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22. Januar 2015 - von Claudia Posca

Frauenpower im Museum - Teil 2

Deutschland

Er und Sie auf Augenhöhe im Kunstbetrieb? Gleichstellung im Beruf? Spitzenpositionen? Selbst auf dem akademischen Parkett ist das ein Traum.

„Die Quote der Professorinnen im Fach Bildende Kunst pendelt um die 20%-Marke. Nur jede 5. Professur war durch eine Frau besetzt, obwohl die Studierenden mehrheitlich Frauen waren“ notiert eine vom Deutschen Kulturrat auf der Grundlage des offiziellen OECKL Deutschland (eine statistische Riesen-Datensammlung) für den Zeitraum von 1995-2000 erstellte Studie. Also: Vorteil Mann.

Allerdings: Die Erhebung ist elf Jahre alt, Zeit nachzufragen. Im Oktober 2012 recherchierte „Zeit online“: „An den Universitäten haben die Gleichstellungsgesetze inzwischen erste Wirkung gezeigt… Heute ist an der Berliner Universität der Künste zum Beispiel ein Drittel der Professorenschaft weiblich.“

Gefühlt allerdings hat Frau in der Kunst noch immer die schlechteren Karten. Schließlich lag ihre Quote vor einem Jahrzehnt im sogenannten Mittelbau von Forschung und Lehre nur „zwischen 21 und 25%“. Besser dagegen sah es schon damals aus bei Preisen und Stipendien: „Künstlerinnen erhielten 47% der Auszeichnungen, ihre männlichen Konkurrenten 49%.“ Na immerhin.

Trotzdem kauften die Bundesländer hauptsächlich Kunst von Männern an. Und auch in den Museums-Führungsetagen saß vor zehn Jahren nur ein Viertel Frauen.

2013 sieht das anders aus. Die vom Frauenkulturbüro veröffentlichte Teilstudie „Frauenkulturförderung 2.0“ stellt fest: „Immerhin 42 Prozent der Museumsleitungen sind weiblich.“ Das ist ja schon mal was! Ich lasse Revue passieren, wo Frau im Kunstgebiet Ruhr eines der 20 RuhrKunstMuseen leitet: In Mülheim ist das Beate Reese, im Duisburger Lehmbruck-Museum Söke Dinkla, in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen Christine Vogt, in Gelsenkirchen Leane Schäfer, im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna Ursula Simmerich, im Gustav-Lübcke-Museum Hamm Friederike Daugelat und in der Flottmannhalle Herne ist es Jutta Laurinat - also einiges weniger als die Hälfte der leitenden Positionen ist in weiblicher Hand!

Frau Vogt, was sagen Sie als Oberhausener Museumschefin dazu?

„In den letzten Jahren hat sich da schon einiges verändert und verbessert. Nichtsdestotrotz ist es nach wie vor so, dass (fast) alle großen Museen und die Stellen der Generaldirektoren, z.B. in Berlin oder Dresden, mit Männern besetzt sind. Und wenn man in die Hörsäle und die Universitäten schaut, sind in der Kunstgeschichte viel mehr Frauen als Männer anzutreffen. Ich wage eine ungefähre Einschätzung von 80% Frauen zu 20 % Männern. Das spiegelt sich in der Besetzung der Führungspositionen auf keinen Fall wider.“

Umso erstaunlicher erscheint, was die 1905 in Bocholt geborene, 1985 gestorbene Leonie Reygers schon Ende der 1950er Jahre (!) auf die Beine stellte! Sie wurde Museumsdirektorin (!) des auf den Ruinen des Dortmunder Museums für Kunst und Kulturgeschichte neu erbauten Ostwall-Museums, begründete mit dem Ankauf expressionistischer Werke die hauseigene Sammlung. Weshalb sie in der Region als „Retterin der Dortmunder Kunst“ geehrt und eine Terrassen-Platzanlage vor dem Dortmunder „U“ nach ihr benannt wurde. Auch ein Lesesaal im Museum zählt zu ihren museumspädagogischen Pioniertaten neben der seinerzeit einzigartigen Ostwall-Malstube für Kinder. Dafür erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Ich frage Frau Vogt: Ist es im Revier leichter als in anderen Regionen Deutschlands Museumsleiterin zu werden?

„Das glaube ich nicht. Warum sollte das so sein? Es gibt in allen Regionen Deutschlands mittlerweile mehr Museumsdirektorinnen als früher. Aber in der Gesamtzahl immer noch viel zu wenig! Bei den zwanzig RuhrKunstMuseen ist es übrigens so, dass sieben Häuser Direktorinnen haben. Das ist ja nun selbst von der Hälfte noch ein Stück weit weg!“

Dann sind Sie für eine gesetzliche Frauen-Quote?

„Da alle Versuche der freiwilligen Selbstverpflichtung fehl geschlagen sind und sich noch viel in den Köpfen ändern muss, bin ich der Meinung, dass eine Quote eine gute Lösung ist.“

Ähnliches wird auch im benachbarten Dänemark diskutiert. Dort geht Sanne Kofod, Leiterin des Museums für moderne Kunst in Roskilde, davon aus, dass sich eine Quote beim Ankauf von Kunstwerken nicht negativ auf die künstlerische Qualität auswirkt. Und: Dort fordert man auch mehr Frauen-Statuen im Öffentlichen Raum. Es sei nicht einzusehen, warum vornehmlich Männer auf einem Sockel posieren und nobiliert werden.

Richtig, finde ich! Hebt mehr Frauen auf den Sockel!

Frau Vogt, gehen Frauen anders um mit der Berufs- und Karriereplanung als Männer?

„Das ist vermutlich schon so. Vor allem stellt sich die Frage, wenn Familie geplant wird. Außerdem ist es ja leider immer noch so, dass gerade viele Hochschulabsolventinnen erst spät einen festen Arbeitsvertrag bekommen. Das macht die Entscheidung nicht leichter. Und auch die immer noch vorherrschende Meinung, dass Frauen die Familien- und Erziehungsarbeit zu machen haben, bremst hier sicherlich.“

Papa-Zeit hin oder her. Der sogenannte Familienknick ist vor allem für Frauen existentiell relevant. Karriere und Baby? Beides wäre schön, ist aber unter Museumsdirektorinnen selten.

Frau Vogt, was wünschen Sie sich für die Zukunft?

„Mir ist es wichtig, dass zukünftig die Bedingungen weiter verbessert werden. Beruf und Familie müssen besser vereinbar sein. Das gilt natürlich nicht nur für den Kulturbetrieb. Und ich wünsche mir, dass ein Umdenken stattfindet. Leider herrschen noch viel zu viel alte Rollenbilder in den Köpfen vor.“

Siehe Bonn, wo Mann der Meinung ist, dass das Frauenmuseum „sein eigentliches Ziel erreicht hat“, weil schließlich „Künstlerinnen heute ganz selbstverständlich ihre Werke in den großen Kunsthäusern präsentieren können.“ Ja was denn auch sonst? Frauenpower im und fürs Museum bleibt angesagt!

 

Frauenpower im Museum - Teil 2