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21. Mai 2015 - von Claudia Posca

Günter Dohr - Lichter für das Ruhrgebiet

Ruhrgebiet

Günter Dohr hat Licht-Kunst gemacht. Und Raum-Kontext-Kunst. Für den Öffentlichen Raum, für private Räume. Ohne Günter Dohr wäre das Ruhrgebiet dunkler. Am 25. Februar ist Günter Dohr in Krefeld gestorben.

In Herne steht sein vierfarbiges „Licht-Tor“, in Gelsenkirchen strahlt „Consol Gelb“, im Bahnhof Krefeld ist der Fußgängertunnel ein polychromes Leuchtspiel: Ortspezifische Public Art, die öffentlichen Raum wandelt, Erlebnisräume schafft.

Anderes aus dem Atelier Dohr gibt sich autonom, war in zahlreichen Galerien, Museen und Kunstvereinen zu Gast. „Neonfelder“ etwa, rotleuchtend. Oder „statisches Objekt“, stelenartig im Raum platziert, mit Leuchtröhren ausgestattet. Oder „Rot und Blau über Gelb“, bei dem der Künstler Natrium-Dampflampen einsetzte. „Jedi“ dagegen hängte Günter Dohr 1996 als HL-Röhre an die Wand. Die „Wolken des Ferdinand Hodler“ inszenierte er als weiß-blau gleißendes Werk.  

Von diesem 1936 in Münster geborenen Künstler, der neben seiner Licht-Objekt-Kunst genauso leidenschaftlich eine hauchzarte Malerei betrieb, habe ich gelernt, dass Neonröhre nicht gleich Leuchtstoffröhre ist. Weil? Die letztere ist die moderne und farbvariable Ausgabe des veralteten, grundsätzlich rotleuchtenden Neonstabes.

Wenn man sich mit Günter Dohr traf, wusste man anschließend mehr. Übers Licht, über Strom, über Erscheinung und Atmosphäre. Geduldig, in seiner ruhigen Art analytisch, wurde es Günter Dohr nicht müde, zu erklären, wie sich das verhält mit der Technologie in seiner Kunst. Als ehemaliger Kunsterzieher und als Professor für Objekt-Design an der FH Niederrhein Krefeld/Mönchengladbach vermittelte er das schwierige Spiel zwischen Elektronik und Ästhetik leicht. Wie  wir dabei gucken, wie Wahrnehmung funktioniert, das machte spannendste Gespräche mit ihm aus.

„Vom Sehen des Sichtbaren“- so kommt seine Kunst bis heute bei mir an. Das Schöne daran: Es werden Assoziationen wach gerufen, die dem Sfumato von Nebel und Wolke ähneln, auch dem Tag-Nacht-Rhythmus, der Morgen- und Abenddämmerung.

Günter Dohr hat seine Kunst als konkrete Kunst verstanden, nicht abbildhaft. Was einschließt, dass sein Zaubern mit Licht, Farbe, Transparenz, Schein und Sein Augen öffnet, den Betrachter als Mitspieler braucht. Seine Arbeiten treiben die „Intelligenz des Sehens“ (Rudolf Arnheim) voran.

Hat nicht Goethe gesagt: „So bildet sich das Auge am Lichte fürs Licht, damit das innere Licht dem äußeren entgegentrete“?

Günter Dohr war ein kluger Kopf. Manchmal hatten seine Erläuterungen und noch mehr seine Bildfindungen mit Alchemie zu tun. Jedenfalls so, wie er es verstand, Physik und Chemie aufzumischen, um sie in seiner Objekt-Kunst mit Milchglas, farbigen Klargläsern sowie durchgefärbten Acrylglasplatten zu kombinieren. Unter Verwendung von Metallrahmungen und -kästen, von Transformatoren, Plexiglas, Stromkabeln und Netzanschluss. Das ist bautechnisch einsehbar, in der Wirkung zauberisch.

Daher die geheimnisvolle Wirkung der Dohr-Kunst! Und der Eindruck, eine „Anleitung zur kontemplativen Betrachtung“ gleich mitgeliefert zu bekommen.

Nicht von ungefähr provoziert Dohrs Lichtleuchten „zum geistigen, d.h. bewussten Umgang mit Wirklichkeit, praktisch wie theoretisch.“ (Hans Günter Golinski) - als Aufstand gegen die alltägliche Verschmutzung, wider den Pomp städtischer Leuchtreklamen, aufwendiger Laser-Spektakel oder hektischer Disco-Light-Shows.

Zuletzt noch war das hautnah zu erleben: Im Februar dieses Jahres wurde im Rahmen der „Public Art Ruhr- Neuenthüllungen“ Günter Dohrs „Consol Gelb“ in Gelsenkirchen - 2000 im Rahmen der „Internationalen Bauausstellung Emscher Park" erstmals installiert - der Öffentlichkeit erneut übergeben. Jetzt leuchtet das markante Wegemal in 53 Metern Höhe auf dem Fördergerüst des ehemaligen Schacht 9 der stillgelegten Zeche Consolidation.

Und erinnert an einen prägenden Licht-Magier des Ruhrgebiets, der als Gründungsmitglied auch der legendären Künstlergruppe „B1“ angehörte, langjähriges Mitglied des Westdeutschen Künstlerbundes war sowie in den 1980er Jahren im Vorstand und als Vorsitzender die Westdeutsche Künstlervereinigung entscheidend mitgestaltet hat.

Seine lichtleuchtenden Werke werden Günter Dohr unvergessen machen.

 

 

Portraitbild: Hochschule Niederrhein

Günter Dohr - Lichter für das Ruhrgebiet