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11. Dezember 2014 - von Claudia Posca

Ruhrländer: Bildhauer Gereon Lepper mit Sitz in der Henrichshütte

Hattingen

Gereon Lepper fräst sich mit seinen beeindruckenden Werken nachhaltig ins Hirn...

Ich sag`s gern wieder: Die Ruhrkunstszene ist bunt. Wirklich Spannendes allerdings fräst sich nachhaltig ins Hirn. Wie die Kunst Gereon Leppers an einem Donnerstag um 9.30 Uhr auf dem ehemaligen Henrichshüttengelände, Industriestraße. Mir gegenüber sitzt der Mann, den im Juli das WDR-Fernsehen als „Ruhr-Erlebnis“ vorgestellt hat. Obwohl in Ratingen geboren, arbeitet der 58-jährige RheinRuhrländer seit über zwei Jahrzehnten schon vor Ort der 1987 endgültig dicht gemachten Hattinger Stahlschmiede.

 Am Ort: Kreativ-Chaos im beeindruckenden Geschichtsambiente - magisch. Und wenn dann, wie neulich beim avantgardistischen Konzert, der enorme Kaminofen knistert, ist die Kulisse perfekt. Jetzt allerdings dampft Tee im angemackten Becher (Gereon Lepper frühstückt gerade), von oben gießt die Sonne Schlagschatten ins Schummerlicht der riesigen Atelierwerkstatt: Schienen, Bolzen, Elektromotoren, ein Kran, ein Korbsessel, zwei immense Auftriebskörper und Leo, der Möchte-gern-Dobermann, der nur Pinscher ist, gestalten zusammen mit fertigen und unfertigen Großskulpturen ein irgendwie phantastisches Anderswo, das es nur hier gibt. Punktlandung in einer besonderen Welt.

  Es riecht nach Rauch, Maschinenöl, ein bisschen Kellermuff und viel Leidenschaft. Doch „ich glaube nicht, dass es das ist, was mich inspiriert. Aber es gibt mir ein gutes Gefühl, in so einem Kleinod der Industriegeschichte aktiv sein zu können…“ Ich hake nach. Kurze Pause, dann: „Wasser zieht mich an, Wind, die Gezeiten und Schiffe, Werften, Duisburg“. Und die Ruhr? „Ist einfach eine super Mischung aus einem wahnsinnig romantischen Fluss und einer knallhart industriellen Geschichte.“

Gereon Lepper ist ein Meister in poetischer Verknüpfungskunst. In seinen beweglichen Skulpturkonstruktionen paart er Ingenieurswissen mit Naturgesetzmäßigkeit, setzt die Macht der Gravitation absolut, spielt mit Druck- und Lastkräften und stellt die Bildhauerei, gelernter Steinmetz, der er ist, auf den Kopf. Kompromisslos hebeln seine „mechanischen Dramen“ bildnerische Traditionen aus. Wenn sich dabei einmal Idee und Technik streiten, „muss ich entdramatisieren!“. Mit eigenwillig interpretierter da-Vinci-Philosophie und Stahl zaubert der Meisterschüler Klaus Rinkes (*1939 in Wattenscheid, Akademieprof. der Düsseldorfer Kunstakademie von 1974 - 2004) eine geschweißte, genietete Archaik, mechanische Vereinfachung statt High-Tech und Programmierung. Das Resultat: Am Besten selbst gucken. Es sind lebendige Skulpturen, die provozieren, Gleichnisse mit Gänsehauteffekt, kühle Wesen, die wie Gedichte heißen: „Aus den Bergen des Mondes“, „Balzgeflüster“, „Das finstere Treiben“, „Hoch am Wind“ oder „Roaring Forties“.

Man muss sie erleben, auch hören. Allerdings würd` ich mir gerade am liebsten die Ohren zuhalten, zwei Propeller giften sich rasend laut an. Dabei geht`s um was ganz Anderes: Stille, gewissermaßen im Auge des Orkans. Tony Cragg hat das so imponiert, dass er Gereon Lepper eben erst eine exklusive Ausstellung im Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden arrangierte.

Wo aber findet der Künstler Einfälle, wie die „Vergessenen Wächter“, die ins Wasser abtauchen oder die auf Schaukelkufen montierte „Bewegte See“ im Stahl-Glascontainer? „Unterwegs und allein, auf Reisen durch Frankreich, durch Belgien, beim Ruhr-Rad-Wandern auf dem Leinpfad.“

Oft vergehen nach zeichnerischer Erstskizzierung Jahre. Nicht von ungefähr ist Sisyphos Thema Nr. 1 für Leppers jüngste Arbeit, die momentan noch am Kranhaken zittert, während im Badezimmer nebenan ein weiteres Highlight auf Umsetzung hofft:

„Art Space shuttle“. Mit diesem schwimmenden Multifunktionsatelier will der überzeugte Utopist das Kanalnetz Europas bereisen. Gedanklich längst flügge, wäre das Modell „´in Groß` als eine Art Satellit der kommenden documenta geeignet, so denn die Macher in Kassel Interesse hätten.“ Und wenn nicht, (Gereon Lepper lacht) „dann könnte ja immer noch Crowdfunding meine Träume in handfeste Visionen verwandeln.“

Klingt dermaßen gut, dass ich Gereon Lepper und seiner angesagten Kunst mächtig fest die Daumen drücke!

Fotos: Gereon Lepper

Ruhrländer: Bildhauer Gereon Lepper mit Sitz in der Henrichshütte