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2. November 2017 - von Claudia Posca

Stimmt, stimmt nicht

Es ist wie im richtigen Leben. No future, no fun ohne Sparten-Hopping. Also gilt: Ready, steady, go for Open-Up-Your-Mind. Was Sie und mich vom Ausstellungsraum auf die Straße treibt. Wo Graffiti und Street Art ein Thema sind. Derzeit wird drüber rauf und runter diskutiert.

Augen-Sex oder Attacke? Gruselig? Authentisch? Regional? International? Urban Art liegt im Trend, ist Trendy-Kunst. „Cool“.

Die einen sagen so, die anderen so.

Fest steht: Die Street-Art-Urban-Art-Kunstszene formiert sich. Digital und als Festival. TRANSURBAN ist unter uns. In Dortmund, Essen, Düsseldorf, Köln, Hagen, Bochum. Im nächsten Jahr soll`s weitergehen. Das Projekt fördert regionale Nachwuchskünstler, kreiert Mix-Ups mit Rap-Events, Symposien, Workshops, Interaktion und Bürgerbeteiligung.

Um was zu tun?

Man stellt Fragen: Wem gehört die Stadt, der Raum, die Welt? Wer balanciert Gemeinwohl und Kapitalinteressen von traditionell-bürgerlichen und experimentellen Lebenskonzepten aus? Oder ist das Ganze doch bloß Life-Style?

„Urban Art nutzt und stärkt die Stadt als Raum sozialer Interaktion, bietet Gesprächsanlässe und zeigt Konflikte durch widerstreitende Nutzungsansprüche auf. In sechs Städten richtet TRANSURBAN den Blick auf Kunstformen, die zeitgenössisches Stadterleben maßgeblich prägen und kulturelles Leben mitgestalten“ heißt es im Info-Flyer.

High culture? Low culture? Oder one culture? Im Fokus stehen Graffities, Street Art, Murals.

„Wie bitte?! Was?!“

Auweia. Tante Tilde zetert, was das Zeug hält. Selbst auf Wolke Sieben. „Schmiererei auf der Hauswand? Kunst? Ich glaub` mein Schwein pfeift. Alles Schöngedudel! Von wegen Kunst!“

Ja, Tantchen, Zeiten ändern sich. Urban Art ist in. Du wirst es nicht fassen, aber es gibt Hausbesitzer, die Graffiti-Künstler einladen, die Hausfassade zu gestalten. Der zeitgemäße Matisse ist ein Mural-Painting. Inzwischen verkauft sich Straßenkunst nicht schlecht. Der Name Banksy etwa steht für Qualität auf dem internationalen Kunstparkett. Made by an artist of Great Britain, den niemand allerdings so wirklich zu fassen kriegt. Ein bisschen Sub-Kultur muss sein.

Tatsache ist: TRANSURBAN mit seinen sechs Kooperativen „44309 Street///Art Gallery Dortmund“, „UFAM - Urban Fine Art Meeting Essen“, „40grad Urban Art Festival Düsseldorf“, „City Leaks Urban Art Köln“, „Uran Heroes Hagen“ und „Wright - Urban Art Festival Bochum“ treibt und diskutiert den Hype um Cities als Malgrund voran. „Reclaim your city“ ist attraktiv.

Und TRANSURBAN ist noch mehr. Als Plattform zur Vernetzung und digitalen Archivierung der Urban Art-Aktivisten funktioniert das 2015 angeschobene, vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW geförderte Projekt.

Dessen Markenzeichen - quadratisch, praktisch, gut - ist ein mobiler Archiv-Container. Von Stadt zu Stadt, von Festival zu Festival wandert er mit. Cool Club Culture. Jeder kann, darf, soll sich hier Info-fitten. Wer Glück hat, trifft auf ´echte` Street Art-Künstler.

Die Box arbeitet wie ein Museum, ist aber keins. Gesammelt, geforscht, bewahrt wird trotzdem. Eine Datenbank für stencils (Schablonen-Sprühs), tags (Schriftzüge), Murals (Wandbilder) ist im Aufbau. Urban Art kriegt Lobby.

Heißt: Subkulturell war gestern. Das Six-City-Pack hat all over the region Mural-Paintings auf der Wand und Place-Makings auf dem Boden aufgespürt, hatneue installiert. Legal, ohne Gemeinschädlichkeit nach § 304 StGB. Aber mit viel Englisch in der Rede. Sorry. Die junge Kunstbewegung ist multi- und transnational.

Sie verstehen nur Bahnhof? Perfekt. Dann empfiehlt sich der Gang zur Bochumer Sold out Gallery, Nähe Schauspielhaus. Derzeit ist das Shopping-Studio ein Terminal fürs sogenannte „Trainbombing en Miniatur“. Statt echter Zugwaggons finden sich kleine Eisenbahn-Halbmodelle von Größen der Graffity-Writing-Community gestylt - Loomit, Reso und Dare (1968 -2010) darunter, letzterer ein gefeierter Writer aus der Schweiz, der eigentlich Siegfried von Koeding heißt. Der hat mal gesagt:

 

„Handschrift ist für mich Ausdruck von Persönlichkeit. Buchstaben dienen deshalb nicht nur als Kommunikation eines Inhaltes, sondern spiegeln die Seele eines jeden Schreibers. Und das ist es was ich tue, ich „schreibe“. Mein künstlerischer Ursprung liegt im „Writing“, in unserer Gesellschaft unter dem Begriff „Graffiti“ bekannt. Seit über 20 Jahren setze ich mich intensiv und aktiv mit der Schrift auseinander, habe diese in ihrer typografischen Grundform erlernt und für mich Autodidakt weiter entwickelt. Der Name DARE steht für das Pseudonym, welches ich mir anno 1986 auferlegt habe. Nach all den Jahren, wo ich meinen Namen auf die Wände dieser Welt geschrieben habe, ist es für mich die ehrlichste Art und Weise, diesen Namen heute auf Leinwand zu schreiben. So sind meine Bilder als geschriebene Selbstportraits zu sehen und wenn man daran glaubt, dass Handschrift Ausdruck von Persönlichkeit ist, so kann in jedem einzelnen Buchstaben Leben gefunden werden. Dieses Leben wiederum, bin ich. DARE! oder Sigi von Koeding.“ .

 

Aha. Dann ist also das bei „Sold out“ versammelte Meeting der Trainbombed-Minis mit ihren stylischen Oberflächen so etwas wie ein Graffiti-Kolumbarium. Ehrfürchtig schreite ich Reihe für Reihe ab. Umfassende Pop-Kultur? Creative Battle?

 

Am Ende bin ich ganz und gar nicht sicher, ob ich teile, was der Berliner Graffiti-Star GOULD zur transurbanen Street Art sagt: „Ich weiß gar nicht, was ich draußen ohne Urban Art und Writing machen sollte, also wo ich hingucken und wo ich lang laufen sollte. Wären die Wände ohne Spuren, würde ich mir in den Straßen vorkommen, als hätte ich lesen wollen, und ein Buch mit leeren Seiten aufgeschlagen.“

 

Ist das so?

 

Stimmt, stimmt nicht, stimmt, stimmt nicht, continuing. 

Stimmt, stimmt nicht