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23. April 2015 - von Claudia Posca

Die Qual der Wahl - Mein persönliches Best-Of-Museum im Revier

Bochum

Plauderei aus dem Nähkästchen. Weil mich so viele danach fragen: Ja, ich leb’ gern im Revier, in Hattingen an der Ruhr zwischen schnuckeligem Fachwerk-Flair, Elfringhauser Schweiz und Ennepe-Ruhr-Kreis, nah dran an den Architektur-Katastrophen-Cities von Bochum, Dortmund, Essen und Gelsenkirchen. Und ja, ich finde die Kunst- und Kultur-Szene der 53 Städte, die zur Region dazu gehören, dicht, faszinierend, spannend. So klasse, dass ich aus diesem Pott-Pourri auf gar keinen Fall weg will. Außer: Der Sonne Italiens wegen.

Was mein Lieblings-Museum vor Ort ist? Spontan hätt’ ich einen Favoriten. Aber, aber, aber…das Revier ist bunt und sine Museen sind’s auch. Da kommt man ins Trudeln. Alberto Giacomettis phantastisches „Bein“, das ich so liebe, „wohnt“ in Duisburg, Jean Fautriers ergreifender „Otages“-Kopf in Bochum, Zero-Kunst in Gelsenkirchen, Bernard Schultze in Witten, Emil Schumacher in Hagen, der Junge Westen in Recklinghausen, die Sammlung Ludwig in Oberhausen, Fluxus-Kunst in Dortmund, Wolf Vostell in Marl, die tolle Ziegler-Sammlung mit Macke, Nolde, Feininger in Mülheim, Angewandte Kunst, zeitgenössisches Design neben der Klassischen Moderne in Hamm. Und in Herne hat man sich in den Flottmann-Hallen auf junge, aktuelle Strömungen spezialisiert - ohne Sammlung.

Wie soll ich mich entscheiden? Viele weitere Adressen locken mit weiterem Vorzüglichen. Und Public Art gibt es in jeder Stadt zudem. Sogar in Schwerte, sogar in Hattingen.  

Die Konkurrenz toller Häuser, phantastischer Sammlungen im Revier ist groß. Ob ich überhaupt ein Lieblings-Museum habe? Je länger ich darüber nachdenke, desto surrealer erscheint mir eine Wahl zu Gunsten von Kandidat Nummer Eins.

Und wenn: Müsste das nicht mindestens ein Groß-Kaliber-Museum sein? Das Museum Folkwang in Essen etwa? Eines der bedeutendsten Museen in Deutschland. Seit „Kulturhauptstadt 2010“ steckt es im edlen David Chipperfield-Outfit, punktet mit dem „Hagener Impuls“ der Osthaus-Sammlung zur Moderne - Cézanne, Gauguin, van Gogh, Matisse - beheimatet rund 600 Gemälde, 280 Bildwerke, 12000 Zeichnungen und Grafiken sowie eine einzigartige, circa 60000 Lichtbilder umfassende Sammlung zur Geschichte der Internationalen Fotografie.

Oder das Lehmbruck-Museum in Duisburg mit seinem umgebenden Kant-Park nebst zahlreicher Großskulpturen unter freiem Himmel? Ist als Zentrum Internationaler Skulpturen-Kunst mit Alberto Giacomettiis (schon wieder der!) wunderbarem „Wald (La forêt)“ auch einer meiner bevorzugten Museumsadressen.

Oder relativ jung im Reigen: Das 2009 eröffnete Duisburger DKM, ein Privatmuseum auf 2700 Quadratmetern mit über 1200 Exponaten auf fünf Ebenen mit 51 Räumen (35 Künstler- und 16 Themenräume) in einer Gewerbe-Immobilie in der Nähe des Hauptbahnhofes, wo alte und neue Kunst aus fünf Jahrtausenden gezeigt wird.

Oder, ebenfalls in Duisburg, diesmal im atmosphärischen Innenhafen: Das Privatmuseum Küppersmühle für Moderne Kunst, kurz MKM genannt, das die Sammlung Sylvia und Ulrich Ströher beherbergt in einem von Herzog & Meuron (Architekten der Tate Modern in London) umgebauten historischen Getreidespeicher mit über 1500 Werken seit 1945 bis zur Gegenwart.

Oder das einzigartige Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna tief unter der Erde in den ehemaligen Gärbecken und Eisräumen der Lindenbrauerei mit der erhabenen Arbeit „Third Breath“ des phantastischen Lichtkünstlers James Turrell - eine Poesie des Immateriellen!

Oder das Josef Albers Museum im Quadrat Bottrop - 2006 mit dem Titel „Museum des Jahres“ ausgezeichnet - mit seinem eleganten, gläsernen Pavillon-Bau, der Kunst mit Natur, Innen und Außen aufs Schönste dialogisiert zur Ehre der größten öffentlichen Albers-Sammlung.

Oder das Kunstmuseum Bochum, das mir als mein „Heimat“-Museum ans Herz gewachsen ist, weil ich dort Führungen mache. Und weil es etwas anders ist als andere Museen, Konfrontations-Ausstellungen wagt und sie uns im besten Sinne zumutet, mit Kunst- und Kulturhistorischen Dialogen über Spartengrenzen hinweg, zuletzt noch „Sparsha - Berührung der Sinne - Alte und neue Kunst aus Indien“. Soll ich das etwa nicht Lieblings-Museum nennen?

Ich habe tatsächlich die Qual der Wahl. Klar ist: Es kommt darauf an, worauf man Wert legt: Auf die Kunst, die gezeigt wird. Auf die Architektur, wo die Kunst gezeigt wird. Auf die Kunst der Präsentation. Auf den Ort der Architektur der Kunst. Optimum ist, wenn alles zusammen wirkt, auf dass Kunst, Kunsthaus, Ausstellung und Umgebung gemeinsam funkeln.

Ob das unbedingt und überhaupt ein Museum ist? Geht es nicht vor allem darum, sich von einem Ort der Kunst berühren zu lassen, der einem einzigartig erscheint, rund und stimmig ist?

Dieser Ort ist tatsächlich mein Favorit, ist kein Museum im traditionellen Sinn, obwohl es dort auch Sammlungen gibt - zur Landschaftsmalerei des 19., des 20. Jahrhunderts, zu Arnulf Rainer, in Form des Nachlass-Archives des legendären RUB-Kunstgeschichts-Professors und Gründungsordinarius Max Imdahl. Sondern: Lieblingsort ist diese Adresse, weil hier Moderne auf Tradition trifft, weil dieser Ort Konkrete Kunst mit der Kunst früher Kulturepochen Afrikas und Ostasiens konfrontiert, weil dieser Ort Künstlern von Weltrang (Serra, Nordman, Rabinowitch) einen je eigenen, minimalistischen Ausstellungs-Kubus offeriert und diese zu einem wunderbaren Architektur-Landschafts-Ensemble vereint, weil dieser Ort in englischer Garten-Park-Landschaft unter uraltem Baumbestand Groß-Skulpturen von Giuseppe Spagnulo, Lee Ufan, Ulrich Rückriem, François Morellet, Erich Reusch versammelt, weil hier die beiden Corten-Stahl-Quader „O I C“ von Richard Serra auf der Mittelachse der Sylvester-Ruinen-Kapelle aus der Spätromanik/Frühgotik stehen, weil sich in den Bauresten eines Herrenhauses im westfälischen Renaissance-Stil, umgeben von einer Wassergracht, ein 2010 eröffneter, Weiß-Grün-changierend-Glas-verkleideter Multi-Funktions-Würfel für Ausstellungen, Symposien, Forschung, Weiterbildung und Kaffeepause auf idyllischer Außenterrasse mit Blick ins Grüne hineingesetzt findet, so grandios, dass man das Münsteraner Architekten-Trio Pfeiffer, Ellermann und Preckel dafür küssen möchte. Und weil demnächst im Sommer 2015 noch eine Ausstellungshalle hinzukommt - unterirdisch installiert, zu Füßen des grandiosen Kunst-Architektur-Landschafts-Rendezvous über Tage.

Ja, das ist mein Lieblings-„Museum“: Die „Situation Kunst (für Max Imdahl)“ in Bochum-Weitmar! Ich liebe diesen Ort und bin überzeugt: Einmal im Leben muss man hier gewesen sein!

Die Qual der Wahl - Mein persönliches Best-Of-Museum im Revier