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19. Dezember 2018 - von Claudia Posca

Gold statt Glitzerschnee

Essen

So, das muss ich kurz vor knapp Weihnachten auf dem Endspurt zum Fest noch fragen: Ob Sie auch zu den Optimisten zählen, die die Hoffnung auf jenes inzwischen seltene Phänomen nicht aufgeben, das Theodor Storm (1817-1888) im „Knecht Ruprecht“-Gedicht so anheimelnd notierte: „Allüberall auf den Tannenwipfeln sah ich goldene Lichtlein sitzen“. Wobei Generationen bis heute nicht so wirklich wissen, was denn der gute Mann mit den Lichtlein meinte, die vermutlich aber die Allermeisten als Glitzerschnee interpretieren.

Nun kann man rätseln, ob die weiße Pracht 2018 noch kommt oder nicht kommt, was manch einer für überflüssig hält, weil bekanntlich nicht alle gleichermaßen den Klimawandel kommen sehen. Mir allerdings fällt es schwer, ihn auszublenden. Schnee aus der Schneekanone, Eishallen in der Wüste? Finde ich absurd! Ist Fake, liebe Skifreaks, oder? 

Nur in einem sind wir uns einig: dass Weiß von großer Bedeutung ist. Und dass es sich um weit mehr handelt als bloß feinste Tröpfchen unterkühlten Wassers an Kristallisationskeimen alias dem gemeinen Staubteilchen, wie`s die Wissenschaft gnadenlos nüchtern analysiert. Denn Schnee ist magisch, ist eine himmlische Gabe. Punktum. Oder schaffen Sie`s etwa, die Seele dicht zu machen, auf dass kein bisschen Winterzauber friedlicher Märchenlandschaften rein kriecht? Eben. „Leise rieselt der Schnee, still und starr ruht der See“ ist bis heute ein Dauerbrenner vorweihnachtlicher Kultur, gedichtet vom evangelischen Pfarrer Eduard Ebel (1839 – 1905).

Aus der Zeit gefallene Nostalgie? Verpeilter Rückwärtsguck? Ja, isso. Bedauerlicherweise. Wir werden uns dran gewöhnen müssen, dass Weihnachtslieder demnächst in Relation zur Erderwärmung anders klingen. Übertrieben? Vielleicht. Noch.

„Komm schon, wo willst Du hin mit Deiner Wetter-Philosophie?“

Ertappt. Weihnachtsmarktplauderei hin oder her. Zur Entschuldigung: Es gibt Gründe fürs Denk-Flottieren. Mit, ganz klar, einem Ursprung. Und den hat das Adventskonzert „Magnificat BWV 243“ von Johann Sebastian Bach aus dem Jahr 1723 gegeben, letztens vom Bochumer „Collegium vocale und instrumentale“ in der Bochumer Christuskirche aufgeführt. Famos festlich, ungeheuer inspirierend. Jedenfalls pushten Ort, Musik und genius loci das Durchdenken, was die Vergleichbarkeit von Kunst und Klang hinsichtlich von Aura und Atmosphäre auszeichnet, und wovon die Orts- und Alltagsstimmung abhängt und wie die Grau-in-Grau-Witterung bleiern aufs Gemüt wirkt.

Wogegen was helfen kann? Genau, Sie ahnen es: Schnee, „auf dem goldene Lichtlein sitzen“ oder anderes, das besonders ist, weil es im Anblick des Schönen zu Höherem katapultiert, als spirituelles Gold wirkt.

Womit Sie jetzt die Vorgeschichte meiner Weihnachtsgeschichte kennen, die ohne Flocken auskommen muss, Ihnen dafür aber eine exklusive Bescherung auf der Essener Domplatte mit Kunst-Box und Briefkasten empfehlen kann.   

„Boah, das ist ja mal ein Brückenschlag. Könnte der extrem naturpassionierten, isländischen Allround-Künstlerin Björk gefallen: Vom Schnee zur Kunst. Aber jetzt mal im Ernst: Welche Rolle spielt der vorm Dom stehende, stoisch gleichmütig wirkende Würfel cooler Architektur im Hinblick auf erhebend Atmosphärisches? Der ja irgendwie auch an die Kaaba (arab. für Würfel, Quader) in Mekka erinnert, was bekanntlich jenes quadratische Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee ist und „als „Haus Gottes“ das zentrale Heiligtum des Islam bildet.“

"Goldraum" von Hildegard Stephan auf der Domplatte in Essen. Foto: © Claudia Posca Stimmt. Der Essener Würfel sieht ähnlich aus. Tatsächlich aber steckt `ne andere Story, biografischer Beweggrund drin. Die Suche nach schützender Höhle ist sein Hauptmotiv. Auch Auszeit und Rückzug zählen zum Konzept. Aus schwieriger Lebenslage heraus hat ihn die Kunstpädagogin und Künstlerin Hildegard Stephan als Ort der Stille fürs Raus aus dem Leerlauf erdacht. Gezeigt hat sie ihr temporäres Projekt schon einmal in den Gärten des Klosters Eberbach im Rheingau und des Schlosses Freudenberg in Wiesbaden. Dass die Mobil-Oase jetzt mitten in der City steht, ist ein Novum, fällt auf, springt ins Auge, reibt sich am Ort zwischen Essener Domkirche und -schatz. Als kantiger Widerhaken irritiert die minimalistische Architektur auf Zeit die historische Umgebung (bis 3. März 2019): Einfachheit und rechter Winkel, zeitliches Limit versus jahrhundertealte Baukultur. Das knistert ordentlich. Wer will, notiert seinen Eindruck. Ein Briefkasten steht bereit. Ein Neunjähriger habe geschrieben: „So einen Raum möchte ich in meinem Zimmer haben.“ Da ist er aber auch schon drin gewesen, in diesem hermetisch wirkenden Bau. "Goldraum" von Hildegard Stephan auf der Domplatte in Essen. Foto: © Claudia Posca

Apropos stoisch. Das ist der Würfel wirklich, - eine Art Klause auf modern für zeitbegrenztes Einsiedeln. Wobei es sich im Detail um einen asketisch möblierten Goldraum handelt, - begehbar, offen für alle, eine über vier Meter hohe Kammer mit überkopfhoch umlaufendem Fensterband, innen vollständig mit 23 Karat Blattgold ausgekleidet, außen mit einer steingrau lasierten Beplankung aus Fichtenholz ummantelt. Selbst ein Sitzwürfel ist vergoldet. Wer also Gold aussitzen mag, - nur zu. Dem Raum schadet das nicht, und beim Aufstehen sieht man das Eine und das Andere, den Raum und das Möbel, und also Verschiedenartiges in kostbarer Gemeinschaft und stofflicher Entsprechung vereint. Ein Stück vom Himmel, das Riesenrad vom Weihnachtsmarkt gilt es außerdem ausschnitthaft von innen nach außen, von unten nach oben zu gucken. Hellt es draußen auf, beginnt es drinnen zu schimmern, - wärmend für den, der gerade im „goldraum“ staunt und den sonnengelben Ton als konkretes Strahlen, Glänzen, Brillieren genießt. Da fällt einem doch glatt son Satz ein: Sich besinnen, heißt die Welt vermenschlichen.

Will heißen: Von rund 13.500 makellos glatt auf die Wand aufgebrachten Goldblättchen umgeben, stehen Sie und ich auf der Bühne. Wer da mal kein tiefes Verhältnis zu seinen Augen kriegt, obwohl man sie ja nicht sehen kann!

Bedeutet im Umkehrschluss: Egal wie viel teures Material für einen leeren Raum zur Anwendung kommt, - ohne uns ist der spirituelle Flow nicht zu haben. Also Achtung: Die Teilnahme am Projekt des meditativen Wohlfühlraumes kann zu tiefer Impression, zu erhebender Evidenz, zu außergewöhnlichem Erlebnis und nachhaltiger Erfahrung in der Konfrontation mit sich selbst führen, - weit übers empirisch Nachweisbare hinaus. Besucher des Goldraumes bringen es so auf den Punkt: „Ich habe mir was gegönnt.“  

"Goldraum" von Hildegard Stephan auf der Domplatte in Essen. Foto: © Claudia Posca Meine Empfehlung: Nur schnell die Tür schließen. Stille tanken. Für einen Moment an sich selbst teilhaben. Die Welt draußen lassen, um zu ihr zu kommen. Durchatmen. „rückzug. ruhe. verweilen. beten. wohl fühlen. „gedanken raum geben. einfach da sein. wärmen“ skizziert es Hildegard Stephan auf ihrer HP.

Probieren Sie`s aus, ich hab`s getan. Und ehrlich: Das ändert was atmosphärisch zwischen den zwei berühmten Seelen, „ach, in meiner Brust“! Ganz ohne Glitzerschnee.

In diesem Sinne: Ein besinnlich-frohes Weihnachtsfest!

 

 

 

 


Rund um den „goldraum“ bietet die Citypastoral am Essener Dom, unter der Leitung von Bernd Wolharn, und der Essener Domschatz, unter der Leitung von Andrea Wegener ein vielfältiges Programm: Gesprächsmöglichkeiten unter der Woche, spirituelle Impulse und Kurzführungen in Kombination von goldraum und goldschatz. 

 

Offene Gespräche im goldraum

dienstags 14.00 bis 16.00 Uhr

freitags 15.00 bis 17.00 Uhr

 

Spirituelle Impulse

freitags 17.00 Uhr

 

Vortrag / Gespräch

Donnerstag, 24.01.2019, Andrea Wegener, Leiterin der Domschatzkammer

Dienstag, 19.02.2019, Thomas Kesseler, Künstler und Architekt

jeweils um 19.30 Uhr

 

Kunstimpulse „goldraum trifft goldschatz

12.01.2019  und 26.01.2019

09.02.2019 und 23.02.2019

jeweils um 13.00 Uhr

 

Gold statt Glitzerschnee