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29. Januar 2015 - von Claudia Posca

Museumspädagogik im Revier

Ruhrgebiet

Kann man Kunst lernen? Gibt es Krankenhäuser für Bilder? Darf ich mal fühlen?

Spannend, was Kids so fragen. Gerade, wenn sie Kunst gucken. Fakt aber ist, dass Kinder und Jugendliche auf Ausstellungen, in Museen, Galerien, Kunstvereinen rar sind. Nur ausnahmsweise mal interessiert sich Tobias oder Laura für Vernissagen oder Gegenwartskunst. Dabei ist das Angebot der Frühförderung riesig, die Museumspädagogik im Ruhrgebiet boomt.

Bei den Nachbarn hat sich Besuch angesagt: Die Enkel kommen, „Oma, Opa treffen, Spaß haben, was rocken.“ „Klar, dass wir Programm machen.“ Anna und Horst sind passionierte Museumsgänger. „Den Spaß möchten wir weitergeben. Im Dortmunder „Kindermuseum Adlerturm“ waren wir schon, ´Mittelalter hautnah` mit Turmwächter Artur. Jetzt steht „mondo mio“ an, Tipp von den Ruhrpottkids.“

Ruhrpottkids? Als mein Sohn klein war, gab`s die noch nicht. Aber Zufälle gibt es schon. Im Kunstmuseum Bochum find` ich ein Familienmagazin: „ruhrpottKIDS“. Aha, da also machen sich meine lieben Nachbarn schlau. Alle zwei Monate liefert das kostenlose Heft ein Update. Noch klassischer: Der Griff zum Buch „Museen für Kinder“. Schneller noch geht ´fit for kids`, allerdings mit dem Internet.

Schon mal was gehört von „explorado“, dem Mitmachmuseum für 4-12jährige im Duisburger Innenhafen? Das „größte Kindermuseum Deutschlands“ wirbt mit einem „Raketen-Workshop“ und Trickfilmstudio. Auch  verführerisch: das 3D-Stahlwerk im Dortmunder Hoesch-Museum, mit dem Schüler, Kinder und Familien zur Geschichte der Stahlindustrie gelockt werden. Oder „phänomania - das wetterunabhängige Erlebnismuseum für die ganze Familie“ in Essen auf Zollverein Schacht 3/7/10.

Aber Kunst für Kinder? Das ist speziell. Farbenfeste, Materialschlacht, Plastik-Party im Museum? Enorm ist das Youngster-Angebot. Die Info-Portale www.kunstgebiet.ruhr oder  www.ruhrkunstmuseen oder www.metropoleruhr helfen beim Check. Auf einen Klick: viele Adressen Side-by-Side, ein Eldorado  individueller Kinder- und Jugendprogramme. ´Dein Geburtstag im Museum`, ´mit Oma und Opa auf Bilder-Tour`, „Lassie“- Kino genießen, Geschenk-Kunst basteln, Malerei vertonen, tanzen - Maria Montessori und Rudolf Steiner hätten Freude. Ihre bahnbrechende Erlebnispädagogik des letzten Jahrhunderts setzt moderne Museumspädagogik als Kunst zum Anfassen um. Schätze suchen in Bildverstecken, abstrakte Skulpturen begreifen, sehen, tasten, riechen, hören, schmecken, drüber reden, es geht um Sinne und Sinnlichkeit in den ´Malstuben` des Reviers. Und um ein ganzheitliches Lernen durch Erfahrung, Spiel und Spaß. Zoobesuch inklusive, wie aktuell im Dortmunder Museum Ostwall anlässlich der „Arche Noah“-Ausstellung (bis zum 12. April). Alles Dinge, von denen einige behaupten, sie seien nicht wichtig, dabei aber übersehen, dass Sinnlichkeit grundlegend ist.

Zum Glück tickt gerade Museumspädagogik anders, lädt ein zum Selbermachen, Ausprobieren, Gestalten, was im Bochumer Kunstmuseum den „Proberaum Kunst“ knistern lässt und Maske, Kostüm, Pinsel, Klang, Ton und Farben auf den Plan ruft. Die „Freitagsmaler“ etwa entwickeln hier derzeit ein Großprojekt in Kooperation mit den Bochumer Symphonikern. Und die „Artmonkeys“, ein junges Bochumer Kunst-Kollektiv erhielten 2012 den 1. Preis des „Jugend.Kultur.Preises. NRW“. Nebenan auf der Hattinger Henrichshütte sind andere Bilderforscher „immer wieder sonntags“ auf einer „Rattentour“ unterwegs zu Hochofen- und Eisenzeit, im Essener Folkwang Museum werden Kunststarter zum „Bildschönen Samstag“ eingeladen. Acht Jahre alt geworden? Ab jetzt steht einer Kunstbotschafter-Karriere nichts mehr im Weg: Seit 2010 führen Kinder Kinder durchs Folkwang Museum. Dreißig bis vierzig sind jährlich unterwegs, haben in zwei Workshops ´Kunstvermittlung` gelernt und dafür ein Jahr lang Gratis-Eintritt in die Essener Sammlung. Im Duisburger Lehmbruck-Museum können sich Kunstabenteurer zudem einen „Museumskoffer“ schnappen, im Dortmunder Ostwallmuseum heißt dieser „Kunst-Set“ und bietet Spielerisches rund ums Zeichnen und Experimentieren.

„Schon Karl Ernst Osthaus war wichtig, dass Kunst vermittelt wird. Es geht hier nicht um ein repräsentatives Kunstverständnis, sondern um ästhetische Erziehung als Voraussetzung für selbstbestimmtes Sehen, für den Umgang mit visuellen Angeboten im Alltag“ bringt Bochums Museumschef Hans Günter Golinski, Ex-Sprecher der Ruhrkunstmuseen, die Goliath-Anstrengungen auf den Punkt. Eigentlich müssten die Revier-Museen doch voller Jungvolk sein!? Zwanzig RuhrKunstMuseen neben weiteren 180 Ausstellungshäusern der RuhrMetropole sind dafür hochgerüstet. Damit sie kommen und später wiederkommen. Und weil kulturelle Bildung „einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen“ leisten kann. „Voraussetzung allerdings ist, dass wir die Tür zu Kunst und Kultur für alle Kinder und Jugendliche so früh und so weit wie möglich öffnen“ sagt Kulturministerin Ute Schäfer auf der Internetseite zur Landesinitiative „Kulturrucksack NRW“. 2012 startete das Projekt mit „28 Pilotkonzepten in 55 Städten und Gemeinden für insgesamt rund 320.000 Kindern und Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren. Ab 2013 waren über 130 Städte und Gemeinden beteiligt an 51 Kulturrucksack-Standorten, 2014 stieg diese Zahl auf 175 Städte und Gemeinden an 60 Standorten. Ab 2015 sind es 196 Städte und Gemeinden an 68 Standorten, die sich im Kulturrucksack NRW engagieren."

Mit dabei: Fleck, der grüne Papagei aus dem Mülheimer Max Beckmann-Gemälde. 79 Jahre alt schon ist das Tier, „Quappi“, die von Beckmann Portraitierte, ist seine Besitzerin. Das Kunstmuseum Mülheim lässt den Vogel fliegen, raus aus dem 1936 entstandenen Gemälde hin zu den Kids. Die erhalten ihn in Gestalt einer kleinen Broschüre mit kniffligen Wissensfragen und spannenden Mit-Mach-Aufgaben: „Wie viele Dachgauben sind über der Museumsfassade zu sehen? Was könnte man in der Eingangshalle alles machen? An welches Kunstwerk wirst du dich besonders gut erinnern können?“- keck ermuntert Fleck zum Stöbern, Rätseln, Phantasieren. Die Idee dahinter: Nesthocker flügge machen. Da kriegen selbst ´Große` Lust einzusteigen: Alice im Wunderland sein, das wär` nicht schlecht. Nächstens im  Museum werd` ich einfach mal die Perspektive wechseln: Ist Titanweiß riesengroß? Warum wird im Museum geflüstert? Wie kommt der Quark an die Wand?

Museumspädagogik im Revier