gefördert durch RAG Stiftung
Städtefilter:
  • Alle Städte
  • Alpen
  • Außerhalb vom Ruhrgebiet
  • Bergkamen
  • Bochum
  • Bottrop
  • Bönen
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken
  • Dorsten
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Fröndenberg
  • Gelsenkirchen
  • Gevelsberg
  • Gladbeck
  • Hagen
  • Hamm
  • Hamminkeln
  • Hattingen
  • Herdecke
  • Herne
  • Herten
  • Holzwickede
  • Hünxe
  • Kamen
  • Lünen
  • Marl
  • Moers
  • Mülheim an der Ruhr
  • Neukirchen-Vluyn
  • Oberhausen
  • Recklinghausen
  • Ruhrgebiet
  • Schwelm
  • Schwerte
  • Selm
  • Unna
  • Waltrop
  • Werne
  • Wesel
  • Witten
  • Xanten
Filter schließen

27. April 2017 - von Claudia Posca

And the winner is

Ruhrgebiet

Damit war nicht zu rechnen: Unna im Award-Fieber. Großer Publikumsandrang. Wer gewinnt den „Internationalen Licht-Kunst-Preis 2017“? Es war die Frage des Abends in der Stadt des Leuchtens. Über das am Ort beheimatete „Zentrum der Internationalen Lichtkunst“ habe NRWs Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gesagt, es sei eine „weltweit einzigartige Einrichtung“. Was ich, naja, nicht beurteilen kann, gerne aber glaube. Fakt ist: Seit das östliche Ruhrgebiet in seiner Kreisstadt Unna in der ehemaligen Linden-Bierbrauerei einen funkelnden Hotspot hat, zum Großteil ist er unter Tage zu bestaunen, - Motto: „Weithin leuchtend - tief unter der Erde strahlend“ -, sickert ins Hirn: Licht ist mehr als Beleuchtung. Und: Glühbirne, Neonröhre, LED & Co können anders. Nur ´an` und ´aus` war gestern. Heute kreieren Strom, Schalter, Bits, Bytes und Dioden auch noch super Kunst.

Zu sehen ist das in Unna auf 2400 Quadratmetern. Was Blitz, Funke, Leucht- und Schlaglicht in schönster Energieform bedeutet. Ein Dutzend Installationen der wichtigsten internationalen Lichtkunst-Positionen arbeiten dafür. Besonders. Fabelhaft.

„Ja, und mit einem so kreativen Potential kann visioniert werden, was lichttechnologisch weiter wünschenswert wäre. Eine potente Lichtindustrie muss es dann nur noch entwickeln. So könnte Kunst tatsächlich gesellschaftsrelevante Zukunftsfragen auf den Weg bringen.“

Das klingt ja ganz danach, als habe sich da jemand schon im Vorfeld des für diesen Abend angesetzten Talks „Ist Lichtkunst der Schlüssel zu den Fragestellungen der Zukunft?“ Gedanken gemacht. Als dritte und letzte Podiumsdiskussion in der Reihe „Lichtgestalten“ ist die Experten-Runde der Award-Verleihung vorgeschaltet. Beginn 17.30 Uhr. Wir sind noch zwei Stunden weit weg vom „International Light Art Award“, kurz ILAA.

„Wie überhaupt kam ILAA zu Stande?“

Ja, wie eigentlich? Kurzes Brainstorming: 2015 kam erst die Idee, dann die Erstausgabe. 10.000 Euro winken dem Preisträger. Ausgelobt wurde ILAA für Kunst aus künstlichem Licht. Was Objekt, Installation, Skulptur sein darf, aber in jedem Fall ortsspezifisch konzipiert sein muss, abgestimmt auf die besondere Höhlenarchitektur der ehemaligen Gär-, Lager, Eis- und Kühlräume im labyrinthischen Schattenreich des einzigartigen Ausstellungsortes in Unna.

Außerdem: Hip Futuristisches punktet. Der „Innovationsgrad, der Umgang mit neuen Technologien und Nachhaltigkeit“ zählen. Projektionen oder Projektionsmapping dagegen haben keine Chance. Licht sei hier „lediglich eine notwendige Quelle“, um einen Film oder Ähnliches zu visualisieren. Was bedeute, dass es nicht um die „besondere ästhetische Qualität des Lichts selbst“ gehe. Die aber will man veranschaulicht sehen. Punktum. Soweit die Bedingungen.

„Hmm, ganz schön viel schön Spezifisches.“

Ja, genau. Und das macht ILAA sehr attraktiv. Denn es stimmt ja: Noch immer ist Licht-Kunst weit exotischer als Malerei, Skulptur, Fotografie und Videokunst. Auch wenn viele vom Lichtleuchten fasziniert sind. Im Olymp der Künste muss sich Lichtkunst ihren Platz erst noch erobern. Da ist so ein Award Gold für die Szene.

Abgesehen davon: Kunst & Licht kostet. „Lichtkunst ist eine anspruchsvolle Form der Kunst, da sie so teuer zu realisieren ist. Deshalb will der ILAA jungen Künstlern, die mit Licht arbeiten möchten, einen positiven Impuls geben“ sagt Unnas Museumschef John Jaspers im neuen Magazin „ArtLight“.

The winner is? So gesehen ist es die ganze Licht-Kunst-Sparte.

Also hieß es, anders als beim ersten Mal, für den ILAA 2017: Open Call. Jetzt konnte sich jeder Licht-Visionär bis zum 14. August 2016 bewerben. Zwei Monate später nach einer Vorauswahl: Jury-Sitzung, Finalisten-Findung.

The winner is…? Noch geheim. Die Spannung steigt.

Dafür aber ist es kein Geheimnis, dass die erste Preisträger-Ausstellung „12.000 Besucher - 40 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2014“ dem Lichtkunst-Tempel Unna bescherte, wie Museumschef John Jaspers im Internet-Blog der Innogy-Stiftung zitiert wird. Die 2009 aus der RWE Jugendstiftung hervorgegangene Organisation („Eigenkapital von gut 60 Millionen Euro“) hat den ILAA-Preis gemeinsam mit dem Zentrum für Internationale Lichtkunst aus der Taufe gehoben.

„Unsere Aufgabe als Stiftung ist es, Diskurse in Gang zu setzen. Sonst wird Lichtkunst vielleicht nur als schön oder modern empfunden, aber mehr auch nicht. Und das wäre eine verschenkte Chance“, betont Stiftungsgeschäftsführer Stephan Muschick die Innovationsmotivation.

Neu dabei ist für den Zukunftspreis: ´Ade Berlin. Welcome Unna`. Gut so. Das feierliche Event findet jetzt dort statt, wo ILAA geboren wurde: im „Zentrum für Internationale Lichtkunst“, vergangenen Freitag, in Festival-Stimmung, mit viel Prominenz aus Kultur, Stadt, Wirtschaft und Politik.

„Weißt Du, warum Unna für ILAA steht, statt Berlin?“

In der druckfrischen Broschüre, - Format ´quadratisch, praktisch, gut`- , steht`s geschrieben: „Das Zentrum für Lichtkunst ist ein ganz besonderer Ort, nicht nur in der Region, sondern bundesweit. Unna ist so etwas wie die natürliche Heimat der Lichtkunst. Daher war es nur konsequent mit der zweiten Edition von Berlin nach Unna zu gehen“, bekräftigt man das Bekenntnis zur Ruhr-Metropole.

Macht doch Hoffnung für zukünftige ILAAs in Unna, oder?

The winner is…? Noch durfte keiner nicht auch nur ein Fitzchen Finalisten-Kunst sehen.

Dafür ist`s rappelvoll, Konstantin Manaev, der junge Cello-Spieler, hat die Bach-Suite für Violoncello gerade beendet. Die Spannung steigt, es knistert. Hochspannung. Hoffentlich gehen uns nicht die Lichter aus.

„Gib mal ´nen Tipp. Who is the winner?“

Selbst auf dem Presse-Meeting am Morgen herrschte Stillschweigen. No comment. Nur so viel: Drei Finalisten stehen fest. Es ist das niederländische Duo Matty Vroegop und Ed Schoonveld, der Japaner Satoru Tamura und Tilman Küntzel aus Deutschland. Natürlich sind die Drei unter den Festgästen, nervös, fiebrig, vielleicht aber auch ganz cool.

Das Rätseln geht weiter, das Programm auch. Es sprechen Jochen Stemplewski, Vorsitzender des „Zentrums für Internationale Lichtkunst“, Innogy-Geschäftsführer Stephan Muschick, NRWs Kultur-Staatssekretär Bernd Neuendorf und Werner Kolter, Unnas Bürgermeister.

An diesem besonderen Abend hat sich Unna ins Zeug gelegt. Das Engagement, unter anderem: ein prominenter Kulturmanager für die Moderation: Gerard Goodrow. Der Mann war an Museen in New York und Köln tätig, mehrere Jahre als Spezialist für Nachkriegs- und Gegenwartskunst bei Christie’s in London beschäftigt und leitete von 2003 bis 2008 die Art Cologne.

Das Who-is-who auf Seiten der Jury? Setzt sich fort. Unter anderem führte Keith Sonnier den Vorsitz. Er gilt als einer der wichtigsten Licht-Kunstpioniere unserer Zeit.

Fehlt eigentlich nur der rote Teppich. Doch ob Künstler das mögen? Darüber schreiten? Posieren?

Sicher aber ist, mit oder ohne Teppich, der ILAA ist dabei ein Power-Lichtbündel zum Label zu packen. Auf dass die Sparte Lichtkunst noch bekannter wird.

Immerhin, ach, was sage ich, - die zweite Ausschreibung des „International Light Art Award Unna“ hat brilliante 300 Konzepte aus 41 Ländern in den Contest gebracht. Von wegen Kunst aus Künstlich-Licht sei Nischenkunst.

20.25 Uhr, vielleicht auch etwas später. Endlich kommt, worauf alle warten. Jurymitglied Christina Kubisch, selbst eine wichtige Vertreterin der Klang- und Lichtkunst, verkündet die Preisträger. Der dritte Platz geht an Tilman Küntzels audiovisuelle Rauminszenierung mit heruntergefallenem Lüster, der zweite an das Künstler-Duo Vroegop/Schoonveld für „Echo, turning the light around“. Großer Applaus. Auch weil jetzt klar ist:

The winner is…: Satoru Tamura und sein funkensprühender „Point of Contact for Unna“.

Hinfahren, gucken gehen. Es lohnt sich. Mein Favorit: die magisch-poetisch-sirrend-klirrend-flackernde Nobelfunzel von Tilman Küntzel!

And the winner is