gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen

11. Februar 2016 - von Claudia Posca

Kinder an die Kunst!

Ruhrgebiet

Woher kommt Kunst? „Na, ist doch klar, aus dem Malkasten!“ Kids sind genial. Ich dagegen habe mir in den zuständigen Sparten von der Ästhetik bis zur Kunsttheorie den Knüpp ins Hirn geholt. Kunst kommt vom Können, sagt die Wissenschaft. Und von Kenntnis, sagt sie auch. Und dass Kunst von Kunst kommt, manchmal aber auch schlicht mit Begabung und Genius zu tun hat. Der Diskurs ist explosiv, die Regale sind Bücherschlau. Und ich bin ich nach wie vor neugierig.

Allerdings glaube ich vor allem der Kunstpädagogik: Kreativität kommt vom Menschen. Und der ist lange vor Leistungskurs, Akademiestudium und allen Kunst-Ismen dieser Welt unterwegs, ein Bild derselben zu kneten, matschen, malen.

„Kulturstrolche“ werden die das tun genannt, „Young Art Experts“, „Bilderforscher“ auch. Und wer weiß, vielleicht ist ein Picasso von morgen darunter.

Weil das so sein könnte, müsste es nicht nur heißen ´jedem Kind ein Instrument`, sondern auch ´jedem Kind einen Malkasten´. Davon aber ist der Alltag weit entfernt.

Gäbe es nicht die Museen. Neben den teuren Privat-Malschulen für rundum Sowieso-geförderte Kids tun sie viel für die anderen Vielen, oft für wenig bis gar kein Geld. Über 200 Museen im Revier kümmern sich in den unterschiedlichsten Kultursparten. „Komm her, mach mit!“: beim „tierischen Fest der Farben“, beim „Collagieren, phantastisch und schräg“. Oder beim Kiesschaufeln auf dem Hüttenspielplatz einstiger Industrieanlagen.

Derzeit sucht die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen junge Talente: „An die Stifte - fertig - los!“ Bis 21 Jahre alt dürfen sie für den Comic-Malwettbewerb sein. Nach Sichtung und Jurierung wird`s eine Youngster-Präsentation geben. Kinder- und Jugendausstellungen sind wichtige Foren. Als Lernort fürs Leben. Und für die  Talentsichtung. Sozusagen für die Kunst vor zukünftiger Kunst.

Das war nicht immer so. „Eigene Museen für Kinder? Museum als Lernort? Für jene Kreise der Bevölkerung, die Museen bereits seit Generationen als ihr geistiges Eigentum betrachten, sind solche Gedanken ein Horror“ schrieb es 1979 der Gründer der Oberhausener „Internationalen Westdeutschen Kurzfilmtage“ Hilmar Hoffmann in seinem bahnbrechenden Plädoyer „Kultur für alle“. Von 1965 bis 1970 war der weitblickende Politiker Kultur- und Sozialdezernent in Oberhausen, später in Frankfurt am Main. Und machte sich für eine ästhetische Erziehung von Kindesbeinen an stark, bis heute ein tragendes Fundament kultureller Bildung.

Doch was die Museumspädagogik mit großem Engagement leistet, fällt derzeit in Kindergarten oder Schule nur allzu oft  dem Zeit-, Personal- und Finanzmangel zum Opfer. Kunst-, Sport- oder Kulturunterricht? Kriegt oft die rote Karte gezeigt und landet im Aus. Eine fatale Entwicklung.

„Alle Wege zur öffentlichen Kunst führen über die Aneignung im frühestmöglichen Alter. Nur so werden die Kinder überhaupt motiviert, sich auf Kunst einzulassen. Das autonome Kinder-Museum wäre für diesen Zweck der ideale Rahmen“, forderte der kluge Mann schon damals. Und trat für Kinder-Galerien ein. Weil er „Kultur als Lebenspraxis“ wollte, weil er überzeugt war, dass wir auf „viele Formen des „Sekundarnutzens“ der Künste nicht verzichten können: Bewusstsein bilden, sensibilisieren, mobilisieren, der längeren Freizeit Inhalt geben, das Steuerungs- und Anpassungspotential der Gesellschaften (in Ost und West) vergrößern, Toleranz, Friedensliebe und Verständigungsbereitschaft wecken.“

Großartig! Reload it!

Hilmar Hoffmanns Kulturpolitik ist von enormer Aktualität. Man braucht bloß an das 2012 gestartete „Kulturrucksack“- Landesprojekt NRW für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren zu denken, das inzwischen von 220 Kommunen an insgesamt 71 Kulturrucksack-Standorten mitgetragen wird. Auf „www.kulturrucksack.nrw.de“ schreibt Kulturministerin Christina Kampmann: „Wir wollen allen Kindern und Jugendlichen die Tür zu Kunst und Kultur so weit wie möglich öffnen."

Heißt: Kinder an die Macht! Bedeutet: Wir, auf zur Basis - Gucken, woher Kunst vor der Kunst kommt. Früh übt sich, was ein Meister werden will. Talent vorausgesetzt.

Derzeit läuft in den Flottmannhallen Herne noch bis zum 28. Februar die 4. Europäische Jugendkunst-Ausstellung (EJKA), eine Kooperation mit der Stadt Essen und seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 eine feste Institution fürs Frühkünstlertum. Bewerben konnten sich Jugendliche zwischen 14 und 23 Jahren aus dem Raum Essen und Herne mit bis zu 5 Fotografien/Computerausdrucken ihrer Arbeiten, eine Fachjury wählte aus, fünf Sonderpreisträger fahren im Mai zu einem kulturellen Austausch nach Venedig.

„Was meinst Du, ist das Kunst?“ „Vielleicht, aber das ist mir nicht wichtig. Ich find`s toll, so zu malen. Und es dann auch noch auszustellen. Ganz schön mutig.“ Die Jugendlichen bewundern, was da Gleichaltrige an die Wand gezaubert haben. „Krass“ etwa finden sie den dämonischen Wolf mit Pferdeschwanz und Spitzgehörn, ein Digital Painting im Din A3-Format. Und vom „echten Wahnsinn“ sprechen sie, weil die Freundin in einem „richtigen Kunstkatalog drin ist“.

Die Eröffnung der Herner Jugendkunstausstellung ist voll. Und quirliger als jede Museumsvernissage. Viel Jungvolk, Geschwisterkinder, halt „Leben inne Bude.“ Eltern, Verwandte sind ebenfalls zahlreich. Der Abend, die Ausstellung, eine Ansprache - „das ist besonders.“

Die junge Kunst hat Lampenfieber. Eine „Keimzelle Bildender Kunst“ soll sie sein. Steht im Katalog. Und ihren Teil dazu beitragen, „die Möglichkeiten, die die Kunst bereithält, schon früh erkennen zu können.“ Das wiederum macht die junge Kunst stolz.

Frei ist sie sowieso. Eine thematische Vorgabe, eine mediale Beschränkung gab`s für die EJKA-Bewerbung nicht. Gezeigt wird Kreativität. Und individuelles Talent.

Anders dagegen ist der in der Duisburger Küppersmühle ausgerichtete „Evonik Jugendkunstpreis 2016“ orientiert: Jugend interpretiert Kunst, die Auseinandersetzung mit den museal präsentierten Originalen in der MKM-Sammlung vor Ort ist verpflichtend, nur ganze Schulklassen können sich bewerben, müssen eine Gemeinschaftsarbeit „aus einem Guss“ abgeben. 

Grundüberzeugt aber ist man hier wie dort: Kinder an die Kunst! Was mit Astrid Lindgren, die es sagte, und mit Hilmar Hoffmann, der sie in seiner „Kultur für alle“ zitiert, bedeutet: „Wir müssen von Grund auf beginnen. Bei den Kindern.“

Kinder an die Kunst!