 Quadratmetern installiert, - so gigantisch groß ist Theos Heimstatt. Ihre Namen? Heißen Jochen Leyendecker, Natalija Usakova, Heiner Schmitz, Uwe Dieter Bleil, Ursula Vehar, Helmut Koch, Vanessa Hötger und Joachim Poths. Gemeinsam stehen die Acht für „AnDer mal anders“, wie`s ihre Website notiert (www.anderart.de). Dafür haben sie mit oder gegen Theo viele Blicke in himmlisch-höllische Höhen früher, gestern und heute zu einem facettenreichen Parcours inszeniert. Darunter ein „Vogelflug“ mit Zeichnungen und Malereien im Dialog mit Aufzeichnungen von Leonardo da Vinci, ein „Papierflieger“ aus Aluminium mit kriegerischer Toninstallation, ein Mobile zum „Militärischen Gleichgewicht“, eine Portrait-Reihe zu den „Pionierinnen der Luft“, ein „Flug der Libelle“ mit 24 analog-interaktiven Riesenflügeln und weiteres mehr. Am besten selbst gucken, Dimensionen erleben. 

Schon jetzt ist „AnDer Luft“ eine Gala, zeigt, wie Aeronautic-Art geht. Längst ist die Eintausender-Publikumsmarke geknackt. „Das Interesse an dieser Kunstaktion in dieser Luftschiffhalle hat inzwischen weite Kreise gezogen, so dass man von einer mehr als überregionalen Bedeutung sprechen kann“ applaudiert die Online-Zeitung „LokalKlick“ am 31. Januar (www.lokalklick.eu/2019/01/31/ausstellung-anderluft-in-der-luftschiffhalle). Davon allerdings, dass der traditionelle Luftschiffer-Gruß „Glück ab“ heißt, was dem Wunsch entspricht, gut zu landen, steht nichts geschrieben. Wollte ich aber nicht versäumen Ihnen mitzuteilen, wo doch jeder im Revier das bergmännische „Glück auf“ kennt. Jetzt wissen wir gemeinsam beides: Glückauf, Glückab, - die Kunst- und Kulturgeschichte des Ruhrgebiets schreibt sich fort. Luftschiff Theo und die Ausstellung AnDer Luft in der Luftschiffhalle Mülheim an der Ruhr

Dabei ist klar, dass es wohl kaum einen Menschen gibt, „welcher sich nicht hin und wieder über das Fliegen seine Gedanken macht“ wie es der Luftfahrtpionier Otto Lilienthal (1848-1896) vermerkt haben soll. Sie und ich zählen ganz eindeutig dazu. Und natürlich „AnDer“. Denn ihre Arbeiten, die sie „eigens für die Luftschiffhalle der WDL entwickelt haben, beruhen auf durchaus ambivalenten Empfindungen, Gedanken und Erfahrungen, die sich für den je Einzelnen mit dem Fliegen verbindet. Da steht Mythologisches neben Biographischem, Historisches neben Naturwissenschaftlichem, Privates neben Sozialgeschichtlichem - Hoffnung und Furcht, Traum und Entsetzen“ spannte es die langjährige Museumsdirektorin des Kunstmuseum Mülheim (1982-1994), Prof. Dr. Karin Stempel am Eröffnungsabend auf. Und sagte dann noch etwas, das hallt nach: „Flug und Fluch, wie nah liegt das, - Höhenflug und Hybris stehen Pate bei der Lufttaufe der Menschheit.“ 

Beflügelndes Denken.

 


 

Mehr zur Ausstellung AnDer Luft ergahren Sie auch in unserem Veranstaltungskalender auf Kunstgebiet.Ruhr!

Theo, wir fahren zur Kunst