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17. September 2015 - von Claudia Posca

Bund? Was für'n Bund?

Herne

Nein, es geht nicht um den Bund fürs Leben. Und auch nicht um die höchste Ebene des Bundesstaates, um die Bundeswehr oder um den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Mein Bund ist der Künstlerbund. Und der ist besonders gestrickt. Naturschutz allerdings trifft die Sache nicht schlecht. Künstlerbünde betreiben so etwas wie Artenschutz: Kunst- statt Kröten-Protektorat.

„Das Beste aus 25 Jahren“ stellt gerade der Herner Künstlerbund aus. Was ein schöner Anlass ist, den 1. Vorsitzenden Reiner Glebsattel in den Herner Flottmannhallen zu besuchen. Seit 2007 ist er im Amt, gehört dem Herner Künstlerbund seit dessen Gründung 1990 an. Rund fünfzig Mitglieder zählt der Verein. Zum Vergleich: Der Westfälische Künstlerbund hat 220 Mitglieder, der Deutsche Künstlerbund 680, der Wittener Künstlerbund 13 und der Ruhrländische Künstlerbund Essen (RKB) rund 50.

Die Recherche ergibt: An der Ruhr gehört der Bund für Kunst in vielen Städten dazu. Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Witten: „Starke Orte“: Unter diesem Label kam das Vernetzungs-Projekt von 17 Revier- Künstlerbünden im Kulturhauptstadtjahr 2010 groß raus.

Dabei heißt der Künstlerbund nicht immer Künstlerbund, obwohl er einer ist. Namen wie „Werkkreis Bildender Künstler (WBK)“ oder „Duktus - Künstler im Ruhrrevier“ gibt`s auch. Andere Künstlerbünde nennen sich „Dorstener Gruppe“. Oder „Kunstraum EN“.

Der größte Interessenverband im Revier mit 75 Mitgliedern ist der „BBK Ruhrgebiet“ (Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler) mit Sitz in Dortmund. „Durch seine Kulturpolitik trägt der BBK auch im bundesweiten Dachverband dazu bei, die Arbeits- und Lebensbedingungen für Künstlerinnen und Künstler zu verbessern und die Akzeptanz von Kulturschaffenden in der Öffentlichkeit zu stärken“, betont es die 1. Vorsitzende Monika Pfeiffer.

Mit Malen nach Zahlen hat das nichts zu tun. Künstlerbünde streben Professionalität an. „Gerne geben wir aber Tipps, wie man sich weiterbilden kann. Erst wenn die Qualität stimmt, ist man bei Ausstellungen mit im Boot.“

Ob jeder im Herner Künstlerbund Mitglied werden kann? Auch ohne Akademie-Studium?

„Prinzipiell schon. Aber anders als noch vor Jahren, befindet jetzt eine alle zwei Jahre wechselnde Mitglieder-Jury über die Qualität der Bewerbungsarbeiten. Das ist von großer Bedeutung, um eine Qualifizierung nicht-professioneller Kunstschaffender anzubahnen.“

Künstlerbünde verstehen sich als Interessenvertretungen. Für ihre Mitglieder, für Phantasie und Kreativität. Hausmannskost wird nicht serviert. „Mein Mann malt auch“ ist eine Aufgabe für Hobby-Gilden. Trotzdem hält gerade Basis-Arbeit jeden Künstlerbund in Schwung.

„Fördern, was es schwer hat“, Dietmar N. Schmidt (1938-2007) vom NRW Kultursekretariat Wuppertal wusste, wovon er sprach. Für Kunstproduzenten ist das ein Wort. Für viele ist es auch ein Versprechen.

Die regionalen Künstlerbünde können ein Lied davon singen. Ortsansässig angedockt, kennen sie die Schief- und Steillagen der Kunstszene vor Ort, bieten Starthilfe für JungkünstlerInnen und Diskussionsforen für Profi wie Amateur, unternehmen Reisen, organisieren das Netzwerken, arbeiten mit Schulen und Kindergärten zusammen, publizieren Kataloge, suchen den Dialog untereinander und mit dem Publikum.

„Fördern was es schwer hat“, das ist immer noch schwer. Schön soll Kunst sein, nicht sperrig. Das schreit nach Vermittlungsgeschick. Künstlerbünde sind Umschlagplätze. Für Kunst aus dem Atelier von „umme Ecke“, regional, aber nicht provinziell. „Die Qualität muss stimmen.“

Auch der Herner Künstlerbund musste sich dazu erst finden. „Anfangs gab es zwei Lager: Die einen wollten einen Verein professioneller Künstler. Der andere Teil wollte einen Künstlerbund, der offen ist sowohl für Autodidakten als auch für Profis. Die Idee war, sich gegenseitig zu beflügeln. Außerdem sollte nicht nur elitäre Kunst ausgestellt werden, sondern wir wollten die Bevölkerung interessieren.“

Mit Mainstream-Kunst und schönen Bildern?

„In der Tat hat das viele Professionelle abgeschreckt. Viele wollten in der Jahresausstellung nicht neben einem Webteppich hängen.“

High-Culture? Low-Culture? Künstlerbünde arbeiten an der Basis.

„Mit dem Image eines Hobby-Vereins haben wir lange gekämpft. Erst durch Jurierung sind wir davon weggekommen. Die Ausstellung „Neue Perspektiven“ 2013 im Luftschutzbunker in Herne-Soding mit 28 Kunstschaffenden aus 12 Städten ist ein gutes Beispiel. Eine 7-köpfige Jury war damals im Einsatz.

Ich lasse meinen Blick schweifen: „Das Beste aus 25 Jahren“ im schönen Raum-Ambiente der historischen Flottmannhallen hat‘s nicht mit dem Webteppich. Die Qualifizierung wirkt. Der Parcours mit Malerei, Installation und Skulptur macht was her.

Auch der Bochumer Künstlerbund steckte in diesen Tagen durch Auswahl und Jury das Terrain für die nächste Jahres-Ausstellung im Kunstmuseum Bochum ab. Deko-Kunst ausgeschlossen.

Und es geht noch professioneller. „Ein privater Investor will dem Bochumer Künstlerbund demnächst Galerie-Räume mitten in der Bochumer City zur Verfügung stellen. So komfortabel hätten wir‘s auch gern.“

Sagt Reiner Glebsattel ein bisschen wehmütig. Seit Jahren ist sein Künstlerbund heimatlos. Aus einer angedachten, festen Bleibe in der Glas-Pyramide der Fortbildungsakademie des Landes NRW auf dem Gelände des ehemaligen Steinkohlen-Bergwerkes Mont Cenis in Herne-Soding wurde nichts. Und auch die Hoffnung, den Sodinger Bunker dauerhaft nutzen zu können, zerschlug sich. Der Bund als Inhaber spielte nicht mit. „Was unsere Möglichkeiten enorm einschränkt.“

Nicht aber die Zuversicht. Den Mut verloren hat Reiner Glebsattel nicht. Für seine ´Schäfchen` setzt er sich ein. Und wenn‘s drauf ankommt, auch für Kröten. Von irgendwas müssen Künstler und Bund ja schließlich leben: „Art aber fair“ - gut, dass es Künstlerbünde gibt!

Bund? Was für'n Bund?