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13. Mai 2015 - von Claudia Posca

„Green City“ in Oberhausen - Vernetztes zur Kunst im Ruhrgebiet

Oberhausen

Kunst ist Kirmes? Für viele ist das keine Frage. Weil sie weltfremd daherkomme, mit Alltag und Leben nichts zu tun habe. Passend dazu: Der Künstler als Träumer.

Der Meinung bin ich nicht. Und ebenso wenig überzeugt davon, dass Kunst überflüssig ist, weil sie keinen praktischen Nutzen, keine offensichtliche Funktion hat.

Die das behaupten, schick‘ ich ab sofort in die „Green City“-Ausstellung der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, soeben eröffnet, noch bis zum 13. September 2015 zu sehen.

Warum dort hin?

Weil Kunst hier praxisorientiert auftritt. Weil man sieht, wie sie sich in Bildern, Fotografien, Installationen und vielen Spielarten dazwischen streitet mit den Orten vor Ort an Emscher und Ruhr. Und wie sie sich reibt an der speziellen Geografie, Urbanität und Landschaft. Als Kontext-Kunst, als Kunst unter freiem Himmel, als Site-specific-work.

Wer sich drauf einlässt, erlebt einen spannenden Kur-Urlaub: Anstrengung und Genuss im Museum, 65 Künstler/Innen aus dem 20. und 21. Jahrhundert auf drei Etagen und draußen vor der Tür, wo ein Stück Strommast in den Boden gerammt, mit Sonnen-Kollektoren ausgestattet, für Verwirrung sorgt: Funktioniert das?

Ich habe mich mit der Kuratorin Nina Dunkmann verabredet: Was steckt hinter „Green City“, wo die für die künstlerische Gestaltung der Region so wichtige, historische Künstlergruppe B1 als Impulsgeber genauso vertreten ist, wie das goldfarbig-wabbelnde „Blow-Up“-Haus von Becker Schmitz oder die unter der A40-Brücke abgelichteten Dös-Kühe von Sebastian Mölleken?

„Die Ausstellung heißt ja im Untertitel „Geformte Landschaft - Vernetzte Natur“. Sie beschäftigt sich mit der vernetzten, aber auch mit der verletzten Natur in der Region. Der Strukturwandel spielt eine Rolle. Viele Künstler interessiert das, das ist ein schwelendes Thema.“

Fasziniert das auch Künstler/Innen, die nicht aus dem Ruhrgebiet stammen?

„Ja, die Ausstellung zeigt auch den Blick von außen auf die Region. Richard Serra etwa ist zu sehen. Oder Dirk Reinartz. Oder Maik und Dirk Löbbert.“

Gibt‘s Autoren, die sich ausschließlich mit dem Revier befassen?

„Ich kenne keinen Künstler, der sagen würde, dass er andere Regionen als Inspirationsquelle ablehnen würde. Allerdings: Da, wo man lebt, das prägt die künstlerische Arbeit. Man nimmt hier bestimmte Dinge wahr, lernt sie schätzen, erkennt Unterschiede.“

Ich mach mich auf, „Green City“ zu erkunden. Passend zur Strommasten-Fäll-Aktion von Pablo Wendel, der 2012 „Performance Electrics gGmbH“ als Stromanbieter zur Produktion und Distribution von Kunst-Strom gegründet hat, findet sich im musealen Innenraum eine mit seiner Außeninstallation vernetzte Mülltonne. Mit vielen Steckdosen ist sie gespickt, wird gefüttert mit Solarenergie: Kunst, die Strom produziert!

Nutzlos? „Green City“ setzt auf Kunst, die sich einmischt. Wer will, darf mitmachen und lässt sich in Johannes Jensens Botschaft „Kompostaat“ einen personalisierten Mitgliedsausweis erstellen. Konzeptualismus für den Alltag ist das. Und ein Spaß noch dazu.

Anderes im Oberhausener Ludwiggalerie-Parcours ist anders angedockt ans Leben im Ruhrpott, hat Bau- und Städteplanung, Mobilität und Lärm im Visier, fokussiert die hässlichen und schönen Winkel unter Hochspannungsleitungen, Brücken und Baumwipfeln diesseits und jenseits von Autobahn, Zugtrasse und Industriegebiet. Ein Netzwerk ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber von großer Dichte.

Die „biokinetische Situation“ etwa. HA Schult hat sie 1973 in einen Glaskasten gesteckt: Ein „Industriecamp“ en miniature, das lebt. Manfred Vollmers Fotokunst wiederum ist dem Wasser-Wege-System gewidmet, zeigt den Rhein-Herne-Kanal. Und Hendrik Lietmann entdeckt mit seinen Fotos kuriose Nischen: Das Ruhrgebiet als „Rohrgebiet“ mit Swimmingpool, Gartenliege und Sonnenschirm im Hinterhof unterm Fernwärme- oder Gasleitungssystem.

Wer das gesehen hat, wird beim nächsten Spaziergang offene Augen fürs Surreale haben. Und vielleicht auch ein bisschen übers eigene Cool-down zuhause schmunzeln: Gardenia und Balkonia an der Ruhr lassen grüßen.

„Wir hoffen, dass Kunst ein neuer Zugang sein kann. Für Phänomene, wie Klimawandel, Umweltschutz, Strukturwandel - für „trockene“ Themen, mit denen man sich nicht so gern beschäftigt. Vielleicht kann „Green City“ ein schöner Einstieg dazu sein“, sagt Nina Dunkmann.

Dabei funkeln ihre Augen, dass ich ganz sicher bin: Kunst ist nützlich.

 

Ausstellungsansichten:

Ever Ketzer: Naherholung, 2015, Installation mit PKW-Anhänger, Liegestuhl, Tisch, Sonnenschirm, Bepflanzung, © Ever Ketzer.

Klaus Douven: Verkehrsschilder, 2014-2015, Patina auf Verkehrsschildern, © VG BILD-KUNST, Bonn 2015.

Becker Schmitz: Blow Up/Haus, 2013. Aluminiumbedampfte Polyethylenfolien, © Becker Schmitz.

Mischa Kuball: Yellow Marker, 2000, Fotografie 40 x 60 cm, © VG BILD-KUNST, Bonn 2015, Fotograf: Werner Hannapel.

„Green City“ in Oberhausen - Vernetztes zur Kunst im Ruhrgebiet