gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen

29. September 2016 - von Claudia Posca

RuhrResidence: Für freie Kunst

Ruhrgebiet

Wish it, dream it, do it! Wenn das Revier träumt, haben Visionen eine Chance auf die Welt zu kommen. Was mit den Revier-Menschen zusammenhängt, die dafür Kante zeigen. Unter anderem dieser Anpackmentalität wegen mag ich den Pott. Und natürlich, weil er meisterlich bunt brodelt. Ganz besonders auf dem Kulturparkett. Metropole Ruhr halt. Nicht umsonst kam man aufs Label.

Vor gut einem Jahr schrieb ich zur RuhrResidence in spe: Schau`n wir mal, wohin die Reise geht. Das seit 2006 aktive Netzwerk „KunstVereineRuhr“ trommelte damals für eine Gemeinschaftsvision: Ein Ruhrgebietsübergreifendes Künstler-Stipendium soll her! Für Strahlkraft nach innen und außen. Zur Förderung der hiesigen Kunstszene, zur Forcierung von Identitätsfindung und von interdisziplinärer, auch transnationaler Koproduktion.

Im Fokus: das Revier als Inspirationsquelle, die „Ruhrregion als Experimentierfeld, Labor, Möglichkeits-und Machbarkeitsraum“. Steht es notiert im Netzwerk-Thriller „Home is where…“, 2015 erschienen anlässlich des „Artists in Residence-Projektes „Canale Grande. Der Beitrag von KunstVereineRuhr und Urbane Künste Ruhr zum KulturKanal 2014“.

Wow, was da so alles an Visionen reingepackt worden war! Besonders attraktiv: Kunstschaffende sollen individuell gefördert werden, Subkontinente des künstlerischen Schaffens eine Chance bekommen. Jenseits vom Anspruch, doch bitte Markttaugliches zu liefern oder zumindest durch künstlerisches Wirken vor Ort zur Wertsteigerung von Stadtteilen beizutragen.

Ich finde das bemerkenswert. Da halten in Zeiten von Evaluierung und Gentrifizierung engagierte Bürger und Institutionen die Freiheit der Kunst hoch, obwohl es zunehmend Gang und gäbe ist, der freien Kunst einen sozialgesellschaftlichen Riesen-Rucksack zu packen. Nach dem Motto: Kunst soll…, auf dass sie funktional-nützlich Dienst tue.

Noch bemerkenswerter allerdings finde ich es, dass trotz all der Vereinnahmungsversuche die Bedürfnisse freier Kunst beim Land angekommen sind. Und ernst genommen werden. In der vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport geförderten, vom European Centre for Creative Economy (ECCE) aktuell herausgegebenen, so genannten „Prognos“-Analyse-Broschüre schreibt Ministerin Christina Kampmann: „Die individuelle Förderung von Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen in NRW ist ein wichtiges kulturpolitisches Ziel der Landesregierung. Sie ist im Entwurf des Kulturförderplans des Landes, einem zentralen Instrument des KFG (Kultur-Förder-Gesetz), für die Jahre 2016 bis 2018 verankert. Mit ihr entwickelt das Land NRW einen neuen Förderstrang, bei dem die Arbeits- und Lebensbedingungen von Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen in den Vordergrund der Kulturpolitik gestellt werden.“

Die Ruhrgebiets-Kunstszene als Pilot-Projekt?

Man höre und staune! Besser geht`s doch gar nicht. Was die KunstVereineRuhr schon lange fordern, dem entspricht jetzt aktuelle Landespolitik: Revierkunst-Pilotierung für Dringliches. Ziel sei es „…die Arbeitsbedingungen für Künstlerinnen, Künstler und Kreative zu verbessern und für diese den Standort NRW im internationalen Wettbewerb noch attraktiver zu gestalten.“

Dazu stehen Mittel bereit, jetzt ausdrücklich fürs Basisvolk der Kreativlandschaft: für Künstler und Künstlerinnen, für Kunstinstitutionen, - hoffentlich noch anwachsend. Denn noch immer hapert`s extrem an der Wertschätzung künstlerisch freier Arbeit, und ist der Bedarf an bezahlbaren Atelier- und Ausstellungsräumen immens.

Wie und was trägt das Künstlerstipendium RuhrResidence dazu bei?

„Wir halten es für wichtig, dass das freie Kunstschaffen von einem Netzwerk kommuniziert wird. Dabei wollen wir auch kontrovers diskutieren, zumal sich die andere Diskussion ja um Evaluierbarkeit dreht. Aber wie evaluiert man Kunst? Beispielweise, wenn ein Künstler aus Bochum nach Los Angeles geht? Wichtig ist doch die Frage, ob Reise und Residenz sinnvoll für seine eigene Arbeit gewesen sind.“ Sagt Uwe Schramm, Leiter des Kunsthauses Essen, wo ab Oktober ein allererster RuhrResidencler bis Ende November einziehen wird. „Unabhängig davon, ob seine Kunst eine ad hoc gesellschaftliche Relevanz hat. Es gibt bei der RuhrResidence keine thematische Vorgabe. Die Residence-Künstler müssen nicht in den inzwischen angesagt-boomenden, so genannten Kunstquartieren arbeiten. Es geht darum, Freiheiten und Möglichkeiten zu schaffen. Und damit einen wichtigen Programmpunkt innerhalb der Landesforderung umzusetzen“, sind sich Uwe Schramm und Peter Schmieder einig, letzterer Leiter des Künstlerhauses Dortmund, dem zweiten RuhrResidence-Haus.

Klingt klasse. Sieht ganz nach einer Netzwerk-Verstetigung der Revier-Kunstvereine aus. Und professionalisiert bestehende Strukturen. Vor einem Jahr wusste noch keiner wirklich, wie das mit der Ausschreibung, mit der Finanzierung, mit der Lokalität einer RuhrResidence gehen könnte.

En detail ist jetzt „go“ und „return“ draus geworden.

„Das müsst ihr mir mal genauer erklären.“ Eine Open-Call-Mail hatte den 17. September 2016 als Bewerbungsschluss genannt. Zielgruppe: Professionell arbeitende Kunstschaffende mit Wohnsitz im Revier, keine Altersbeschränkung. Zukünftig ist die RuhrResidence jährlich geplant. Inzwischen wird allererstmals RuhrResidence-juriert. Zehn Glückliche wird`s am Ende geben.

„Unsere Idee bestand ursprünglich aus drei Teilen. Erstens: Künstlern aus dem Ruhrgebiet mittels eines Reisekostenzuschusses die Möglichkeit geben, in das Land ihrer Wahl zu reisen. Das ist das Residenzformat „go“. Daneben gibt es das Residence-Format „return“. Das ist wichtig für die Kulturlandschaft Ruhrgebiet, aber auch für das Land NRW. Hier geht es darum, Künstler aus dem Ausland einzuladen: ´Beschäftigt euch doch mal auf den unterschiedlichsten Ebenen mit dem Ruhrgebiet`. Und die dritte Säule: Wir möchten Kunstschaffenden die Möglichkeit geben an einem von ihnen frei gewählten Ort im Revier zu leben und zu arbeiten. Auch mit entsprechender Honorierung und der Offerte, ihre Rechercheergebnisse präsentieren zu können. Den dritten Teil mussten wir auf Grund des begrenzten Budgets zurückstellen. Aber immerhin verschaffen uns die zur Verfügung stehenden Gelder die Möglichkeit, acht Residenzen im Bereich „go“ zu verwirklichen und zwei im Bereich „return“.

Wird es eine Abschluss-Präsentation geben? So schnell legt man eben doch nicht eigene Traditions-Denke ad acta.

„Es geht um Fragestellungen, um einen offenen Werkbegriff. Es geht nicht um das Verfertigen eines Abschluss-Ergebnisses. Wir wollen eine künstlerisch-kreative Kommunikationsplattform etablieren. Im Dezember wird es ein Meeting geben, wo jeder Künstler von seinen Erfahrungen berichten kann. Außerdem hat die RuhrResidence eine Internet-Vorgabe: Die Residenzler sollen während ihres Aufenthaltes Rückmeldungen posten. Der Blog wird für Sichtbarkeit, für Nachhaltigkeit sorgen. Das macht Sinn fürs Publikum und für spätere Stipendiaten. Wir wollen kein fertiges Werk, wir wollen die Kunst frei denken, sie frei leben lassen.“

Und dann fällt noch so ein Satz, der richtig wichtig ist, ihn ins Herz zu pflanzen: „Die RuhrResidence ist auch die Dokumentation einer Haltung.“

RuhrResidence: Für freie Kunst