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8. Januar 2015 - von Claudia Posca

Frauenpower fürs Museum

NRW

Schluss mit dem Frauenmuseum in Bonn? Aus für eine seit 33 Jahren und noch immer goldrichtige und wichtige Institution, die Gender-Themen diskutierte, als noch keiner drüber sprach. Gleichstellung? Quotenregelung? War damals Zukunftsmusik...

Jetzt will die Stadt 2018 den Geldhahn zudrehen. Begründung vom Bonner Kulturdezernenten Martin Schumacher: „Das Frauenmuseum hat wesentlich dazu beigetragen, dass Künstlerinnen heute ganz selbstverständlich ihre Werke in den großen Kunsthäusern präsentieren können. Damit hat das Frauenmuseum sein eigentliches Ziel erreicht.“ Merke: Erfolg kann tödlich sein!

Dabei gilt die 1981 vom Verein „frauen formen ihre stadt“ gegründete Museums-Ikone „Im Krausfeld 10“ weltweit als Vorbild für weibliche Interessensvertretung und ist deren exponiertes Präsentationsforum. Ihr Konzept zur Gleichstellung von Mann und Frau in Kunst und Kultur wurde international kopiert - in Schweden genauso wie in Dänemark oder in der Türkei. Die erfolgreiche Wirkungsgeschichte aber nutzt augenscheinlich rein gar nichts. Schuld ist, wie immer, die „prekäre Haushaltslage.“

Oder versteckt sich hinter den Haushaltskonsolidierungsabsichten die Auffassung, Frauenmuseen seien aus der Mode gekommen? Schließlich scheint Frau im Kulturbetrieb etabliert, zeigen Frauen Präsenz in Akademien und Kunstproduktionsprozessen, in Galerien und Museen, in der Statistik von An- und Verkäufen. Auch sind heute „deutlich mehr Musikerinnen in Orchestern, Bildende Künstlerinnen in Museen und Galerien, Regisseurinnen an Theatern und Filmemacherinnen auf Festivals“ vertreten, notiert das Frauenkulturbüro NRW. Geleitet wird es von Ursula Theißen und bietet seit 1991 Künstlerinnen aller Sparten ein Forum, vernetzt, stellt Forderungen und entwickelt Förderungen, hilft „strukturelle Verbesserungen für Kultur schaffende Frauen zu erzielen.“

Ich frage nach: Gilt das auch für Spitzenpositionen des Kulturbetriebs? Wer, weiblichen Geschlechts, etwa leitet im Revier ein Ausstellungshaus, eine Kunsthalle? Schnell kann man im Museums-Mekka Ruhrgebiet den Überblick verlieren: 200 Häuser gibt es, davon haben sich 2010 - anlässlich des Kulturhauptstadtjahres - zwanzig zum Label RuhrKunstMuseen zusammengeschlossen. Darunter die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, das Wilhelm Lehmbruck -Museum Duisburg, das Kunstmuseum Mülheim in der Alten Post. Was die drei verbindet: Frauen sind hier Chef. In Oberhausen ist es Christine Vogt, in Duisburg Söke Dinkla, in Mülheim Beate Reese und im Dortmunder Ostwall-Museum ist Regina Selter stellvertretende Direktorin.

Frau Theißen, gibt es eigentlich für das Ruhrgebiet eine aktuelle Statistik des Frauenanteils in leitenden Museumspositionen?

„Leider nicht.“ Wissenschaftliche Erhebungen kosten Geld. Und auch wenn das Frauenkulturbüro vom Land NRW gefördert wird, für umfangreiche Detailstudien reicht es nicht. Gerade mal aus 1,5 festen Stellen und einem Minijob besteht das Krefelder Institut, freie Mitarbeiterinnen helfen aus. Ursula Theißen nennt es „Diaspora“.

Aber: „Es gibt da eine aus 2013 stammende, aktuelle Studie des Frauenkulturbüros.“ Die spüre ich im Internet auf unter Frauenkulturförderung 2.0. Zu lesen steht dort: „Immerhin 42 Prozent der Museumsleitungen sind weiblich, aber der Anteil der Intendantinnen an kommunalen Theatern liegt bei 7 % und bei den Philharmonien ist der Anteil der Intendantinnen bzw. Generalmusikdirektorinnen sogar gleich Null.“ Ziemlich skandalös finde ich, Emanzipation sieht anders aus! Das Frauenmuseum Bonn hat noch viel zu tun!

Anfang nächsten Jahres soll die komplette Studie zur Partizipation von Frauen im Kulturbetrieb publiziert werden. Ich bin gespannt, vor allem auf die Interviews. Etwas daraus verrät die Studie schon jetzt: „Trotz gradueller Verbesserungen werden Männern noch immer eine ungerechtfertigte, deutlich größere Präsenz und deutlich größere Einflussmöglichkeiten in vielen künstlerischen Sparten zugeschrieben - bedingt vor allem durch ihr internalisiertes Dominanzstreben.“

Das bringt mich auf eine Idee: Wie sehen das eigentlich die Museumsleiterinnen selbst? Was halten sie vom Gleichstellungsgesetz? Haben sie ähnlich hohe Ambitionen zur aktiven Selbstvermarktung wie ihre männlichen Kollegen? Muss Er gar Angst haben, künftig  auf der Strecke zu bleiben? Fortsetzung folgt.

Frauenpower fürs Museum