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28. Juli 2016 - von Claudia Posca

Angewandt. Unbekannt?

Gelsenkirchen

Sie werden überall herumgefahren. Sie prangen auf Werbeflächen, Aufklebern und Briefköpfen: Logos, die die Welt bewerben. Moderne Ikonen. Ohne Blattgold. Mit Promi-Faktor. Ganz klar, die Sache mit dem Logo ist logo: angewandte Kunst, visuelle Kommunikation. Wenig Bild symbolisiert viel Firma, treffsicher, individuell, direkt, überzeugend, überraschend, einzigartig, kreativ, eindrücklich, clever, informativ. Gute Markenzeichen wirken. Weshalb Design alles ist. Logos haben Macht.

Wer aber macht die Logos? Angewandt. Unbekannt?

Nehmen wir mal das der Deutschen Bank. Oder das der Heizungsfirma Viessmann. Schwant Ihnen was? Ich wurde auch gefragt: „Hasse ne Idee, wer die Embleme erfunden hat?“ Nein, hätte ich nicht gehabt, wäre ich nicht ab und an Gast im Kunstmuseum Gelsenkirchen.

Dort nämlich gibt`s einen besonderen Raum für einen besonderen Künstler, vor dem man sich jetzt zudem mit einer großen Einzelschau verneigt: Anton Stankowski, gebürtiger Gelsenkirchener, ein Titan der Branche zwischen Kunst, Design und Logo.  

Der Mann wurde 1906 geboren. Zwischen 1921 und ´26 ließ er sich als Dekorations- und Kirchenmaler ausbilden,  studierte drei Jahre an der Folkwangschule Essen bei dem Grafiker, Typografen und Maler Max Burchartz, arbeitete im renommierten Züricher Reklameatelier von Max Dalang, gründete 1951 sein grafisches Atelier auf dem Lillesberg in Stuttgart, war von 1969 bis 1972 Vorsitzender des Ausschusses für visuelle Gestaltung des Organisationskomitees für die Spiele der XX. Olympiade in München 1972. Und erhielt 1976 den Professorentitel durch das Land Baden-Württemberg. 1998 ist der Logo-Magier Anton Stankowski in Esslingen bei Stuttgart gestorben.

Und wir im Revier? Haben wir den Meister der Zeichen vergessen? Das nicht. Nur namentlich, da ist er weniger Vielen bekannt. Signets, Icons und Wortmarken aus seinem Atelier dagegen sind weltberühmt. Weil gnadenlos präsent.

Zum Beispiel dieses: Um 1959 hat sich der Künstler ins Schrägelement verguckt. Schräg, schräger, diagonal - fünfzehn Jahre später baut er aus fünf gemalten Balken sein wohl berühmtestes Logo. Vier Striche zum Quadrat komponiert, mit einem Balken quer drin. Die Deutsche Bank hat`s gefreut. Möglich, dass das Icon ihr beim Großwerden half. Seit 1974 ist das Stankowski-Quadrat auf blauem Grund das unverwechselbare Markenzeichen ´Deutsche Bank`. Ehrfürchtig spricht man von den „teuersten fünf Linien“ der Grafik- und Designgeschichte. Hätten Sie`s gewusst?

Logo-Kunst, Marke Ruhrgebiet. Angewandte Kunst von einem, der Kunst und Design aufs Feinste miteinander verband. Berühmtes Stankowski-Zitat: „Ob Kunst oder Design, ist egal, nur gut muss es sein.“

Ob das auch für bloße Farben gilt? Mir fällt da der jüngst vom BGH entschiedene Rechtsstreit zwischen der Sparkasse und der spanischen Santander Bank ein. Die beiden sahen rot. Weil die beiden Rottöne HSK 13 und HSK 14 einander so ähnlich sind, die Sparkasse aber schon 2007 ihr HSK 13 und ähnliche Farbtöne beim Deutschen Patent- und Markenamt als geschützte Marke hatte eintragen lassen. Wogegen die Santander-Bank klagte, um ihr HSK 14 nutzen zu können. Doch das Gericht entschied zu Gunsten des Sparkassen-Rot: Wegen der „breiten Durchsetzung“ im deutschen Markt. Die Verbraucher nähmen es - weil es in über 15.000 Sparkassen-Filialen einheitlich auftauche - als Produktkennzeichen wahr.

Woran man erkennt: Corporate Identity ist ganz schön gewichtig. „Finden, vereinfachen, versachlichen und vermenschlichen - das letzte ist das schwerste“ suchte Anton Stankowski einen goldenen Weg als Schnittmenge aus Kunst und Design zu gestalten. Mit Geometrie, Variation, Progression und Serie. Viele Logos kamen heraus die das Erscheinungsbild der BRD prägten.

Überhaupt: Seit ich weiß, dass Anton Stankowski auch fürs Viessmann-Logo steht, - Sie wissen schon: das mit dem gestapelten Doppel-S im Namen -, seh` ich überall im Revier die Viessmann-Firmenwagen flitzen. „Gute Zeichen sind einfach und knapp gefasst, schnell merkbar.“ Eben so, wie die beiden übereinander gebauten S-Buchstaben für Heizschlangen und ihre Technik.

Doch dass Logo-Kunst im Ursprung auch Malerei sein kann? Hätte ich nicht gedacht. Wird aber klar in der Gelsenkirchener Stankowski-Schau. Die 100 Bilder konkret-konstruktive Malerei zur systematischen Erkundung von Farbe und Farbfläche, von Raum und Struktur öffnen Augen. Schon mal ins Laboratorium von Markennamen geguckt? Sehen, was woher seine prägnante Präsenz nimmt? Was es für Varianten bei der Schieflage einer Diagonale gibt? Und wie die wirken?

„Das Bild kann helfen, abstrakte Vorgänge zu verstehen, Vorgänge technischer Art in kurzer Zeit besser zu erlernen. In der Zeit des Spezialistentums kann somit das Bild erkenntnisvermittelnde Funktion übernehmen“, sagst einer, der für seine „Gestaltungsfibel“ mit dem Untertitel „Versuche der Möglichkeiten“ auch schon mal gerne Farbexperimente auf rotierenden Grammophonplatten wagte. Der aber gleichzeitig ein höchst aufgeräumter Kopf war: „Ästhetik ist Ordnung“ schloss Anton Stankowski Zufall, Chaos, Willkür beim künstlerischen Gestalten aus.

Vom oft beschworenen Graben zwischen Kunst und Design hat der große Sohn des Reviers nie etwas gehalten. Überzeugt davon, dass Kreativität die Mutter beider Disziplinen ist, webte Anton Stankowski am ganz eigenen Cross-Over: „Ohne Malerei kann man nichts erfinden.“

Und erfand das Iduna-Signet, das Berlin-Logo. Angewandt. Nicht unbekannt!

 

Angewandt. Unbekannt?