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25. Mai 2017 - von Claudia Posca

RuhrKunstNachbarn

Bochum

Stark erhofft, viel beschworen: die Nachhaltigkeit von „Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010“. Jetzt nimmt sie Fahrt auf.

Will heißen?

Zuvörderst mal dies: Die Kreativ-Kooperationen im Revier verdichten sich, die Vernetzung des Kunstgebietes Ruhr schreitet voran. Städte, Institutionen, Museen und Menschen wuppen den „magischen einen gemeinsamen Strang“: für das Zusammenwachsen einer urban zersiedelten Region, für Kontinuität und Grenzüberschreitung, für Identität und kulturelle Bildung, für einen Wandel durch Kultur und eine Kultur durch Wandel.

„RuhrKunstNachbarn“ ist so ein famos komplex gemeinsames Projekt. Die RuhrKunstMuseen zeichnen verantwortlich. Das Kunstvermittlungsprogramm hat Köderfunktion für Schulen.

Kein Zweifel: Eine Vision nimmt Form und Gestalt an.

Sieben Jahre hat die Metropolregion Ruhr dran gearbeitet, der Prozess ´Wir im Revier` geht weiter. Die Museen reichen den Schulen die Hand: auf gelingende Nachbarschaft.

Allen voran rackert das Netzwerk der RuhrKunstMuseen fürs Gemeinschaftsgefühl. Manch einer sieht Vorbildliches entstehen. Oder spricht, wie es der Weiterbildungsdezernent der Bezirksregierung Düsseldorf Ralph Zinnikus letzte Woche im Kunstmuseum Bochum nicht nur galant, sondern überzeugt formulierte, von einem „von der Regel abweichenden Projekt, das es hervorzuheben gilt.“

Das klingt gut. Es läuft rund für die zwanzig RuhrKunstMuseen. Sie hatten vergangene Woche zur „Gala für Lehrkräfte aller Schulformen, Kunstvermittler und Kulturinteressierte“ nach Bochum ins Kunstmuseum eingeladen. Ein schönes, ein aktives, ein wertschätzendes Dankeschön war`s an alle, die kulturelle Bildung gestalten. Streicheleinheiten für die Seele. Das tat gut.

Denn was nicht alles soll Vermittlungsarbeit heute leisten? Wissen soll sie etablieren, Kunstempathie schüren, Kinder und Jugendliche fürs Visionäre begeistern, Schwellenangst vorm Museum abbauen, Achtsamkeit fördern, Konzentration lehren, soziale Kompetenz aufbauen, Aggressionen mindern, bessern noch verhindern, Spaß an der Kultur rüber bringen und möglichst alle und jeden dort abholen, wo er oder sie steht.

Das ist in der Tat eine Gala wert!

Doch Abendkleid und Fliege?

Weit gefehlt. Infos und Impulsreferat waren in Bochum gefragt: „Wie kann ich Kultureinrichtungen für mich und meine SchülerInnen sinnvoll nutzen?“ „Was steckt hinter den „RuhrKunstNachbarn“ als Folge-Projekt der 2010 von den RuhrKunstMuseen gestarteten „Collection Tours“?

Damals hieß es: „Erstmals in der Geschichte der Region erarbeiten und erproben die beteiligten Häuser gemeinsam neue Wege der Kunstvermittlung… „Collection Tours“ ist als langfristiges und nachhaltiges Projekt konzipiert… Die Zusammenarbeit der Kunstvermittler zielt auf den Aufbau eines Netzwerkes künstlerische Bildung in der Region sowie eine nachhaltige Professionalisierung und verstärkte Etablierung  der Bildungsarbeit an den beteiligten Museen.“

Heute heißt es: „Während eines dreijährigen Modellprojekts RuhrKunstNachbarn, bei dem 18 Kunstmuseen und zahlreiche Schulen aus dem Ruhrgebiet involviert sind, sollen Kinder und Jugendliche Museen nicht als geschlossene Institutionen wahrnehmen, sondern sie im Kontext der Stadt und der Stadtgesellschaft lesen und reflektieren lernen. Das lokale Umfeld - die Museumsnachbarschaft - wird dabei in besonderer Weise in den Fokus genommen. Auch die Frage nach der Rolle und Aufgabe eines Kunstmuseums in der sich ändernden Stadtgesellschaft wird thematisiert“ schreibt die Bochumer Zukunftsakademie NRW (ZAK NRW) als Partner der RuhrKunstMuseen auf ihrer Homepage.

„Jetzt  komm` doch mal auf den Punkt! Was konkret haben die „RuhrKunstNachbarn“ geschnürt? Wie läuft das Projekt ab? An wen kann ich mich wenden? Wer nimmt Anmeldungen entgegen? Was kostet die Teilnahme?“

Ja, tatsächlich war der Bochumer Abend ein bisschen theorielastig. Rundum gelungen aber war er trotzdem. Sogar das Outback staunte über den Zuspruch. Mehr als 200 Teilnehmer waren gekommen.

Dabei hatten die RuhrKunstMuseen in weiser Voraussicht, dass es mächtig viel Vernetztes zu verdauen geben würde, klug vorgesorgt: Jason Bartsch, NRW-Poetry-Slam-Meister 2015 und Förderpreisträger des NRW-Literaturpreises lockerte launig kurzweilig all das vermittlungspädagogische Sollen und Können auf.

Und -, man darf es nicht vergessen, allererst im August beginnt die heiße Praxis-Phase mit 10 sogenannten Tandem-Partnerschaften: Dafür tun sich je zwei Museen, nicht weiter als 30 Minuten öffentlicher Nahverkehr voneinander entfernt, für thematische Workshops zusammen. Das Kunstmuseum Bochum etwa mit dem Folkwang Museum Essen, das Josef-Albers Museum Quadrat Bottrop mit dem Kunstmuseum Gelsenkirchen. Und so fort. Der Vergleich der Museen soll ein kreatives Wahrnehmungsvermögen und ein „Urban Learning“ initiieren.

Klar dabei ist: Kunst- und Museumspädagogik, zumal in Kooperation vorangetrieben, ist ein verantwortungsvoller Job. „Und Kunstvermittlung kostet sogar“ pointierte es Ralph Zinnikus, den Schalk im Nacken.

Die Realität an den Schulen aber ist ernüchternd. Mausgrau kümmert die kulturelle Bildung vor sich hin. Manch ein Lehrer, der Kunstvermittlung engagiert betreibt, tut es auf eigene Kosten, opfert Freizeit und erntet nicht selten Kopfschütteln. Über eine fehlende Ausstattung vom Schreibtisch bis zum Schrank, ganz zu schweigen von einem Arbeitszimmer, will ja schon keiner sprechen. Geschweige denn von einem zentralen, schulischen Kunst-Koordinator, festgeschrieben im Lehrplan als ein wichtiger, verlässlicher Garant einer schulischen Bildung in Sachen Kunst und Kultur.

Dabei treibt den engagierten Kunstlehrer eigentlich Inhaltliches um: Wie sag` ich`s meinen Schülern? Auf das rüber kommt, was an der Wand hängt, im Raum steht.

Wer aber macht sich darüber schon einen Kopf? Oder denkt über den sprichwörtlichen Spagat nach, den leistet, wer von der Muse geküsst, die Liebe zum Musischen weitergeben möchte: an den Mann, an die Frau, an Jugendliche oder Kinder, an Schüler unterschiedlichster Schulformen, an Menschen mit Migrationshintergrund, an Patienten mit Demenzerkrankung, an Familien, Fachleute, Laienpublikum, Bildungsbenachteiligte. Ein Mega-Zielgruppen-Orientierungsprogramm ist das. Irre spannend, genauso schlauchend.

Die „RuhrKunstNachbarn“ wollen da helfen: Teamwork zwischen Schule und Museum unterwegs in musealen und urbanen Räumen. Das will knackig differenziert und pfiffig gemanagt geplant sein.

„Jaja, hab` schon verstanden: Komplexe Strukturen sind nicht einfach zu erklären. Das nehm` ich ernst. Trotzdem -, Zahlen und Fakten wird`s doch sicher auch geben?“

Okay, die gibt`s. Das Wichtigste vorweg: Das Angebot von „RuhrKunstNachbarn“ ist kostenfrei. Die Essener Mercator-Stiftung macht`s möglich. Schließlich „sollen vor allem Kinder und Jugendliche angesprochen werden, die bisher keinen oder nur geringen Zugang zur kulturellen Bildung erhalten.“

Desweiteren: Rund 15.000 Schüler werden sich in 3 Schulhalbjahren durch das Ruhrgebiet bewegen. Es wird 1200 Workshops geben, 2 Stunden voraussichtlich wird jeder Workshop dauern, 18 RuhrKunstMuseen nehmen teil, jede Schulform ist eingeladen mitzumachen, es wird begleitende Dokumentationen und Evaluierungen geben, ab dem 1. Juli 2017 können Buchungen über das zentrale Projektbüro im Museum Folkwang Essen angefragt werden. Jetzt zufrieden?

„Nee, jetzt bin ich überzeugt. Gutes Projekt, gute Nachbarschaft.“

RuhrKunstNachbarn