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5. März 2015 - von Claudia Posca

Dortmunder fürs Revier: Der Künstler-Sammler - „da entlang“ mit Erich Krian

Dortmund

Künstler, Galerist, Kunstvermittler, Sammler - Erich Krian ist unterwegs in vielen Kunstsparten und fest verwurzelt im Ruhrgebiet.

Bis heute. Und schon lange. Seine Dortmunder Galerie „da entlang“ schrieb und schreibt Kunstgeschichte der Region. Da entlang-„Salon“-Ausstellungen sind legendär über Dortmund hinaus. Ihrer malerischen Thematik wegen: Schwarzer Salon, Rosa/Lila/Pinker Salon, Grüner Salon. Und natürlich wegen der Künstler: Karl Bohrmann, Peter Bormann, Jörg Eberhard, Matthias Kunkler, Hermann Josef Mispelbaum, Günter Zins u.v.a.m.

Studiert hat Erich Krian 1969 an der Fachhochschule Dortmund bei Gustav Deppe, später wurde er Meisterschüler bei Rupprecht Geiger an der Düsseldorfer Kunstakademie. In vielen Museen und öffentlichen Sammlungen an der Ruhr und darüber hinaus zählen Krian-Werke zum festen Bestand. Ungewöhnlich farbintensive Arbeiten - „Flüchtende Drachen“ - waren 2013 im Aachener Kornelimünster zu sehen.

Ich bin neugierig, habe Erich Krian über zehn Jahre nicht mehr gesehen. Was macht er, was treibt ihn an, was hält ihn im Revier? Gibt es Veränderungen in seiner Kunst? Ich fahre nach Dortmund, Kaiserstraße 69. Es ist ein herzliches Wiedersehen. Und ein langes Gespräch.

2003 hat Erich Krian im Katalog anlässlich seiner Privatsammlungs-Präsentation im Dortmunder Museum am Ostwall erzählt, was ihm das Revier bedeutet: „Man wächst auf in dieser Region: im Großraum Dortmund, eines der Herzstücke des Ruhrgebiets. Man wächst auf nach dem Krieg. Erinnert sich noch zum Teil sehr genau an Trümmer. Ganze Schluchten. (…) Man wächst auf in dieser Region. Man lernt mit ihr zu fühlen.“ Und: „Man lernt in dieser Region. Lernt schnell, dass viele Mängel herrschen. Irgendwann erkennt man selbige als kulturelle Mängel. Weil, es drängt einen dort hin.“

Auf über drei Jahrzehnte seines Lebens mit und für Kunst blickte Erich Krian damals zurück. Inzwischen sind es über vier geworden und seine Kunstkollektion ist weiter gewachsen. Wo sie einst hin soll? „Lass uns später darauf zurückkommen.“ Erich Krian zeigt mir neueste Arbeiten, erzählt von Schicksalsschlägen, von der Motivation und Entstehung seiner „Kreuzbilder“.

Noch immer ist dieser Mann ein Vollblut-Maler. Auch wenn er seit neuestem gelegentlich mit einem Fotografen - Sebastian van den Akker - zusammenarbeitet. Gemeinsam stemmten sie im Dezember 2014 die Ausstellung „Island - Ligurien“ in der Galerie „da entlang“, die jetzt auch als „laboratorium : zwischenraum“ funktioniert.

Als Fels in der Brandung schätze ich Erich Krian, als Künstler, der sich einsetzt: für Kollegen, fürs Revier: „In der Diaspora was bewirken“ - bis heute ist das sein ehernes Credo. Inzwischen ist Erich Krian 65 Jahre alt, trägt Bart, ist, wie er lachend sagt, „nicht berühmt, aber auch nicht unbekannt“ und herrlich offen für Zufall und Veränderung. Wir drehen die Zeit zurück, um drei Kaffeepötte später in der Gegenwart zu landen.

„Dann beginnt man irgendwann mit seinem Kunststudium. Bricht auf. Zunächst in Dortmund. Später in Düsseldorf. Erspürt die knisternde Beanspruchung durch Aktionen von Joseph Beuys oder durch Jörg Immendorfs LIDL-Besetzungen. Die Hochschulrevoltierenden Bedingungen (…) jener Zeit prägen mit. Hemmen zugleich. Machen sicher auch scharfsichtiger. Und begründen die Empfindungen für die Region neu. Also entschließt man sich, in die Region zurückzukehren.“

Das war Ende der 1970er Jahre, als Erich Krian damals Anfang 30, zusammen mit seinem Künstlerfreund Ulrich Ahlheim das „Freie Kunstatelier“ im 2. Obergeschoss des Hauses, Hoher Wall 22 in der Dortmunder City gründete - ein Forum mit eigenen Ateliers, Kunstschule sowie Ausstellungsräumen für junge Kunst. Die nämlich war seinerzeit nur spärlich präsent in der regionalen Kunstszene.

Irgendwann Mitte der 1980er Jahre hat Erich Krian zusammen mit seiner Frau Regina „da entlang“ gesagt, programmatisch, kategorisch. Das war die Geburtsstunde der bis heute bestehenden Galerie. 1993 zog sie um in die atmosphärischen Altbau-Räume der Dortmunder Kaiserstraße 69. Und präsentiert seither das Who-is-Who zeitgenössischer Kunst: Katharina Grosse, Ulrich Möckel, Willi Otremba, Stefan Pietryga, Dorothea Posdiena, Peter Telljohann u.v.a.

„Mir ist der Austausch mit Künstlerkollegen immer sehr wichtig gewesen, auch die Freude an der bildnerischen Arbeit anderer, der Zugewinn an Freundschaften. Und natürlich ging`s auch darum, viele Kreative in die Region zu holen. Aber leider wird man nicht jünger.“

Bedeutet? Wird „da entlang“ in absehbarer Zeit schließen? Wird es eine Abschiedsausstellung geben? „Jaaaah, das geht mir durch den Kopf. Gute Frage. Da lässt sich im kleinen italienischen Dorf drüber nachdenken.“ Erich Krian und seine Frau haben eine Dependance im ligurischen Pompeiana. Im Sommer geht`s wieder dort hin.

Jetzt aber ist Erich Krian erst einmal hier am Ort. Er lehnt sich zurück, blickt zurück: „´da entlang` hat eine ganze Menge Ausstellungen gezeigt. Wir hatten das Bedürfnis, der Region etwas zu geben, wollten einen Sog bereiten helfen, Begeisterung entfachen - für Kunst hier vor Ort.“

Und dann passierte so ganz nebenbei eine Sammlung. „Viele ´da entlang`-Künstler haben uns Arbeiten geschenkt. Ich sag immer, unsere Sammlung hat sich ereignet. Absicht ist sie nie gewesen.“

Ingo Bartsch hatte die Krian-Kollektion 2003 unter dem Titel „Der erste Blick“ noch im schönen alten Museumsgebäude am Ostwall präsentiert. Melancholie springt uns an. 2007 verstarb der Ostwall-Museumsdirektor, Italienfreund und Futurismus-Spezialist plötzlich und unerwartet im Alter von 63 Jahren. Er war ein Urgestein der Revier-Kunstszene, schrieb vor fünfzehn Jahren über die Krian-Sammlung: „Eine Dortmunder Sammlung (…), die viele der heute die Kunst prägenden Tendenzen umfasst, die unprätentiös nicht den modischen Tagessensationen nachspürt, sich deswegen auch nicht um schnelle Vermarktung drängt und damit, gewissermaßen als Lohn, einen Stamm an intellektuell überzeugenden Kunstschaffenden sich zurechnen darf, der auch in Zukunft etwas weitaus Wertvolleres verspricht: Dauer.“

Ich sehe Erich Krian an, will endlich wissen, was aus seiner Kunstsammlung wird: „Noch sucht sie ein Zuhause im Revier.“ Ich atme tief durch: Wenn ich doch Geld und Raum hätte, die Krian-Sammlung könnte sofort bei mir einziehen!

Dortmunder fürs Revier: Der Künstler-Sammler - „da entlang“ mit Erich Krian