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21. Februar 2018 - von Claudia Posca

Nachgefragt

Oberhausen

„Alles neu macht der Mai“ hör` ich seit kurzem oft. Was wohl am Tauwetter der Jahreszeit liegt. Und, man glaubt es kaum, mit Sonnenschein zu tun hat. Seufz, so schön kann Leben sein. Ach ja, aber wieso eigentlich erst im Mai? Wieso gilt es nicht auch, sagen wir mal, für den Februar? Neues noch vor Mai. Eine Neuigkeit. So was wie „Nachgefragt“. Was auf kunstgebiet.ruhr der neue Blog im Blog für Interviews hinter den Kulissen ist.

Am 13. Februar, nein, es war kein Freitag, hab` ich mich mit Dr. Christine Vogt, Chefin der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen getroffen. Weil dort Neues im Rückblick ein Jubiläumsprogramm gibt. Allerdings steht es weder im Februar noch im Mai an. Was zeigt: Auch der Herbstmonat September eignet sich für News. Die da wären?

Nachgefragt: 20 Jahre Ludwiggalerie in Oberhausen: Für was genau steht denn die Party?

„Ganz genau gefeiert wird die Eröffnung unserer „Glasvitrine“, wie wir sie nennen. Also der Anbau, der im Januar 1998 nach zweijähriger Bauzeit wiedereröffnet wurde. Damals sind wir mit einem neuen Konzept an den Start gegangen. Aus der Städtischen Galerie wurde die Ludwiggalerie.“

Wie war die Reihenfolge: erst Umbau, dann kam die Ludwigsammlung nach Oberhausen?

„Nein. Peter und Irene Ludwig waren schon in den 1980er Jahren mit dem „Ludwig-Institut für Kunst der DDR“ in der Städtischen Galerie beheimatet. In dieser, vor allem als Forschungsinstanz betriebenen Unternehmung, wurde in einem Randbereich der Kunstgeschichte wichtige Arbeit geleistet. Dann fiel die Mauer und parallel fiel die Entscheidung, das Einkaufszentrum „CentrO.“ zu bauen. Da wir an diesem Standort im direkten Einzugsbereich dieser Umstrukturierungsmaßnahmen liegen, war klar, dass das gesamte Areal neu aufgestellt wird. Der Ansatz: Wie kann man von einer Kohle-/Montan- zu einer Dienstleistungsstadt werden? Das betraf auch die damalige Städtische Galerie. In der Folge hat man sich an die Ludwigs gewandt. Das damals erarbeitete Konzept hat sich bis heute als sehr tragfähig erwiesen.“

Das heißt was?

„Peter und Irene Ludwig, deren Sammlungsschätze von der Pop Art über die russische Avantgarde bis hin zur großen Porzellansammlung neben ostasiatischer, präkolumbianischer und außereuropäischer Kunst reichen - eine Riesensammlung mit über 12.000 Stücken verteilt in 20 Museen in 5 Ländern -, haben immer betont, dass sie sehr daran interessiert sind, was die Kulturen im Innersten zusammenhält. Aber auch, was sie unterscheidet. Und diese Idee, dass alles immer wieder in einen neuen Kontext tritt, dass alles „in Berührung kommt“, wie es Peter Ludwig sagte, das ist die konzeptuelle Aufgabe, die der 1998 gegründeten Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zukommen sollte: unerwartete Kontexte erstellen, um zu gucken, passen die Dinge zusammen oder eben auch nicht.“

Müsste das unter dem Stichwort „Globalisierung“ nicht viel vehementer nach außen kommuniziert werden? Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

„Gerade wir praktizieren den vergleichenden Blick in die Kulturen der Welt sehr. Mit Ausstellungen beispielsweise zum „Tisch“, wo nicht nur Stillleben, sondern Tische und Sitzsituationen in, über, auf und unter dem Tisch gezeigt wurden. In  „HAIR“, also dem Haar in der Kunst, haben wir etwa eine Arbeit von Cindy Sherman aus der Ludwigsammlung Wien, dem Allongeperücke tragenden Dirigenten der Meißener Affenkapelle gegenüber gestellt. Zwei Werke also aus unterschiedlichsten Zeiten und Kontexten. Jetzt, zum 20jährigen Jubiläum werden wir im Herbst eine große Schau zum Thema „Die Geste“ zeigen.“

Wie fühlt sich das an, mit einer so breit angelegten Sammlung umzugehen?

„Das ist natürlich ein Glücksfall. Die Ludwigsammlung ist phantastisch unendlich, hat unfassbar qualitätvolle Exponate. Damit arbeiten zu dürfen, ist toll. Allerdings sind die Stücke ja verteilt in den verschiedenen Museen. Um Leihgaben müssen wir uns bemühen. Bisher sind wir da immer sehr großzügig bedacht worden.“

Sie waren vor Oberhausen im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen tätig. Was hat Sie nach Oberhausen gebracht?

„Ich wollte eine Leitung übernehmen. Nach zehn Jahren Aachen war es an der Zeit, etwas anderes zu machen.“

Werden Sie in Oberhausen bleiben?

„Tatsächlich bin ich jetzt auch schon zehn Jahre in Oberhausen. Und – es ist mir nicht langweilig. Doch ja, ich bleib erst mal hier.“ (lacht)

Dann wird ja ein Doppeljubiläum gefeiert: 10 Jahre Leitungsjob in der 20 Jahre werdenden Ludwiggalerie Schloss Oberhausen…

„So ungefähr. Ja, das fällt tatsächlich zusammen.“

Sie stehen, was den Chefsessel in Oberhausen angeht, in der Nachfolge von Bernhard Mensch und des für die Revier-Kunstgeschichte bedeutenden Malers Thomas Grochowiak, der ab 1969 die Städtische Galerie Oberhausen geleitet hat.

„Klar ist man stolz in einer solchen Reihenfolge zu stehen. Aber Grochowiaks Programm, zeitgenössische Einzelpositionen zu zeigen, war so viel anders. Ich sehe da, wenn ich ehrlich bin, kaum Berührungspunkte. Natürlich haben wir ihm viel zu verdanken. Eine kleine Sammlung von Thomas Grochowiak, die wir die „Sammlung O“ nennen, zählt zu unserem Bestand. Da sind Spitzenstücke drin, wie z.B. „Mutter und Tochter“ von Gerhard Richter, auf die wir sehr stolz sind. Mit der Neukonzeption 1998 hat sich jedoch die Ausrichtung komplett verändert. Neben großen Ausstellungen aus der Ludwigsammlung stehen heute schwerpunktmäßig auch Themen, wie Comic, Karikatur und Fotografie auf dem Programm. Außerdem gibt es noch die Landmarkengalerie.“

05-Rudolf-Holtappel,-Karstadt,-Köln,-1964-©-Rudolf-Holtappel. Was verbirgt sich dahinter?

„Die Landmarkengalerie stammt aus der Zeit der Internationalen Bauausstellung Emscher Park, die 1989 begann, zehn Jahre später endete. Der Strukturwandel mit dem Abriss von Industriebauten, - Stichwort  „Neue Mitte Oberhausen“ und „Gute Hoffnungshütte“, heute steht auf dem Areal das CentrO -, war in vollem Gang. Dieser Strukturwandel ist damals mit Touren und Ausstellung begleitet worden. Die Landmarkengalerie war eine Anlaufstelle. Es gab Ausstellungen, wie „AT HOME“ mit künstlerischen Positionen zum Thema „Wohnen im Ruhrgebiet“. Oder „Green City“, wo es um die Landschaft in Zeiten des Strukturwandels ging. Aber man darf sich die Landmarkengalerie nicht als einen Ausstellungsraum mit eigener Sammlung vorstellen. Es ist eher ein thematisches Standbein der Ludwiggalerie.“

Ein weiteres ist die Fotografie.

„Ja, gerade läuft „SHOOT! SHOOT! SHOOT  - Fotografien der 60er und 70er Jahre aus der Nicola Erni Collection“. Und im letzten Jahr haben wir neben dem Nachlass des Oberhausener Karikaturisten und Stadtkünstlers Walter Kurowski den Nachlass des Bildjournalisten Rudolf Holtappel aufgenommen. Für diese beiden Positionen sind wir jetzt Forschungsstelle, haben dafür auch Fördergelder vom LVR bekommen. Und für Rudolf Holtappel ist eine wissenschaftliche Stelle für 2 Jahre bewilligt.“

Stichwort Finanzen: Wie läuft`s denn so?

„Darüber spricht man nicht. Nur: Auf Rosen gebettet sind wir auch nicht. Aber die Stadt Oberhausen hat uns immer unterstützt und in haushaltstechnisch schwierigen Zeiten den Rücken gestärkt.“

Gibt es einen Ankaufsetat?

„Nein, das nicht. Teuer kann ja jeder. Wir können auch nicht teuer. Aber durch unser besonderes Profil sind die Kosten breit verteilt. Und eine Comic-Ausstellung ist weniger kostspielig als eine Schau mit Leihgaben aus der Ludwigsammlung St. Petersburg. Durch die unterschiedlichen Segmente, die wir zeigen, ist es möglich Geldgeber aus unterschiedlichen Bereichen anzufragen. Außerdem unterstützt uns die Ludwig-Stiftung. In diesem Spannungsfeld hat es bislang gut funktioniert. Darüber hinaus sind wir Teil der RuhrKunstMuseen, die aktuell für das Großprojekt „Kunst & Kohle“ Gelder eingeworben haben, von denen die beteiligten Häuser profitieren. Wie sind mit „Comic und Kohle“ dabei.“

Comic und Kohle? Geht das zusammen? Fix und Foxi im Schloss Oberhausen

„Das erschien mir anfangs auch ziemlich schräg. Aber, wie das so ist, so seltsam ist das Thema gar nicht. Bei unseren Recherchen haben wir etwa herausgefunden, dass der Comic-Zeichner Ralf König als junger Mann eine Serie für ein Bergbau-Sicherheitsheft gestaltet hat. Dafür erfand er die beiden Kumpel Bodo und Heinz, die unter Tage die verschiedensten Dinge erledigen, wobei es aber eigentlich um die Vermittlung von Sicherheitsanweisungen geht. Das sind sehr unerwartete Zusammenhänge. Das Feld ist weit, man wird sich wundern, was „Comic und Kohle“ so alles zeigt.“

Und das Jubiläumsfest?

„Findet an einem Sonntag nach Eröffnung der großen Jubiläumsausstellung zur „Geste in der Kunst“ am 23. September statt,- bei hoffentlich strahlendem Sonnenschein. Wir werden`s uns im Innenhof schön machen, ich stelle mir das locker und flockig vor.“

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Vogt. 


Abbildungen:

Teaser: Dr. Christine Vogt, Foto: Axel Scherer

1) LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, Foto: Thomas Wolf

2) Rudolf Holtappel, Karstadt, Köln 1964, © Rudolf Holtappel

3) Rolf Kauka, Fix & Foxi, © Your Family Entertainment AG

Nachgefragt