gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen

15. Mai 2019 - von Claudia Posca

Kein Ding, ein Ding, RuhrDing

Ruhrgebiet

Gut, dass man sich untereinander erinnert: „Kommst Du auch?“ ist so eine Standardfrage. In diesem Fall war der 4.5. gemeint, die Pressetour 2 zu den „RuhrDing:Territorien“, um 9 von den insgesamt 22 ortsbezogenen Interventionen anzufahren, die von den Urbanen Künsten Ruhr als „dezentraler Institution für Gegenwartskunst im Ruhrgebiet“ (so steht`s in der Presse-Info) ab sofort an Plätzen, wie dem Bochumer Ex-Opel-Gelände oder einem Parkplatz am ehemaligen Dortmunder Hoesch-Verwaltungsgebäude drinnen und draußen in Bochum, Dortmund, Essen, Oberhausen unter eben dem Titel „RuhrDing: Territorien“ zwei Monate gezeigt werden. So kompakt, wie mein Satz sind`s die „RuhrDing:Territorien“ auch. Offiziell eröffnet wurde schon. Der Eintritt ist kostenfrei. Man sieht internationale Kunst unterschiedlichster Gestaltung sich in Alltag, Ort und Öffentlichkeit einschreiben. Nicht alles ist mein Ding.

Eine Arbeit aber ist magisch. Alexandra Pirici hat sie gemacht, zu sehen in der ehemaligen Waschkaue in der Kokerei Hansa in Dortmund. So impressionant ist das Werk, dass ich Sie dorthin beamen würde, funktionierte das mit der Mentalen Mobilität. So müssen Sie selbst - und das sollten Sie unbedingt! -, zu Piricis „Human Landscape“ reisen, wo eine Live-Performerin mit einem Hologramm tanzt. Wirklich, es lohnt sich. Die Arbeit verwöhnt Augen, gibt viel zu gucken, zu denken, zu träumen. Chapeau dafür!

Und danke der Nachfrage, liebe Kollegin! Denn hätte das Handy nicht geklingelt, womöglich hätte ich vernetzendes Kunst-Reisen, Querdenke und Meinungs-Fights, ob der Sinnfälligkeit so mancher ästhetischer Formfindungen oder deren inhaltlicher Anschaulichkeit im Parcours der „RuhrDing.Territorien“, wenn nicht vertan, so doch vertagt. Was der aktuellen Diskussion hinterhergehinkt wäre, die das Großprojekt als kreatives Storytelling rund ums Thema territorialer Grenzziehung vor dem Hintergrund aktuell erstarkender identitärer Bewegungen und eines auseinanderdriftenden Europas begreift. Das allerdings wäre ein Ding gewesen, weil Sie dann jetzt nicht hätten lesen können, was Sie gerade lesen, nur weil ich mir die „RuhrDing:Territorien“ verspätet angeguckt hätte.

Aber, dass die prallvolle Ruhr-Kultur den Terminplaner mehr als massiv spickt, wissen Sie genauso gut wie ich. Denn im MoMA Ruhr, wie einige die in Deutschland zweifellos, wenn nicht sogar europaweit, dichteste Kunst- und Museumslandschaft an der Ruhr in Anspielung auf das grandiose Museum of Modern Art in New York nennen, begegnet einem Kunst auf Schritt und Tritt. Jetzt mit den brandneuen „RuhrDing:Territorien“ noch mehr. Da kommt man schön ins Schwitzen.

Aber zu meiner Entlastung: Schon im Vorfeld der ambitionierten Kunstunternehmung hat es eine Menge vorbereitender „Wandersalons“ gegeben. Als Einblicke für Ausblicke auf das 2018 unter der neuen künstlerischen Leitung von Britta Peters gestartete, neue Ausstellungsformat von Urbane Künste Ruhr. Gespannt haben wir drauf gewartet. In der Programmvorstellung heißt es: „Im Frühsommer 2019, vom 4. Mai bis zum 30. Juni, realisiert Urbane Künste Ruhr in vier Ruhrgebietsstädten das neue Ausstellungsformat „RuhrDing“. Die erste Edition des regionenübergreifenden und jährlich wiederkehrenden Programms fragt nach der Bedeutung territorialer Festschreibungen für die Identitätsbildung. Damit wird im Brexit-Jahr ausgehend von den vielen Stadt- und Bezirksgrenzen im Revier ein Thema von globaler Relevanz verhandelt.“

Also, liebe Leser, bei so global kulturpolitischer Verwicklung wäre ich dann doch irgendwann aufs „RuhrDing“ gekommen. Auch wenn die Konkurrenz verlockender Ausstellungen im ´Roaring Ruhrgebiet` schier opulent ist. Was andererseits herrlich viel Vielfalt beschert.

„Klar komme ich mit. Um 10.30 Uhr am Bochumer Colosseum.“ Dinge einfach laufen lassen ist nicht mein Ding.

Ja, und dann und überhaupt: So eine Special-Presse-Tour lässt man sich doch nicht entgehen. Extra-Infos, Extra-Bus, Extra-Rundreisen, finde ich, sind bei aller Routine immer noch ein Privileg. Dank für eine perfekte Pressetour!

Außerdem stellte sich mir eine der ihren ähnliche Frage, was denn wohl das neue Format der „RuhrDing: Territorien“ ausmacht, wollte man sie nicht mangels klarer Definition ein Dingsbums oder ein Dingsda nennen. Staunenswert jedenfalls finden viele den seltenen Titel „RuhrDing“. Was soll das sein? Ob Britta Peters damit ihr Ding macht? Auf dass Sie und ich und wir alle zusammen damit unser Ding machen? Gut so. Die Kuratorin sieht das so:

Das RuhrDing:Territorien 2019 „Das („RuhrDing“) ist zunächst mal ein bisschen flapsig, eine Umschreibung aus der Alltagssprache (…). Andererseits spielt „das Ding“ in der Philosophie eine große Rolle. Bei Kant, Heidegger, Walter Benjamin, bei Freud. Es gibt das Ding auch in der Museologie oder im Sinne von „Thing“ in der germanischen Kultur. Da verweist es auf eine Versammlungsstätte im öffentlichen Raum. Der Begriff hat viele Bedeutungsebenen. Es gibt eine Ebene des spontanen Zugangs, und es gibt eine Ebene, wo man stärker reflektiert: wieso eigentlich „Ding“?“

Kulturwissenschaft hat die 1967 in Birkenfeld an der Nahe (Rheinland-Pfalz) geborene Britta Peters studiert. Zur Schule ging sie in Münster, seit 1986 lebt sie in Hamburg. Im Sommer 2017 war sie mit Kasper König und Marianne Wagner Kuratorin der fünften Ausgabe der international renommierten Skulptur Projekte Münster, nachdem sie zuvor von 2008 bis 2011 als Künstlerische Leiterin des Kunstvereins Harburger Bahnhof gearbeitet hat.

Jetzt also beschert uns Britta Peters die „RuhrDing: Territorien“: „Ausgehend vom Ruhrgebiet als einer von territorialen Fragestellungen geprägten Region im engeren Sinne – man denke nur an die 53 Städte und ihre Stadtgrenzen – und den Begleiterscheinungen einer zunehmenden Globalisierung wie Migration und Nationalismus im weiteren Sinne, beschäftigt sich das „RuhrDing: Territorien“ mit dem Verhältnis von Identität und Territorien“ skizziert sie die Sache mit dem Ding. Das RuhrDing:Territorien 2019

Ein prominenter Botschafter vom überregional bekannten Bochumer Figurentheater FIDENA (für Figurentheater der Nationen) hilft mit, die komplizierten Kunst-Lebens-Welt-Verhältnisse emotional näher zu bringen: Moondog. Der zauselige Vierbeiner, ganz sicher verwandt mit Fuchur, dem Glücksdrachen aus der „Unendlichen Geschichte“ Michael Endes, begrüßt uns riesengroß und etwas klamm an diesem Samstagmorgen auf dem Platz vorm Bochumer Colosseum, Westpark, Alleestraße 144. Ab und an gähnt das Tier. Immer dann, wenn Besucher zwei mechanische Hebel bedienen. Es könnte aber auch sein, dass Moondog als Türsteher der „Materialverwaltung on Tour“ davon erzählt, wie sich das verhält mit dem Schaulager ausgedienter Theaterrequisiten, die sich hinter ihm, in begehbaren Containern, zur kunstvoll-nostalgischen Kulisse fügen, darauf wartend, dass Irgendwer sie für Irgendwas einkauft und wiederverwertet.

Die Idee, Requisiten mehrmals zu nutzen, statt sie wegzuwerfen, kam vor 40 Jahren in New York auf. 2013 wurde in Hamburg die „Hanseatische Materialverwaltung“ gegründet. Und 2019 erhofft sich Britta Peters von ihrer temporären „Materialverwaltung on Tour“ im Zirkuszelt, das sie sich langfristig als „Materialverwaltung an der Ruhr“ etabliert. Ein Ort der Begegnung, ein Besucherzentrum und Publikumsmagnet ist der vielfarbbunte Fundus schon jetzt. Schöne Idee. Großes Ding.

Das RuhrDing:Territorien 2019 Was aber so gar nicht mein Ding auf dieser formidablen Pressetour war, war dieses: Kalender-Gucken in entwidmeter Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof Bochum. Selbst wenn das konzeptuelle Projekt fotografierter Laden-Öffnungszeitenschilder von Nicole Wermers über den „regulate public space“ philosophiert. Tut mir leid. Da staunten wir über Schüler-Kunst.

So, - und nu kennen Sie mein Highlight- und mein Gefällt-mir-nicht-Werk aus dem Bochum-Dortmund-RuhrDing:Territorien-Parcours. Was dazwischen liegt, und was darüber hinaus in Essen und Oberhausen zu entdecken ist, ist Ihr Ding.

 


 

Bilder: Claudia Posca

Kein Ding, ein Ding, RuhrDing