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12. August 2015 - von Sarah Bauer

Schreiben über Kunst im Web 2.0 – traut euch!

Oberhausen

Der Blog. Liegt irgendwo zwischen dem Zeitungssterben und 140 Twitterzeichen. Zwischen der Besucherin oder dem Besucher, dem der Kurztext im Ausstellungsflyer nicht ausreicht und der den kleinen Artikel in der Kunst-Zeitschrift aus Versehen überblättert hat.

Museen und Kultureinrichtungen haben eine ganze Menge mehr zu sagen, als in einen Facebook-Post oder in die Terminspalte des Wochenkuriers passt. Über das, was sie sammeln und bewahren. Über die Kunst, die sie zeigen, und vor allem über die Menschen, die in jeglicher Form hinter dieser Kunst stecken. Manchmal möchte man einem Spaziergänger, der unschlüssig vor einem wortkargen Werbeplakat zur Ausstellung steht, geradezu zurufen, was er alles verpassen würde, wenn er nun schulterzuckend weiterginge.

Deshalb hat sich die Ludwiggalerie entschieden, einen Museumsblog aufzusetzen. Einen Platz, an dem man regelmäßig die Chance und den Rahmen hat, Kunstwerke abseits von zweizeiligen Beschriftungskärtchen vorzustellen. Künstler berichten zu lassen, wie sie die ersten zwanzig Entwürfe ihres Werks in den Papierkorb geworfen haben, bevor es zu einer bewunderten Arbeit wurde.  Oder wie sie selbst nach dreißig abgelehnten Stipendien nicht aufgegeben haben. Was macht eigentlich eine Kuratorin? Wer hängt nach Ausstellungsende die ganzen Bilder ab? Oh – und ja, Museum kann sogar einen eigenen Sound haben. An Themen mangelt es nun wirklich nicht!

Vorbilder für Museumsblogs gibt es inzwischen Gott sei Dank viele – wenn auch noch lange nicht genug. Die Museumsblogroll von Tanja Praske führt auf, wer schon dabei ist. Die Deichtorhallen Hamburg, das Jüdische Museum München, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die Ludwiggalerie ist kein großes Haus, das mit einer zehnköpfigen Redaktion zur Betreuung eines Blogs aufwarten kann. Dennoch haben wir beschlossen, uns zu trauen. Weil es – vorsichtig ausgedrückt – schade wäre, das Web 2.0 für Kunst und Kultur nicht so zu nutzen, wie man es nutzen könnte.

Facebook, Twitter und Google+ sind sicher ein guter Anfang, um mit all den durchaus kulturinteressierten Menschen in Kontakt zu kommen, die sich dort austauschen und vernetzen. Auf diesen Kanälen ist die Ludwiggalerie seit 2011 unterwegs. Mit der Planung des Blogs haben wir dann gleichsam sowohl die inhaltliche Ausrichtung als auch die Taktung unserer Social-Media-Beiträge umgestaltet. Unsere Erfahrung: Steht der Blog erst einmal in voller Blüte, kann man die sozialen Netzwerke prima um ihn herumranken lassen.

Ob bei so einem Projekt von Anfang an immer alles perfekt läuft? Natürlich nicht. Wir haben Redaktionspläne für Beiträge geschrieben und wieder umgeworfen. Mal wird ein Künstler krank, der zum Interview erscheinen wollte, dann wieder werden alle Hände beim Ausstellungswechsel gebraucht und die Zeit zum Recherchieren und Bloggen rinnt zwischen Katalogkorrektur und Akkuschrauber dahin. Blogger-Relations müssen aufgebaut werden und Kommentare beantwortet.

Rund 3.000 Besucher hatte unser Blog bereits in den ersten Wochen. Waren die auch alle in unserer Ausstellung? Ganz sicher nicht. Aber kommt jeder Leser einer Tageszeitung gleich vorbei, nur weil er eine Anzeige zu unserer neuen Schau gesehen hat? 3.000 Mal haben Menschen Kontakt zu uns aufgenommen, sich vielleicht an uns erinnert oder auch in einen oder mehreren Beiträgen geschmökert. Wem das nichts wert ist, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Wir möchten unseren Blog schon nach wenigen Monaten unter keinen Umständen mehr missen. Wir finden es wichtig, als Museum neue Zugangswege und Kontaktmöglichkeiten im Web 2.0 zu nutzen und zu schaffen. Unsere Besucherinnen und Besucher nicht nur im Foyer der Ausstellungsräume anzusprechen und abzuholen. Nicht nur auf Presse und Print zu bauen. Wir möchten mit der digitalen Zeit gehen und sie nicht mit analogen Bedenken verschwenden. Deshalb möchten wir der Kultur im kunstgebiet zurufen: Traut euch! Es gibt noch so viel zu erzählen.

Schreiben über Kunst im Web 2.0 – traut euch!