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27. August 2019 - von Claudia Posca

Prozession der Moderne

Bochum

Ich war dabei. An diesem irrsinnig heißen 26. Juli 2019. Und kann nur sagen: Schade, wer`s verpasst hat. Die Prozession der Moderne, Teil 1, auf dem Uni-Campus Bochum, die an sicherer Gegenwartsverankerung kratzte: Was bedeutet es, wenn Kids medienmächtig, medienträchtig, für Zukunft & Kultur aufmarschieren? Wenn sie, wenngleich kuratorisch angeleitet, als selbstwirksame Aktivisten performativer Kunst soziale Plastik gestalten?

In diesem Fall an gleich zwei Orten im Revier: in Bochum und Oberhausen, bevor im nahenden Herbst Teil 2 des von der Kölner Künstlerin Pia Janssen initiierten Pilot-Projekts in Form eines künstlerisch aufbereiteten Doku-Videos an den Start gehen wird. Zu sehen an unterschiedlichen Orten im urbanen Raum beider Städte (Museumscafés, Shop-Schaufenstern, Foyers, im Oberhausener Supermarkt der Ideen, in Bürgerbüros und Rathäusern) und begleitet von einer Foto-Installationswand mit davor präsentierten Requisiten des Umzugs. Womit dann wiederum Sie mit diesen Foto-Film-Konzentraten doch noch die Gelegenheit haben, zu gucken, wie und was sich an diesem besonderen Freitag als besondere Prozession durch den öffentlichen Raum geschlängelt hat, aber so ganz und gar kein Auszug junger Prozessionsspinner war, wie einige Schnellgucker am Rande meinten.

Ganz im Gegenteil! Da gingen im Rahmen des Kulturprojektes Mythen der Moderne(www.myten-der-moderne.de) kleine Helden für große Legenden auf die Straße. Warum? Wieso? Wozu? Nicht gewusst, dass...?

… dass das Auditorium Maximum auf dem Bochumer Campus, kurz Audimax genannt, mit seinem riesigen Muschelrosettenkorpus aus einst vor Ort zusammengesetzten, vorgefertigten Betonteilen für einen übrigens größten Hörsaal am Platz mit Platz für 1750 Besucher und 1979 eingeweiht, Teil eines der bedeutendsten Bildungsbauwerk-Ensembles der Nachkriegszeit in Europa ist? Und dass es optisch das Herzstück der ab 1964 nach Plänen von Hentrich, Petschnigg & Partner geplanten Uni ist, die mit rund 43.000 Studierenden zu den zehn größten Deutschlands zählt und 2018 mit dem Architekturpreis „Big Beautiful Building“ (BBB) ausgezeichnet wurde? Ja, beim Recherchieren hab ich auch gestaunt. Und nicht nur darüber. Dem imposanten Gebäude nämlich wird zudem imposanter Architektur- und Kunstgeschichtsbezug nachgesagt. So man denn sieht, dass das Audimax über die in Berlin, nach Plänen von Hans Scharoun, errichtete Philharmonie hinaus auch sehr mit der Assembly Hall der Universität Illinois in Champaign von W.K. Harrison und Max Abramowitz liebäugelt. Was ich finde, großartig funktioniert, gerade weil`s darüber hinaus eine eigene Formensprache spricht. Futter genug also für eine Supersause zur Ehre bemerkenswerter Revier-Architektur und ihrer Geschichte.

Wer aber dachte, dass damit doch alle Besonderheiten genannt seien, hat sich verdacht. Fatalerweise, würde unerwähnt bleiben, dass das Bochumer Audimax eine grandiose Klais-Orgel beherbergt, die ihrerseits eine der modernsten und größten ist, die die weltweit führende Bonner Orgelmanufaktur Klais je gebaut hat. Weshalb das „Big Beautiful Building“-Audimax eine vielfältig genutzte Musik-, Theater-, Event-Location von ehrwürdiger Gravität ist.

Na, jetzt auch überzeugt, dass es mit dieser beeindruckenden Architekturstory tatsächlich etwas zu feiern gibt? Die Prozession der Modernejedenfalls war`s und umrundete den zentralen Ankerplatz der auf demarchitektonischen Gesamtkonzept einer „Universität als Hafen im Meer des Wissens“ konzipierten Ruhr-Uni. Gutes Gefühl, mit dabei gewesen zu sein, ein Moment, der immer bleibt. Immerhin war der Campus einst Teil-Zuhause, hat sich in die Seele gedrückt. Das verbindet. Die Prozession der Modernegönne ich ´meiner` Uni sehr. Zumal die jungen Nachwuchs-Aktivisten ebenfalls überzeugt sind, dass es das Audimaxals identitätsstiftende Architektur des Reviers von generationenüberdauernder und damit zukunftsgestaltender Wertigkeit verdient hat in den Fokus gerückt zu werden.

Dies zu ehren also war das eine. Die Bauhaus-Philosophie im diesjährigen Jahr des 100jährigen Bauhaus-Jubiläums mit dem Zentrallager Gutehoffnungshütte in Oberhausen (1920 erbaut vom Star-Architekten Peter Behrens, heute Sammlungsdepot des LVR-Industriemuseums) mit ins Boot der Prozession der Modernezu holen, war das andere. Zwei Tage später fand die Prozession der Moderneum das Zentrallager Gutehoffnungshütte Oberhausen statt. Auch da wär` ich gern dabei gewesen. Aber aber. Gut, dass es im Herbst das Kunstvideo, Vernissagen, einen Vortrag zur „Teilhabe an einer Kunstproduktion als Kunstvermittlung, die nachhaltig auf Gruppen und Individuen wirkt“ geben wird.

Was zusammen genommen, schon jetzt ein vielfach knisterndes Defilee stemmt, entsprechend der Uni-Prozession, die bunt, laut, rhythmisch, mit Trommel, Tanz, Skandierung, mit Smartphone, Camcorder und Drohne von einer guten Hundertschar Kids als Erkunder einer architektonischen Ausdruckskunde vor der Kulisse „alter Häuser“ inszeniert wurde. Nah dran. In interdisziplinären Workshops vorbereitet. Spielerisch realisiert. Auf dem Campus für den Hippocampus, zum Lob von Ruhrmoderne, Bauhausjubiläumsjahr und Fridays-for-Future-Bewegung: „Lasst uns um die Häuser ziehen“. „Her mit dem kulturellen Erbe!“ „Wie wollen wir leben?“ 

Da stellt sich doch kaum mehr die Frage: Kinder an die Macht. Fit for kids, oder? Schließlich sorgt sich nicht nur eine Greta Thunberg um unseren blauen Planeten. Die Prozession der Moderne„als ein partizipatives Kunstprojekt mit 120 Grundschulkindern in Bochum und Oberhausen, das die Grundgedanken der Bauhaus-Pädagogik mit der „Fridays for Future“-Bewegung zusammenbringt“, wie`s im Konzeptpapier heißt, tut es auch. Ich bin dabei.

 

Fotos: © Claudia Posca

Prozession der Moderne