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13. Dezember 2017 - von Claudia Posca

Das liegt alles an der Hanse

Lünen

Kennen Sie Torschlusspanik? Womit ja jene aus dem Mittelalter stammende Angst gemeint ist, (stimmt wirklich!) den schützenden Mauerwall bei Schließung der Stadtportale nicht rechtzeitig zu erreichen. Nur, dass es im neuzeitlichen Leben nur mehr um den Eindruck geht, etwas nicht zeitnah oder gar gar nicht mehr erledigen zu können. Sagen wir mal den Weihnachtseinkauf kurz vor knapp. Andererseits ist es ja erst so richtig schön weihnachtlich ohne Weihnachtsmarathon. Kein Chaos, kein Stress. Nur stille Nacht. Und leise rieselt der Schnee. Das wirkt sich aus. Sogar, wenn man im Stau nach Lünen steht.

Und so bin ich entspannt, fast pünktlich gelandet im Lüner LÜNTEC in Brambauer, wohin mich der bürgerschaftliche Förderverein für Kunst und Kultur anlässlich einer neuesten Katalogproduktion in den Seminarraum 1 eingeladen hatte. Was übrigens genau dort ist, wo seit 1995 ein Ufo-Augenschmeichler, - durch und durch Luigi Colani-Style -, 300 Quadratmeter Linsenform-Architektur als Business-Lounge, auf dem Ex-Förderturm der Ex-Zeche Minister Achenbach hockt.

Diesem Seltsam-Ei bin ich dankbar. Weil es gepusht hat, trotz oder gerade wegen seines bildschönen Futurismus`, dass mich ausgerechnet auf einem Technologie-Campus nostalgische Sehnsüchte befielen: nach Glühwein-Wein und Plätzchenduft, nach Kerze, Spieluhr und Weihnachtsrummel. Von wegen stille Nacht. 

Ab sofort stürze ich mich ins Weihnachtsgeschäft. Bevor die Tore schließen. Komme, was da wolle.

Und es kam, Zufall oder nicht, an diesem Tag auf Minister Achenbach, ganz und gar Passendes zum Thema Handel, Wandel und Kultur. Wenn auch ohne Jingle Bells. Dafür aber absolut Geschenke tauglich.

Die neueste Publikation, Nr. 3 in der Reihe „Lüner Stadtkunst“, ist quadratisch, praktisch, gut und zweisprachig (dt./engl.), nimmt Die neueste Publikation, Nr. 3 in der Reihe „Lüner Stadtkunst“, ist quadratisch, praktisch, gut und zweisprachig (dt./engl.), nimmt das Kasimir Malewitsch-Format des magischen Vierecks ernst, ist 96 Seiten gewichtig, in nur rarer Achthunderter-Auflage ged das Kasimir Malewitsch-Format des magischen Vierecks ernst, ist 96 Seiten gewichtig, in nur rarer Achthunderter-Auflage gedruckt (Achtung Sammler!) und widmet sich in anspruchsvoll gestalteter Schrift-Bild-Farbrelation einem einzigen besonderen Thema: dem „Lüner Hansetuch“.

Dazu muss man wissen, dass das erstmals im 9. Jahrhundert erwähnte Lünen auf der Route einer wichtigsten Handelsstraße über den Lippefluss lag. Vor allem die Nord-Süd-Verbindung von der Nord- und Ostsee über Bremen, Osnabrück, Münster, Lünen und Dortmund nach Köln bescherte reichen Fernhandel. Bier, Käse, Korn, Wein, Eisen, Kohle, Kalk und Mühlsteine, Rinder, Schweine, Pferde und Schafe wurden über die Lippe transportiert. Ob auch Flachware? Bilderdrucke? Nichts Genaues weiß man nicht. Einschlägig bekannt im Revier ist allerdings der „Dänische Ochsenweg“. Lünen erinnert dran: in der City mit einem Skulpturenensemble Bronze-Rinder.

„Ja, und die Hanse? Das Tuch? Wann kommen denn die ins Spiel?“

Jetzt. Denn im 13. Jahrhundert hatte sich Lünen zur befestigten Hansestadt entwickelt. Wer Details wissen will zum einst mächtigen Städte- und Handelsverbund guckt am besten mal in die ZDFmediathek, Stichwort „Die Deutsche Hanse“. Was eine zweiteilige Doku ist, wie die Welt durch Konsum zusammenwuchs und wie jemand Neues in den aufstrebenden Städten die Führung übernahm: der Bürger, Händler, Kaufmann. 1669 soll es den letzten Hansetag gegeben haben, offiziell aufgelöst aber hat sich der Vorläufer eines ´Pulse of Europe` nie. Und als Zwolle, die niederländische Partnerstadt Lünens, 1980 zur Hanse der Neuzeit aufgerufen hatte, „erinnerte sich Lünen daran, im 14. Jahrhundert dem mittelalterlichen Hansebund angehört zu haben, und verquickte den Wiederbelebungsgedanken des Nachbarlandes mit seinem Kunstprojekt. Die Stadt schrieb 20 Hänsestädte an, ein Ölgemälde im Format 1 Meter x 1,50 Meter einzusenden. Unter drei Themen konnten die Künstler wählen: „Die Darstellung von Szenen aus der Hansezeit“, „Bildliche Interpretationen des Hansegedankens in der Neuzeit, „Zukunftsvisionen einer Grenzen überschreitenden Zusammenarbeit“ schreibt die Redakteurin und langjährige Vorsitzende des Fördervereins Theater Lünen, Barbara Höpping, im Katalogvorwort. Schöne Geschichte, kreatives Projekt.

Wer schon kommt auf Kunst-Historie-Kicks über Nationalgrenzen hinweg? Weshalb das Lüner Kunstprojekt Alleinstellungsqualität hat. Revierweit und darüber hinaus.

Die neueste Publikation, Nr. 3 in der Reihe „Lüner Stadtkunst“, ist quadratisch, praktisch, gut und zweisprachig (dt./engl.), nimmt das Kasimir Malewitsch-Format des magischen Vierecks ernst, ist 96 Seiten gewichtig, Das wurde bemerkt. Belohnt. 2013 erhielt Lünen von der Landesregierung die Auszeichnung „Europaaktive Kommune“. „Dabei unterstützt die Landesregierung Lünen darin, den europäischen Gedanken mit Leben zu füllen und weiterzutragen, um das Bewusstsein der Menschen für die Möglichkeiten, die Europa zu bieten hat, zu fördern. Ein Baustein dieses Unterfangens stellt unser Kunstprojekt „Lüner Hansetuch“ dar“, notiert es Horst Müller-Baß als Kulturdezernent der Stadt Lünen in seinem Grußwort.

Heute ist Lünen eine der Hanse-Bilder-reichsten Städte auf dem zeitgenössischen Kunstparkett.

2016 endete die grenzüberschreitende Aktion, Künstler und Künstlerinnen aus 13 Nationen und 40 Hansestädten hatten gestaltet, was zur Kunstspezialität im Revier wurde. Da aber nur ein kleines Publikum die Stadtgalerie im Lüner Hansesaal kennt, wo die Werke hängen, hatte man eine neue Idee: Ein Lüner Hansetuch musste her. Mit aufgedruckten vierzig Hansebildern drauf.

Nie davon gehört? Was schade ist, aber nichts macht. Ich erklär`s Ihnen. Übrigens – mir ging es genauso. Das Lüner Hansetuch kann die Welt noch entdecken.

Erst gut ein Jahr jung, wird das Großformat demnächst auf Reisen gehen, ein Bilderbogen-Botschafter für Kunst und Historie wie er im Buche steht (siehe Katalog!), seiner Größe wegen aber ganz und gar unübersehbar ist. 4,15 Meter x 15,50 Meter misst das Riesenbanner.

Ausstellungspremiere ist 2016 gewesen. Da hatten anlässlich des 675-jährigen Stadtjubiläums Lünens viele nicht schlecht gestaunt, was im akribischen Digitaldruck auf der Kunststofffolie zur Hansegeschichte zurück in die Zukunft an Phantasien versammelt war: eine unverwechselbare Malerei-Kollektion, historisch angedockt, künstlerisch frei in Form und Ausdruck zwischen Abstraktion und Figürlichkeit, dabei mobil genug on tour zu gehen. Für Kunst, Kultur, City-Werbung.

Und das liegt alles an der Hanse.

Lüner Hansetuch

 

Das liegt alles an der Hanse