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16. April 2019 - von Claudia Posca

Apropos Museumsgeburtstag

Duisburg

Freunde sagen, ich mache mir zu viel Kopf. Aber täte ich das nicht, hieße es garantiert: ´Mach Dir mal Gedanken`. Ich halte es so: Die Kunstszene Ruhr ist es ausgesprochen wert bedacht zu werden. Gedanken-Jogging fürs Revier macht gute Laune.

Doch dass all das Famose unterwegs Selbstläufer-Sätze produziert? Ist manchmal so. Oft kommt es anders. Fragen Sie mal Kollegen. Auch die wissen um das verzwackte Gedanken-Verfertigen. Und dann diese Spiralwurm-Fragen, in deren unendlichen Weiten vergnügliche Dimensionen genauso wie tiefe Abgründe begegnen.

Aber ich schweife ab. Der Anlass dafür allerdings sind eben diese bohrenden Fragen, wie sie sich neulich im Nachgang eines Museumsbesuches anlässlich von dessen 10jährigem Jubiläum auftaten. Das im Übrigen in Duisburg steht, DKM heißt, ein vorzügliches Privatmuseum ist und sich 2008 mit dem Netzwerk der RuhrKunstMuseen vernetzt hat.

Dieses eindrucksvolle DKM also feiert Geburtstag.

Aber feiern Museen eigentlich den Tag ihrer Geburt? Wie kommen sie, wie gezeugt auf die Welt? Auf welches Datum bezieht sich so ein Museums-Jubiläumsdate? Ist es der bestimmte Tag, das jeweilige Jahr an dem kunstpassionierte Menschen die Idee hatten dieses Museum zu gründen? Ist es der Tag/das Jahr der Grundsteinlegung? Oder der Moment vertraglicher Finanzsicherung? Wird der Tag, an dem sich erstmals die Museumspforte öffnete, gefeiert? Sehen Sie. Viele Möglichkeiten gäbe es, den 10. Geburtstag des Duisburger DKM zu datieren. Spiralwurm-Fragen.

In der Museums-Vita, Blatt 6 der Pressemappe vom 26.3. 2019, steht unter Punkt 1 der 10 wissenswerten Fakten zu dem 2700 Quadratmeter großen, 5 Ebenen hohen, in 51 Räumen an der Duisburger Güntherstraße 13 - 15 beheimaten DKM notiert, das bis heute schon 41 Ausstellungen in dem einen Jahrzehnt seiner Existenz zeigte: „Eröffnung unter der Schirmherrschaft des damaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers am 22.1. 2009.“

Und weil damit klipp und klar der Geburtstag des DKM genannt ist, denke ich darüber nicht länger nach. Happy birthday DKM! Und Cincin auf viele weitere Jahrzehnte!

Was ab jetzt zählt: Schön, dass es Dich gibt! Noch schöner, dass es Dich seit 10 Jahren schon gibt. Und am Schönsten: dass Du eines der außergewöhnlichsten Museen in der Metropole Ruhr bist. Und ich vermute, höchst vermutlich sogar weit darüber hinaus. „Eine sammlerische und gestalterische Leistung, für die ich nur ein Wort übrig habe: Uuunglaublich“ schrieben es Kasper König, Julian Heynen und A. Hömberg (hoffentlich habe ich den Namen richtig entziffert) am 24.1. 2009 ins Gästebuch.

Und das stimmt. Das stimmt sowas von. Weil das Duisburger DKM mit seiner exklusiv subjektiven, rund 1200 Stücke starken Privatsammlung aus sage und schreibe 5000 Jahren Kunst- und Kulturgeschichte ein seeleverwöhnender Hingucker in einem von außen eher unscheinbaren Gebäude mit Magie im Inneren ist. So, dass selbst Guck-Pygmäen große Augen bekommen. So kühn, wie die versammelten Konfrontationen von zeitgenössischer Kunst seit den 1960er Jahren bis heute sind. Neben klassischer und zeitgenössischer Fotografie, neben 2000 Jahre alter sowie aktueller Kunst aus Südostasien, side by side präsentiert mit Kunst aus Alt-Ägypten und Gandhara, - in einer ehemals hübsch-hässlichen Gewerbeimmobilie aus den 1960er Jahren gezeigt, die binnen dreier Jahre im asiatisch-minimalistisch inspirierten ZEN-Stil umgebaut wurde. So still, so ästhetisch, so besonders. Mit traumschön gemäldeartigen Ausblicken in Outdoor-Garten-Kunst-Landschaften, – ein Stückchen ZEN in der eiligen Urbanität drum rum.

Impressionen aus der Ausstellung 10 Jahre DKM im DKM Museum Duisburg Versprochen: Sie erleben einen Ort, wo Solidarität mit der Weile großgeschrieben wird. Und sich eine der erhabensten Ernst Herrmanns-Installationspräsentationen, die ich kenne, dem imaginären eigenen Museum einbrennt. Atemberaubend raumeinnehmend. Räumlich atmend. Atmosphäre pur. Das DKM ist eine Oase von phänomenaler Gravität.

Zahlreiche „Linien stiller Schönheit“ geben dem Museumsjuwel die Philosophie. Im DKM ticken die Uhren langsamer. Ästhetik forever. Eine Jubiläumsparty zum Geburtstag? Von wegen. „Nicht mit einem bombastischen Fest, sondern getreu dem Museumsleitbild „Linien stiller Schönheit“ mit einer besinnlichen Rückkehr, begeht das Museum DKM seinen zehnten Geburtstag. Ab Ende März wird auf der gesamten Wechselausstellungsfläche des Erdgeschoss die Erstpräsentation originalgetreu nachgebildet. 2009 wurden Künstler ausgewählt, die lange mit der Sammlung verbunden sind und eine sehr wichtige Position in ihr einnehmen.“

Jaaah, auch so kann Geburtstag gefeiert werden: Meditativ. Besinnlich. Mit Muße. Für Anschauungstatsachen eigener Art in „wohltuenden Ruheräumen (…), die Augen mit Ruhe wandern und auch schließen lassen“, werden die Museumsgründer Dirk Krämer und Klaus Maas, deren Initialen zusammengezogen den Namen DKM ergeben, im Sammlungskatalog Band 1 zitiert.

Impressionen aus der Ausstellung 10 Jahre DKM im DKM Museum Duisburg Die beiden sind passionierte Sammler seit rund 50 Jahren und hatten schon mal die Idee, im Museum wohnen zu wollen. Von 1998 bis 2011 stemmten sie eine Schaufenster-Galerie im Duisburger Innenhafen, bauten sich 2005 ihr eigenes Museum, fußläufig zwischen Duisburger Hauptbahnhof und Wilhelm Lehmbruck Museum gelegen. Einzigartiges kam heraus, ein Gesamtkunstwerk hoch speziell, buchstäblich ohne Etikett. Denn DKM heißt auch: Infoschilder fürs Kunstwerk sind ein No-Go. „Bilder brauchen keine Namen. Optisch stören Schilder. Immer.“ Hat mir das Sammlerpaar versichert. Gefeiert wird das Phänomenale.

Die etwas andere Geburtstagsparty zieht in den Bann. Entschleunigung auf allen Ebenen.

Obwohl: Man kann doch das eine tun, ohne das andere zu lassen? Was wäre eine Welt ohne Namen? Ohne Drive? Ist Sprache tatsächlich immer imperialistische Anmaßung, die die Rasanz der Welt vorantreibt, babylonische Verhältnisse kreiert?

Sehen Sie: Da sind sie wieder, die Spiralwurm-Fragen. Selbst ein magischstes Museum des Reviers, dazu noch Geburtstagskind, ist davor nicht gefeit. Gut, dass das DKM all dem mit einem leisen Buddha-Lächeln begegnet.

 


Fotos: Claudia Posca.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung 10 Jahre DKM im Museum DKM Duisburg finden Sie in unserem Kunstgebiet.Ruhr Ausstellungskalender!

 

Apropos Museumsgeburtstag