gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen

2. Juli 2015 - von Claudia Posca

RuhrResidenz - Ein Projekt in spe fürs Ruhrgebiet

Ruhrgebiet

Noch ist der Künstler-Austausch „RuhrResidenz“ Vision. Und geistert schillernd durch den Äther - selbstbewusst, unter eigenem Label. Am Format wird noch gefeilt. Stehen soll das Ganze für ein Künstlerstipendium des Reviers. Getragen vom Zusammenschluss hiesiger Kunstvereine und Kunsthäuser. Schön wär‘s.

Das Ziel: RuhrResidenz soll den internationalen Künstleraustausch fördern, der Ruhrgebietskunst neue Foren in fernen Ländern erschließen, das Revier als Inspirationsquelle in den Fokus rücken, eigene Identitätsfindung forcieren, interdisziplinäre, transnationale Ko-Produktionen ermöglichen und natürlich repräsentativ im Länder-Ranking auf internationalem Parkett punkten. Schließlich versteht sich die Region zwischen Emscher und Ruhr seit Kulturhauptstadt 2010 als KulturMetropole.

Besonders die Künstlerschaft würd‘s freuen. Nicht jeder hat das Glück einen Platz in den renommierten Künstlerresidenzen Villa Massimo in Rom oder Villa Romana in Florenz zu ergattern. Oder für das Berliner Künstlerprogramm von einer Berufungskommission vorgeschlagen zu werden.

Dabei sind zig hunderte KünstlerInnen auf der Suche nach günstigem Atelierraum, temporärer Existenzsicherung, der Möglichkeit sich am Fremden zu reiben, Neues aufzusaugen, die dabei entstehende Kunst in einer Ausstellung, im besten Fall begleitet von einem Katalog, zu zeigen. Websites wie Transartists und Resartists helfen bei der Suche, der DAAD hat ein eigenes Förderprogramm, das Land NRW auch. Und lokal gibt`s natürlich vor Ort auch im Revier Artist-in-residence-Programme. Das Künstlerhaus Dortmund etwa hat eins. Und jüngst noch wurde vom Kunsthaus Essen ein solches erstmals vergeben.

Neu im Revier aber wäre ein übergeordnetes, von vielen Kulturhäusern vor Ort unterstütztes Förderprojekt mit der erklärten Absicht, „die Möglichkeit, den Ort zu wechseln und diverse Städte mit ihren unterschiedlichen Bewohnerinnen und Bewohnern, Playern der lokalen Kunstszene oder zugewiesenen Paten zu erkunden.“ Schließlich spannt sich die Ruhrregion zwischen 53 Kommunen auf, ein „vielgestaltiger postindustrieller Ballungsraum…, gekennzeichnet durch die Nähe einzelner Orte zueinander, geografische Diversität sowie mannigfaltige historische Eckpfeiler“. Sagt Linda Schröer von den KunstVereinenRuhr.

Viel haben sie und andere schon diskutiert, sozusagen als „strategische Annäherung an die Vision“ - auf der Fährte nach den Besonderheiten der geplanten RuhrResidenz. Dazu gab‘s Symposien und städteübergreifende Ausstellungsprojekte wie „BLOWIN FREE“ im Rahmen der Emscherkunst 2013 oder „Canale Grande“ 2014. Jetzt steht die Idee schwarz auf weiß nachzulesen: In der frisch gedruckten Info-Broschüre „Home is where“ als Publikation der KunstVereineRuhr. Vergangenen Freitag wurde sie im Kunstmuseum Bochum im Rahmen der RWE-Stipendiaten-Ausstellung „Visit“ vorgestellt - ein echter Netzwerk-Thriller.

„Wish it, dream it, do it“ - Letzteres steht noch aus. Um die RuhrResidenz zu verwirklichen, braucht es Idealismus, Geld, Personal und Zeit. Wohl aus diesem Grund trommelt das 106-Seiten-Heft für (noch) mehr Vernetzung, (noch) mehr Austausch, (noch) mehr Gemeinsamkeit. Auf dass eine kulturelle Allianz an Emscher und Ruhr buchstäblich erstarkt. Und die geplante RuhrResidenz nicht als Seifenblase zerplatzt.

Dabei hatte man doch gedacht, dass spätestens seit Kulturhauptstadt 2010 die Kulturinstitute des Reviers längst das Ziehen an einem Strang beherrschen. Heißt es nicht RuhrKunstMuseen, KunstVereineRuhr, Urbane Künste Ruhr - allesamt  namentliche Vernetzungen, die den Willen zur Kooperation signalisieren? So, wie es auf dem Papier steht: „Zusammengeführt werden die verschiedenen künstlerisch-kuratorischen Stränge durch gemeinsame Marketing- und Vermittlungskonzepte sowie durch ein gemeinschaftliches Auftreten der Institutionen in öffentlichen Foren und Diskussionsrunden, projektbegleitenden Publikationen, Online-Portalen und in den Social Media.“

Alles nur Theorie?

Eins jedenfalls macht die Vision einer RuhrResidenz klar: Wirklich klar ist bis dato nichts. Außer: dass es noch viel zu klären gibt. Was Geduld und Vertrauen braucht. Noch weiß keiner, wie das mit der Ausschreibung, mit der Finanzierung, mit der Lokalität einer RuhrResidenz gehen soll.

Und dann bringt Linda Schröer aus der Sprechergruppe der KunstVereineRuhr auch noch ins Gespräch: „Die Unterbringung der Künstlerinnen und Künstler zentral in der Innenstadt, in einer dörflichen Gegend oder inmitten sozialer Brennpunkte wird stets auch Einfluss auf die zu sammelnden Eindrücke haben. Doch ist es nicht auch denkbar, auf einen fixen Ort zu verzichten und eine Residenz als Wanderung durch die Region zu verstehen?“

Wie bitte soll das gehen? Die eingeladenen Künstler als Nomaden mit Zelt unterwegs im Revier, heute hier, morgen dort? Oder die Wohnstatt wechselnd: täglich, wöchentlich, monatlich?

Selbst wenn es beim RuhrResidenz-Projekt erwünscht um inhaltlichen Austausch mit dem lokalen Umfeld und seinen Menschen im Revier geht, was ein umfassendes Netzwerken bedeutet, bleibt zu bedenken: auch der gemeine RuhrResidenzler in spe muss den Kopf mal frei kriegen. Und eine feste Bleibe wäre da sicherlich nicht das Schlechteste.

Es muss ja nicht gleich Villa Nobel sein. Auch wenn die Rede von einer RuhrResidenz genau diese Vorstellung bewirkt.

Aber so etwas wie ein Grand Hotel d‘ateliers - das wär‘s in der Tat. Mit Wohn-, Arbeits-, Begegnungs- und Ausstellungsräumen, mit Werkstätten, mit offener Location als Treffpunkt für Jedermann und -frau und monatlichem Stipendiums-Salär nebst Extra-Reisebudget für Extern-Ausflüge ins Ruhrgebiet. Das Ganze lokalisiert an einem Ort mitten im Revier, die grüne Rückzugsmöglichkeit gleich nebenan.

Was bei aller Idealität nicht zwangsläufig „Working Holiday“ jenseits lokaler wie überregionaler Vernetzung bedeutet. Und schon mal gar nicht die romantische Vorstellung vom Eremiten-Förderstipendium abseits von Hektik, Stau und Stress bedient. Allerdings berücksichtigt, dass Kunst und Kunstschaffende gern auch mal Nebenwege im Dschungel aktueller Netzwerk-Manie erkunden. Zum Wohle der Kunst.

Schlagartig wird mir klar: Im Revier ist der Wandel vom ästhetischen zum sozialen Kulturbegriff im vollen Gang. Schau‘n wir mal, wohin die Reise geht.

RuhrResidenz - Ein Projekt in spe fürs Ruhrgebiet